Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Weihnachten weltweit (3): Mama Andeberhans Köstlichkeiten

Berekti Andeberhan (links) und Tewelde Sahle aus Eritrea in ihrer traditionellen Festtagskleidung. An den Festtagen gibt es unte
Berekti Andeberhan (links) und Tewelde Sahle aus Eritrea in ihrer traditionellen Festtagskleidung. An den Festtagen gibt es unter anderem Himbasha.

Berekti Andeberhan und ihr Mann Tewelde Sahale feiern jedes Jahr zweimal Weihnachten: Den deutschen Heiligabend am 24. Dezember und das eritreische Pendant am 7. Januar. Was es an beiden Festen in Hülle und Fülle gibt, ist Himbasha, Sua und Mes.

Das Ehepaar zählt zu den weltweit rund 300 Millionen orthodoxer Christen. Deren Kirchenjahr richtet sich nach dem julianischen Kalender. Daher wird die Geburt von Jesus 13 Tage später gefeiert. In Andeberhans Heimatdorf war Heiligabend das wichtigste Fest des ganzen Jahres. „Reiche Leute schlachten bei uns ein Lamm, eine Ziege oder eine Kuh, die Ärmeren ein Huhn“, berichtet die 63-Jährige, die 1986 vor dem Unabhängigkeitskrieg aus ihrem Land geflohen ist und in der Nähe der Hauptstadt Asmara lebte – ohne Strom, und für Wasser musste sie zwei Stunden zum nächsten Brunnen gehen.

Wenn die Wahl-Frankenthalerin an ihre Kindheit in ihrem kleinen Heimatdorf zurückdenkt, erinnert sie sich lebhaft an einen Brauch, der mit dem Aufstellen des Tannenbaums vergleichbar ist. „Wir sind zu einem Wald gelaufen und haben Zweige von Laubbäumen geholt.“ Der Schmuck bestand aus Keksen und Bonbons, die in weißes Leinen gewickelt waren. Das Abschmücken nach Weihnachten war für die Kinder ein großes Ereignis, da sie die Leckereien naschen durften.

Weiß ist in Eritrea die Farbe der Freude und der Hoffnung

Weiß gilt bei den orthodoxen Christen in Eritrea als Farbe der Freude und Hoffnung, weshalb Männer, Frauen und Kinder zur Geburt des Heilands weiße Kleider tragen. Getrunken wird Sua, ein Getreidesaft, der in vergorenem Zustand leicht alkoholisch ist. Und der süße Honigwein, der Mes heißt. Beide selbst hergestellten Getränke sind bei den fünf inzwischen erwachsenen Kindern des eritreischen Paares zu Weihnachten sehr beliebt. Sie feiern jedes Jahr mit ihren Eltern am 24. Dezember und kommen dazu aus dem Saarland, Hessen und der Pfalz zu den Eltern nach Frankenthal.

Und es gibt noch andere Kinder, bei denen die Küchenkünste aus dem kleinen Land, das an Sudan, Äthiopien, Dschibuti und das Rote Meer grenzt, hoch im Kurs stehen: Es sind die Schützlinge der Kindertagesstätte Heilig Kreuz in Mörsch. Andeberhan ist hier die Köchin der Kindertagesstätte und hat neben den deutschen Lieblingsspeisen der Kleinen ein eritreisches Rezept in petto – ein dickes und luftiges Fladenbrot, das bei den Kindern der Renner ist und Himbasha heißt. Dass sich sowohl die eigene Familie als auch die Mörscher in der kommenden Adventszeit Himbasha wünschen, weiß Mama Andeberhan schon jetzt.

Serie

Weihnachten wird fast überall auf der Welt gefeiert. Aber wie? Die RHEINPFALZ hat sich bei Frankenthalern mit internationalen Wurzeln erkundigt, welche Traditionen es in den Familien gibt, was im Advent und an Heiligabend auf den Tisch kommt und welche Erinnerungen an die Heimat mit dem Fest verknüpft sind.

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