Frankenthal Weiter Streit um Bahnsteig 2

NACHGEHAKT: Die Bahn AG hantiere im Streit mit der Stadt Frankenthal über den Ausbau des Bahnsteigs 2 am Hauptbahnhof mit überzogenen Kostenschätzungen. Diesen Vorwurf erhebt Bürgermeister Martin Hebich (CDU). Die Bahn schweigt sich auf Pressefragen zum Thema aus.
Bei der Vorbereitung des Frankenthaler Bahnhofs auf den S-Bahn-Betrieb war Bahnsteig 2 deutlich schmäler ausgebaut worden als ursprünglich zwischen der Bahn und dem Mitfinanzier Stadt Frankenthal vereinbart. Die Breite beträgt 2,87 Meter statt der zunächst vorgesehenen 3,60 Meter. Das hatte erhebliche Kritik bei Bahnkunden, Ratsfraktionen und Stadtverwaltung ausgelöst (wir berichteten mehrfach), die um die Sicherheit des Bahnbetriebs fürchten. Wegen der unterschiedlichen Einstiegshöhen in Züge (Gleis 2: 76 Zentimeter, Gleis 3: 55 Zentimeter) sind die aneinander grenzenden Bahnsteige 2 und 3 zudem unterschiedlich hoch und durch einen Zaun getrennt. Im Oktober 2014 hatte die Bahn „Differenzen zwischen Planung und Ausführung“ eingeräumt. Begründet wurde die nicht abgesprochene Abweichung damit, dass im Boden zwischen Gleis 2 und Bahnsteig ein Kabelkanal verlaufe, den man nicht überbauen könne. Auch der schmälere Bahnsteig entspreche den geltenden Sicherheitsbestimmungen, versicherte die Bahn. Die Kosten für den Bahnhofsumbau werden mit 5,1 Millionen Euro angegeben. Davon übernimmt die die DB Station & Service AG als Bauherrin den Löwenanteil; bauausführende Stelle ist die DB Projektbau GmbH. Nach bisherigem Stand kommt auf die Stadt ein Kostenanteil von 1,65 Millionen Euro zu. Davon wird das Land nach Angaben von Bürgermeister Hebich 85 Prozent übernehmen, sodass die Stadt rechnerisch eine Eigenbeteiligung von rund 250.000 Euro beizusteuern hat. Die Abrechnung laufe über den Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN). Dieses Rechenmodell ist aber in Frage gestellt, seit es den Streit über den nach Ansicht der Stadt zu schmalen Bahnsteig 2 gibt. Denn die Kosten einer eventuellen „Nachrüstung“ dort müssten nach Bahn-Ansicht voll von der Stadt übernommen werden, sagte Hebich auf RHEINPFALZ-Anfrage. Und die Summen, die die Bahn, ausgehend von zwei städtischen Alternativkonzepten, errechnet habe, seien aus städtischer Sicht unrealistisch hoch. Unzufrieden ist die Stadt auch aus anderen Gründen mit dem gegenwärtigen Zustand: So vermisst Hebich die zwischenzeitlich von der Bahn in Aussicht gestellten „zusätzlichen“ Übergänge zwischen den Bahnsteigen 2 und 3, insbesondere im intensiv genutzten Südabschnitt. Auf 210 Metern Länge gibt es lediglich an drei Stellen einen Treppen-Übergang und dazu etwa in der Mitte einen barrierefreien, der auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Das Platzproblem auf Bahnsteig 2 könnte man nach Ansicht der Stadtverwaltung dann lösen, wenn man den überdachten Unterstand zwischen beiden Bahnsteigen abreißen und versetzt neu bauen würde. Die geschätzten Zusatzkosten hatte Hebich im Januar im Planungs- und Umweltausschuss mit 200.000 Euro angegeben. Die mittlerweile bei der Verwaltung eingegangene Kalkulation der Bahn AG kommt auf den zehnfachen Aufwand: „Die schließt mit zwei Millionen Euro ab“, sagte Hebich. Eine kostengünstigere Variante, den Bahnsteig zu verbreitern, bestünde nach Ansicht der Stadt darin, zum Gleis 2 hin „auskragende Winkelelemente“ zu verbauen. Bildlich gesprochen muss man sich so etwas wie einen langen Balkon vorstellen: Die an der Hinterseite massiv im Bahnsteig verankerten Bauteile hängen Richtung Gleis in der Luft; der darunter liegende Kabelschacht bliebe also weiter von oben her zugänglich. Hier komme die Bahn auf Kosten von 900.000 Euro, wenn man den gesamten 210 Meter langen Bahnsteig so umrüsten würde, sagte Hebich. Bei einer verkürzten Ausführung auf den wichtigsten 80 Metern wären es immer noch 750.000 Euro. „Mir erscheinen diese Kosten zu hoch“, sagte der Bürgermeister, und das sei auch die Meinung der Fachleute, die aufseiten der Stadt mitwirkten. Dies Stadt habe dies der Bahn deutlich gemacht und setze nun auf weitere Gespräche, erklärte Hebich. Die Grundkonstellation sei aus Sicht der Stadt unbefriedigend: Sie sei zwar Mitfinanzier des Personennahverkehrs, in der Praxis aber bestimme der Bauherr – wie sich hier gezeigt habe – weitgehend allein, was geschehe. Die Bahn AG hat eine RHEINPFALZ-Anfrage zum Thema vom 20. Juli nicht beantwortet. Mehr Handlungsfreiheit hat die Stadt bei den geplanten Arbeiten im Bahnhofsvorfeld: Als Erstes solle 2016 der Omnibusbahnhof umgebaut und damit leistungsfähiger gemacht werden, sagte Hebich. Erwartete Kosten: 3,1 Millionen Euro. Dafür liege allerdings noch keine Zuschusszusage des Landes vor; zu erwarten seien bis zu 85 Prozent. Anschließend gehe es um die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes, der als „Eingang zur Innenstadt“ stärker auf die Bedürfnisse von Fußgängern ausgerichtet werden soll. Aus Mitteln der Städtebauförderung hat das Land dafür bereits 1,3 Millionen Euro zugesagt. Baubeginn soll nach Angaben Hebichs Ende 2016 sein. Abgeschlossen werden soll das Projekt Ende 2017.