Frankenthal „Sieben Zwerge“ suchen Obhut
Die Urlaubszeit beschert dem Frankenthaler Tierschutzverein in der Friedrich-Ebert-Straße 12 Mehrarbeit. Unter anderem haben im Tierheim derzeit 38 Katzen Zuflucht gefunden, darunter „Hänsel und Gretel“ und „Schneewittchen“ mit ihren neugeborenen „sieben Zwergen“. Letztere wurden in Eppstein urlaubsbedingt im Stich gelassen und konnten von Anwohnern gerettet werden (wir berichteten).
Die Winzlinge sind in Quarantäne und werden frühestens nach zwölf Wochen vermittelt, sagt Simone Jurijiw, die Vorsitzende des 600 Mitglieder starken Vereins. Pro Jahr findet der Verein für etwa 130 Katzen und 120 Kleintiere neue Besitzer. Tier und Mensch werden in einem mehrstufigen Prozess miteinander bekannt gemacht: in einem Erstgespräch wird die Lebenssituation analysiert, die Vor- und Nachteile des Wunschtieres werden erläutert und der Kontakt zum Tier wird über Wochen mit Füttern und Gassigehen aufgebaut. „Wir geben ein Tier nur ab, wenn es für alle Beteiligten passt“, so Jurijiw. Herzstück der Vereinsarbeit ist die Notaufnahme, das Aufpäppeln und Vermitteln von Tieren in Not. Für die Versorgung der Tiere sind rund 35 ehrenamtliche Helfer, meist Frauen, im Einsatz. „Wir freuen uns über jede helfende Hand und auch über passive Mitglieder“, sagt Jurijiw. Denn der demografische Wandel mache auch dem Tierschutzverein zu schaffen. Noch nicht lange in der Obhut des Vereins sind die letzten zehn von ehemals 34 braunen Zwerghühnern, die aus einem privaten Tiertransport von Frankreich nach Rumänien von der Autobahnpolizei Ruchheim gerettet und in Frankenthal ihr Notquartier gefunden haben (wir berichteten). Zwei Dutzend Hühner mitsamt Hahn wurden bereits auf den Gnadenhof einer Tierärztin im Schwarzwald vermittelt, die anderen warten noch auf ein artgerechtes Zuhause. Eier der Hühner hat der Verein für die Verpflegung bei seinem jüngsten Sommerfest verarbeitet, das rund 150 Tierfreunde besuchten. Mit einem bunten Programm an Information und Unterhaltung gab der Verein Einblicke in seine Arbeit und lud zum Feiern und Fachsimpeln ein. So gab es an der Essensausgabe Infos zu Praktiken der Massentierhaltung von Schweinen, Rindern und Hühnern und den Aufruf zum verantwortungsvollen Konsum mit der warenkundlichen Kampagne „kein Ei mit 3 aus Quälerei“. Während es sich Herrchen und Frauchen unter Sonnendächern gemütlich machten, sprangen die Hunde mit Begeisterung in die aufgestellten Planschmuscheln. „Hunde und Katzen leiden besonders unter der Hitze“, betont Simone Jurijiw. Im Gegensatz zu Menschen können sie ihre Körpertemperatur nicht durch Schwitzen regulieren und sind damit auf schattige Plätze, Wasserstellen und Abkühlung von außen angewiesen. Für Hunde lebensgefährlich werden kann das Warten im Auto: Der Innenraum kann sich schnell auf 50 Grad aufheizen, was zu Sauerstoffmangel, Übelkeit und Kreislaufproblemen bis zu Kreislaufversagen führen kann. Auf dem Außengelände tummeln sich acht Kaninchen: die drei weißen Gisela, Kurt und Gerda und ihre braunen Langohr-Kollegen von der Gelati-Fraktion namens Hanuta, Nougat, Ferrero, Schoko und Stracciatella. Es gibt ein Kleintierhaus in mehreren künstlerisch gestalteten Containern mit Stallparzellen. Ein Freilauf-Gelände mit Tümpel ist zurzeit unbewohnt, es steht für die Notaufnahme von Wasser- und Landschildkröten bereit. Auf ihren Stammplätzen in der Voliere dagegen trifft man Willi, Einstein und Joshua. Die drei Graupapageien sind 30 Jahre jung und warten ebenso auf neue Besitzer, die sich um sie kümmern.