Grünstadt Als Kleinkind im Geigenkasten geschlafen
Bei ihrem Tag der offenen Tür hatte die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz jüngst zu einem Mitmachkonzert eingeladen. Eine der Laien, die mit den Profis spielen durfte, war Luisa Stoeckel, die seit sieben Jahren Geigen-Unterricht an der Musikschule (MS) Leiningerland in Grünstadt nimmt. Für die Zwölfjährige war der Auftritt, der von einem SWR-Kamerateam begleitet wurde, ein Höhepunkt ihrer jungen musikalischen Karriere.
„Das Fernsehen hat mich am Mittwoch vor dem Konzert am Sonntag im Baumarkt angerufen“, erzählt Luisas Mutter Irmgard Stoeckel-Lenhart. Es folgten Interviews mit ihr und am Donnerstagmorgen mit ihrer Tochter. „Weil die Fragen nicht mitgeschnitten wurden, musste ich lernen, in ganzen Sätzen zu antworten“, berichtet die kleine Geigerin. Die Noten für den Ungarischen Tanz Nummer 5 von Johannes Brahms habe sie auch erst dann bekommen. Zwar hatte die Gymnasiastin schon eine leichtere Version des Stücks im Unterricht bei Heidi König durchgenommen, aber die vorgelegte Variante barg noch einige Hürden. Stundenlang habe sie besonders schwierige Passagen geprobt. Denn vergreifen wollte sich die Grünstadterin vor laufenden Kameras auf keinen Fall. „Schnelle Fingerläufe hatte ich schon in der Musikschule. Die waren nicht das Problem, aber das Spiel in der fünften Lage nahe am Korpus“, erläutert sie. Letztendlich hat sie den Auftritt mit Bravour hinter sich gebracht. „Ich habe alles um mich herum ausgeblendet und mich voll konzentriert“, erklärt sie. Weder einen Einsatz verpasst noch einen falschen Ton erzeugt hat Luisa, die sich vorstellen könnte, professionell Musik zu machen, auch als Lehrerin. Das Talent dafür liegt dem Mädchen, das auch Hip Hop bei der TSG tanzt, in den Genen. „Mein Urgroßvater Josef Guttenbacher hat sich autodidaktisch fünf Instrumente beigebracht: Akkordeon, Cello, Klarinette, Klingende Säge und Zither“, so die Siebtklässlerin. Beide Onkels haben eine Jazzband gegründet und sind Mitglieder einer Bigband in Dahn. Cousins und Cousinen beherrschen Klavier und Gitarre, die Mutter hat Violine gespielt. Zudem ist der Stiefvater Wolfgang Lenhart musikalisches Vorbild: Mit 18 hat er die Kolpingband ins Leben gerufen und zu seiner Ausbildung als Sonderschulpädagoge gehörte auch das Fach Musik. Heute begleitet er unter anderem den Chor der Siedlergemeinschaft Grünstadt. Den ersten – indirekten – Kontakt mit ihrem Instrument hatte Luisa mit zwei, drei Jahren. „Mit meinem Kuscheltier hab` ich mich in den Geigenkasten meiner Mama gelegt. Das war so schön gemütlich“, erinnert sie sich. Die Saiten zum Klingen gebracht hat das Mädchen erstmals mit der Einschulung. Eigentlich habe sie Saxofon lernen wollen, aber Monika Macziol, bei der Luisa Musikalische Früherziehung hatte, meinte, die Violine sei ideal für sie. Die Wahl sei richtig gewesen, sagt die Zwölfjährige, die damals mit einer Viertel-Geige anfing und seit etwa einem Jahr auf einer ganzen Violine spielt. Irmgard Stoeckel-Lenhart hatte zunächst Bedenken, dass das Instrumentenlernen parallel zum Einstieg in die erste Klasse ihre Tochter überfordern könnte. Doch Luisa sagt, dass sie mit dem dauernden Malen von Mandalas in der Dekan-Ernst-Schule nicht ausgelastet gewesen sei. Am Leininger-Gymnasium besucht Luisa eine Musikklasse, wo eine Wochenstunde zusätzlich in dem Schwerpunktfach angeboten wird. Hier müssen die Schüler zudem an einer musikalischen AG teilnehmen. „Ich bin Mitglied im Vororchester des LG, das vom MS-Leiter Richard Martin geleitet wird“, erzählt die Geigerin, die auch im Jugendorchester der Musikschule sowie in der Kolpingkapelle spielt. Im Ersten Akkordeonorchester Grünstadt hat sie ebenfalls schon mitgewirkt. Als zweimalige Siegerin des Kiwanis-Wettbewerbs (ein drittes Mal wurde sie „nur“ Zweite) erhält Luisa eine Viertelstunde pro Woche zusätzlichen Unterricht an der Musikschule. Die Kosten dafür übernimmt zur Hälfte der Serviceclub. Nach den Herbstferien möchte das Mädchen mit der Bratsche beginnen. Gemietet hat sie das tiefer klingende Streichinstrument bereits.