Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Spiele der Athleten– oder doch nur Kommerz? Wie Sportler Olympia sehen

Noch bis 20. Februar werden in China die Olympischen Spiele ausgetragen.
Noch bis 20. Februar werden in China die Olympischen Spiele ausgetragen.

Olympia in China: Wie sehr zieht das Sportler in Frankenthal in den Bann? Geht es ihnen um die Leistung der Athleten oder steht für sie die Kritik am Gastgeberland im Zentrum? Die Antworten sind relativ klar.

Dass die Sportler bei diesen Großveranstaltungen nur noch an dritter oder vierter Stelle stünden und nicht an vorderster Front, das bedauert der zweifache Olympia-Teilnehmer und ehemalige Hockeynationalspieler Peter Trump. Ihm selbst wurde die dritte Teilnahme an Olympischen Spielen durch den Boykott in Moskau verwehrt. Die Kommerzialisierung des Sports bedauert Trump. Hier sei „das Ende der Fahnenstange“ noch nicht erreicht. Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hat Peter Trump bei den Spielen 1972 in München als Athletensprecher erlebt. Über Bachs Rolle aktuell in China möchte er sich nicht weiter äußern. Seiner Ansicht nach müsste der IOC-Chef stärker Position beziehen. Bach stehe unter Druck, sagt Trump, der dafür ein gewisses Verständnis zeigt.

Wintersport an Orten ohne Schnee

Trotz der Rahmenbedingungen ziehen die Spiele den ehemaligen Hockeyspieler, der an Sport generell interessiert ist, in den Bann. Skispringen, Skilaufen, Rodeln: Das schaue er sich auch live an. Bei anderen Sportarten reiche ihm die Zusammenfassung. Dass Biathletin Denise Herrmann mit Gold im Einzelrennen über 15 Kilometer eine Überraschung gelungen ist, freute Trump besonders. Die Disqualifikationen beim Mixed-Springen wegen nicht regelkonformer Anzüge, von denen auch das deutsche Team betroffen war, hält er für lächerlich. Dass sich Reporter nur in einer Blase bewegen dürfen, dass es keine Zuschauer vor Ort gebe, findet Trump traurig. „Leute an den Sportstätten wirken für mich beim Betrachten dressiert“, sagt der Olympiasieger. Die Stimmung an den Wettkampfstätten fehle. Dass sportliche Großveranstaltungen nun an Orten veranstaltet werden, an denen „kaum ein Gramm Schnee“ falle oder – wie im Falle der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar – an denen kaum Fußball gespielt werde, kann er nicht nachvollziehen.

Flair fehlt

Kein Verein steht in Frankenthal mehr für den Wintersport als der Skiclub. Für den Vorsitzenden Bernd Lieser erreicht der Austragungsort bei Peking nicht im Ansatz das Flair vorausgegangener Spiele. „Es sind nicht die Wettbewerbe, wie ich persönlich sie mir vorstelle.“ Die Menschenrechtsverletzungen und die ins Niemandsland gepflanzten Sportstätten sieht Lieser kritisch. Aber der Sport könne nicht alle Probleme lösen, an denen Politik und Wirtschaft scheitern. „Die Sportler können nichts für die Vergabe der Spiele. Jetzt sollten deren Leistungen im Fokus stehen“, sagt Lieser. Wobei der Skiclub-Vorsitzende ausdrücklich auch die mit einbezieht, die nicht auf dem Treppchen landen. Statt nachts vorm Fernseher zu sitzen, schaut Lieser sich die Zusammenfassungen an. Dass die Spiele immer kommerzieller werden, habe zwei Seiten. Die Verbände seien auf Einnahmen angewiesen. Skiclubs wie der Frankenthaler könnten allein schon aus finanziellen Gründen Talente in den eigenen Reihen gar nicht so fördern, wie das notwendig sei.

„Boykott wäre nicht richtig“

Für Dirk Bappert, Abteilungsleiter der Fechter bei der TG Frankenthal, strahlen die Olympischen Spiele nach wie vor Faszination aus. Auch wenn es bei den Winterspielen in China nicht einfach sei, die Wettkämpfe live zu verfolgen. „Durch das mobile Arbeiten gelingt es mir, doch bei der einen oder anderen Entscheidung dabei zu sein. Ich kenne ja die Zeiten, an denen die Entscheidungen anstehen. Gerade habe ich die Goldfahrt der Rodlerin Natalie Geisenberger verfolgt“, sagt Bappert. Skispringen, Biathlon und Rodeln seien seine Favoriten im Wintersport. Wenn sich die Gelegenheit dazu geboten habe, habe er auch schon die Vierschanzentournee in Oberstdorf vor Ort verfolgt. Er selbst betreibe ein wenig Ski-Langlauf. Zum Austragungsort China hat er gemischte Gefühle. Aus Sportlersicht finde er es gut und richtig, dass die Spiele nicht boykottiert werden. Dass in China beispielsweise die Menschenrechte der Uiguren verletzt würden, sieht er jedoch kritisch. Dass eine uigurische Sportlerin die olympische Flamme entzündet habe, hält Bappert eher für eine Alibihandlung des Ausrichters.

„Sportstätten verfallen“

Der Deutsche Alpenverein (DAV), Sektion Frankenthal, ist mit mehr als 1000 Mitgliedern der größte Verein der Stadt. Bergsport der Mitglieder sind eher Wandern und Klettern. Die Winterspiele interessieren den Sektionsvorsitzenden Peter Seiler „überhaupt nicht“. Zwei, drei Minuten Zusammenfassung in den Nachrichtensendungen reichen ihm komplett aus, um informiert zu sein. „Ansonsten geht das sowas von an mir vorbei. Stundenlang Langlauf zuzuschauen, das ist nichts für mich“, sagt Seiler. Für den DAV-Vorsitzenden sind die Spiele zu groß geworden, da sei zu viel Gigantismus im Spiel. Dass Sportstätten nach einem solchen Großereignis ungenutzt verfielen, wie dies in Griechenland der Fall sei, findet er schlecht. Ähnlich sei es beim Fußball, wo der Weltverband (Fifa) bei der Vergabe der Weltmeisterschaft hauptsächlich nach dem Geld schaue. Dass Sportverbände nicht alles richten können, was die Politik selbst nicht schafft, sagt auch Seiler. Doch mit der Vergabe von solchen Großveranstaltungen könnten seiner Meinung nach schon Zeichen gesetzt werden. Von Ländern, die sich um die Spiele bewerben, müssten bestimmte Vorleistungen gefordert werden.

Favorit: Bobfahren

„Die Olympischen Spiele verfolge ich auf alle Fälle – Slalom Skirennen, Skispringen, Eishockey“, sagt Dino Ziegler, Trainer des Leichtathletik-Clubs (LAC) Frankenthal. Sein Favorit sei das Bobfahren. „Das ist actiongeladen, interessant zuzuschauen.“ Außerdem gebe es Querverbindungen zu seinem Sport, weil Leichtathleten beispielsweise bei den Bobfahrern als Anschieber mitwirkten. Mit Spannung erwarte er die Starts von Sprinterin Alexandra Burghardt als Anschieberin im Zweierbob. Dass Natalie Geisenberger nach der Geburt ihres Kindes Gold beim Einsitzerrodeln geholt hat, findet er toll. Die Faszination für die Spiele sei bei ihm vorhanden. Trotzdem findet er Kritik am Ausrichter legitim. Einen Boykott hält er aus Sicht der Sportler nicht für angebracht. „In vielen Ländern gibt es Probleme“, sagt Ziegler und nennt WM-Gastgeber Katar als Beispiel. Für viele Sportarten, die bei den Spielen vertreten seien, sei die Medienpräsenz wichtig. Dass Sportstätten abseits gebaut würden oder nach solchen Großereignissen nicht mehr genutzt würden, sei nicht gut. Das müsste seiner Ansicht nach nachhaltiger sein. Vielleicht sollten sich die Sportarten untereinander auch besser vernetzen, die gemeinschaftliche Nutzung von Sportstätten fördern. „In den USA läuft das ganz gut“, sagt Ziegler.

Selbst zweimal bei Olympia dabei: der ehemalige Hockeynationalspieler Peter Trump.
Selbst zweimal bei Olympia dabei: der ehemalige Hockeynationalspieler Peter Trump.
Verbände brauchen Geld zur Nachwuchsförderung, sagt der Vorsitzende des Skiclubs, Bernd Lieser.
Verbände brauchen Geld zur Nachwuchsförderung, sagt der Vorsitzende des Skiclubs, Bernd Lieser.
Für Dirk Bappert, Abteilungsleiter der Fechter bei der TG Frankenthal, strahlt Olympia eine gewisse Faszination aus.
Für Dirk Bappert, Abteilungsleiter der Fechter bei der TG Frankenthal, strahlt Olympia eine gewisse Faszination aus.
Die Zusammenfassung reicht mir, sagt der DAV-Sektionsvorsitzende Peter Seiler.
Die Zusammenfassung reicht mir, sagt der DAV-Sektionsvorsitzende Peter Seiler.
Gespannt auf das Olympiadebüt von Sprinterin Alexandra Burghardt: LAC-Trainer Dino Ziegler.
Gespannt auf das Olympiadebüt von Sprinterin Alexandra Burghardt: LAC-Trainer Dino Ziegler.
x