Frankenthal Spitzenbuschbrücke: Kosten für Neubau verdoppeln sich

Erste Etappe: Der Mittelpfeiler für die neue Spitzenbuschbrücke steht.
Erste Etappe: Der Mittelpfeiler für die neue Spitzenbuschbrücke steht.

Vor einem Jahr startete der Abriss der Spitzenbuschbrücke. Zielvorgabe damals: In einem Jahr steht die neue breitere Brücke. Warum bislang nur der Mittelpfeiler zu sehen ist.

Eisig kalt war es vor einem Jahr, als sich Bauarbeiter im Auftrag des Landesbetriebs Mobilität (LBM) an der Spitzenbuschbrücke bei Mörsch an die Arbeit machten. In weniger als einem Jahr, so der ursprüngliche Zeitplan, sollte das an sich stabile Bauwerk aus den 1960er-Jahren durch einen breiteren Übergang über die B9 ersetzt sein. Den braucht es, um den massiv zugenommenen Schwerlastverkehr von der und zur Abfertigung bei der BASF-Kläranlage aufnehmen zu können. Zwei große Sattelschlepper sind auf der alten Zweifeldbrücke gerade so aneinander vorbeigekommen. Mit sieben Metern soll die neue Fahrbahn dann ausreichend dimensioniert sein für moderne Sattelzüge, versichert der projektverantwortliche LBM-Bauingenieur Volker Müller.

Den straffen Zeitplan hatte er in der Annahme aufgestellt, dass sie die neue Betonkonstruktion auf die beiden seitlichen Widerlager aufsetzen könnten. Sie sind gewissermaßen das Scharnier zwischen Brückenkonstruktion und Erdreich und leiten die von oben wirkenden Kräfte senkrecht in den Untergrund ab. Diese Planung sollte sich im vorigen Sommer als trügerisch erweisen. Denn die innere Substanz dieser Stützen erwies sich entgegen der ursprünglichen Annahme als derart porös, dass die Arbeiten gestoppt und umgeplant wurden. Nach Monaten des Stillstands ging es erst im Spätjahr mit der großen Lösung weiter. Der erste Teil davon ist bereits zu sehen: Der Mittelpfeiler ist bei laufendem Verkehr auf den jeweils zwei versetzten Spuren auf Bohrpfähle aufgesetzt worden. Aktuell werden nach Angaben eines LBM-Sprechers auf Mörscher Seite 15 Bohrpfähle mit einem Durchmesser von jeweils 90 Zentimeter aufgestellt. Auf der aufzupflanzenden Pfahlkopfplatte soll später auf beiden Seiten das neue Widerlager ruhen.

„Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt unverändert von einer Gesamtfertigstellung der Brücke bis Ende 2025 aus“, informiert der Sprecher weiter, schränkt aber aus der Erfahrung in 2024 ein: „Nähere Angaben zum Bauende können erst verlässlich gemacht werden, sobald die Fertigteilträger für den neuen Überbau eingehoben worden sind.“ Dieser Meilenstein soll im Sommer erreicht sein. Dann ist mit kurzzeitigen Sperrungen auf diesem Abschnitt der B9 zu rechnen.

Diese jeweils 19 Meter langen und 39 Tonnen schweren Fertigteile für die Zweifeldbrücke bestehen aus zweimal fünf Elementen, die in einem Betonwerk hergestellt und auf Tiefladern angefahren werden. Sind diese Kolosse von schwerem Gerät eingepasst, kann am Überbau und schließlich auf der Brücke weitergearbeitet werden. „Die Widerlager werden am Ende das Einzige sein, was von der alten Brücke erhalten bleibt“: Die Prognose von Bauingenieur Müller hat sich nicht bewahrheitet und die Investition in die Höhe geschraubt. Die anfängliche Kalkulation von 2,5 Millionen Euro hat sich mittlerweile fast verdoppelt auf aktuell 4,6 Millionen.

Provisorischer Radweg

Als Folge der Verzögerung musste auch für den Radverkehr improvisiert werden. Bis auch Radfahrer die breitere Brücke erklimmen können, können sie provisorische Umleitung nutzen, die die Stadt Frankenthal auf Ludwigshafener Gemarkung rund um den Muldenweg hergerichtet hat. Auf diesem Weg erreichen Radfahrer und Fußgänger das Industriegebiet am Spitzenbusch. Am Ortsausgang von Mörsch, ab der Autobahnüberführung am Petersauer Weg, führt diese Umleitung in Richtung Süden auf dem Weg „Im Klosgarten“ über den Brüsseler Ring und die Athener Straße in der Pfingstweide weiter durch die Unterführung der B9 und von dort durch die Unterführung der A6 über den Edigheimer Schlag zum Spitzenbusch.

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