Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Streetfood-Festival: Kulinarische Weltreise bei echtem Aprilwetter

Bohnen-Behandlung: Kaffee-Spezialist Andreas Dunker hat an seinem antiken Kugelröster den Dreh raus.
Bohnen-Behandlung: Kaffee-Spezialist Andreas Dunker hat an seinem antiken Kugelröster den Dreh raus.

Essen wie in den Metropolen der Welt: Das Streetfood-Festival hat am Wochenende trotz launischen Aprilwetters für eine belebte Innenstadt gesorgt. Auf dem Rathausplatz und in der Erkenbertruine erlebten die Besucher internationale Straßen-Küchenkunst.

Es duftet querbeet nach Süßem, Würzigem, nach fleischigen Umami-Noten oder einfach nur superlecker: Die kulinarische Weltreise geht immer der Nase nach von Stand zu Stand. Für Sven Bub ist sie eine Safari: Der Dürkheimer auf Familienbesuch in Frankenthal bestellt am Afrika-Truck „Hakuna Matata“ einen „Karibu-Teller“ und bekommt von Rosaita Franke ein Mix-Gericht mit Zebra-, Kamel- und Krokodilhäppchen auf einem Gemüse-Couscous-Bett: „Tolle Mischung, super“, sagt Bub. Die scharfwürzigen und fruchtigen Komponenten scheinen zu schmecken.

Vegetarier kommen am Stand von „RefuEat“, einer syrischen Flüchtlingsinitiative aus Berlin, bei Falafel und und dem Grillkäse Halloumi auf ihre Kosten. Nebenan bei „La Fantasia“ treffen belgische Pommes auf Bolognesesoße. Vor dem Drogeriemarkt zieht verführerischer Kaffeeduft durch die Luft. Er kommt von einem französischen Kugelröster. Röstmeister Andreas Dunker dreht die eiserne Kugel der antiken Apparatur eine halbe Stunde über dem Holzfeuer und preist lauthals seine Fünf-Sorten-Mischung an. Dazu gibt’s französische Chansons aus der Konserve und frisches Mandelgebäck.

Originelle Verkaufsstände

Portugal“ steht auf einem kleinen Wagen mit Durchreiche. Hier gibt es Fingerfood-Pastetchen mit verschiedenen Füllungen. Jessy Marner, in Frankenthal lebende Irin, ist begeistert und holt sich ein mit Rindfleisch gefülltes Frittierteilchen. Mit ihrer Familie war sie bereits im vergangenen Jahr beim Streetfood-Festival. Die lockere Atmosphäre und das vielfältige Angebot gefallen ihr. Ein paar Schritte weiter wirbt ein finster dreinblickender Airbrush-Dracula für Cevapcici aus Transsilvanien.

Rund und hochgestapelt: Burger in allen Variationen sind ein Renner beim Streetfood-Festival.
Rund und hochgestapelt: Burger in allen Variationen sind ein Renner beim Streetfood-Festival.
Leckeres Kleinzeug: Jessy Marner greift zu gefüllten portugiesischen Pastetchen.
Leckeres Kleinzeug: Jessy Marner greift zu gefüllten portugiesischen Pastetchen.
Kulinarische Safari: Am Stand von »Hakuna Matata« greift Sven Bub zu Zebra, Giraffe & Co.
Kulinarische Safari: Am Stand von „Hakuna Matata“ greift Sven Bub zu Zebra, Giraffe & Co.

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Essen aus aller Welt, frisch zubereitet und locker auf die Hand serviert – das ist die Grundidee der Straßenküche. Originelle Verkaufsstände wie Oldtimer, umgebaute Trucks und fantasievolle Dekorationen locken die Besucher – ein schon einige Jahre anhaltender bundesweiter Trend. Nach den Favoriten der Kunden befragt, sagt Rebecca Lenz, Crew-Mitglied bei Organisator Kai Kauermann: „Burger gehen immer – und belegte Waffeln“. Und seit Neuestem „Corn-Dogs“ am Spieß. Früher hieß das mal Würstchen im Schlafrock.

Trockene Plätze gefragt

Samstagnachmittag: Sonne, Regen und Graupelschauer wechseln sich ab im Minutentakt. Doch davon lassen sich die Festivalbesucher nicht abschrecken. Auf dem Rathausplatz bieten Schirme Regenschutz. Unterm Zeltdach singt ein Country-Musiker gegens Wetter an. Vier weitere Künstler sorgen abwechselnd drei Tage lang mit Pop und Folk für launige Hintergrundmusik. Trockene Zonen wie der Rathauserker und die Arkaden sind begehrte Aufenthaltsorte. Das Kinderkarussell hinter dem Rathausplatz hat wetterbedingt Pause, die Hüpfburg ist gar nicht erst aufgebaut.

In der Erkenbertruine ist der „Wineliner“ Anlaufpunkt, ein ehemaliger Sebastian-Vettel-Fanbus, den Mirko Strickler und Markus Klumpp aus Studernheim und Eppstein zur mobilen Vinothek umgebaut haben. Hier locken trockene Stehplätze im Innern und Schorle und Feines im Stielglas von angesagten Weingütern der Region. Vor dem Rathaus zelebrieren gleich drei Grillmeister in coolem Outfit den Feuerkult: „Toao-Burger & BBC“ heißt die Firma aus Idstein mit dem Anspruch, „the one and only“ – also das „einzig wahre“ – Fleischbrötchen zu kredenzen. Es gibt sie hochgestapelt als „Barbecue-Tower“ oder als „Classic Burger“.

Veranstalter zufrieden

Nach der Premiere im Vorjahr mit zwei Terminen – im April auf dem Rathausplatz und im September in kleinerem Format in der Erkenbertruine – hat Veranstalter Kai Kauermann mit seiner Eventagentur aus Wiesbaden nun erstmals beide Standorte bespielt. Das Wochenende in Frankenthal ist zugleich der Start in die Streetfood-Saison, die bis Oktober reicht. Kai Kauermann zieht trotz des auch am Sonntag eher durchwachsenen Wetters eine positive Bilanz: „Die Frankenthaler sind sehr wetterbeständig und kommen trotzdem.“ Die größte Herausforderung: das „ständige Auf und Abbauen im Kinderbereich mit Karussell und Hüpfburg“.

Kauermann plant für 15. bis 18. August eine kleinere Ausgabe des Festivals in der Erkenbertruine. Für diesen zweiten Termin 2024 und für eine mögliche Neuauflage des Markts im kommenden Jahr lägen ihm bereits Zusagen regionaler Beschicker vor.

„Positiv überrascht“, dass trotz des „bescheidenen Wetters“ so viele Menschen am verkaufsoffenen Sonntag den Weg in die Innenstadt und in die Geschäfte dort gefunden hätten, zeigte sich City-Manager Daniel Strotmann von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung der Stadtverwaltung am Nachmittag. Das sei auch das Stimmungsbild, das er bei den teilnehmenden Läden aufgenommen habe. Es gebe offenbar eine starke Bindung der Frankenthaler zum örtlichen Einzelhandel. Auch auf dem Streetfood-Festival sei seinem Eindruck über die drei Veranstaltungstage hinweg „einiges los gewesen“, so Strotmann.

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