Frankenthal „Sich mit der Straftat auseinandersetzen“

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Den Gestrauchelten in der Gesellschaft wieder auf die Beine zu verhelfen und sie zu einem straffreien Lebenswandel anzuhalten, hat sich Nils Oßwalt zum Ziel gesetzt. Er ist einer der gut 20 Bewährungshelfer des Sozialdienstes der Justiz beim Landgericht Frankenthal.

Der gebürtige Wormser (Jahrgang 1983), der gerne Tennis spielt und in einer Freizeitsportgruppe aktiv ist, hatte nach der Schulzeit zunächst ganz andere berufliche Vorstellungen. Er erlernte das Zimmermannhandwerk und erhielt ein Stipendium, das es ihm ermöglichte, als junger Berufstätiger in den USA zu arbeiten. Doch irgendwann war er des Holzes überdrüssig. „Ich wollte etwas für und mit Menschen machen“, erklärte er im Gespräch mit der RHEINPFALZ seine Umorientierung. Er belegte an der Fachhochschule Ludwigshafen den Studiengang Soziale Arbeit, den er nach viereinhalb Jahren mit dem Diplom abschloss. Den Menschen, die im Schatten der Gesellschaft leben oder mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, galt Oßwalts Hauptaugenmerk. Drei Jahre arbeitete er bei einem freien Träger in Mannheim mit Obdachlosen, Straffälligen und Drogenabhängigen. Seine Kontakte zur ehrenamtlichen Bewährungshilfe ebneten ihm schließlich den Weg zum Landgericht Frankenthal, wo er seit 2010 beschäftigt ist. Als Bewährungshelfer hat Nils Oßwalt rund 100 Probanden zu betreuen – ein sehr interessanter und abwechslungsreicher Job. In der Regel einmal pro Monat steht ein persönliches Gespräch mit seinen Schützlingen an. „Dabei geht es häufig darum, alternative Sichtweisen zu entwickeln und sich mit der begangenen Straftat auseinanderzusetzen“, erläutert Oßwalt. Die meisten seiner Probanden – in der Hauptsache Erwachsene – sind wegen Rauschgiftdelikten, Körperverletzung und Diebstahls verurteilt. Wichtig sei, dass sie sich in der Freiheit bewährten und „straffreie Strukturen“ erarbeiteten. Seine Bilanz kann sich sehen lassen: „Über 70 Prozent schaffen die Bewährung.“ Oßwalt hat auch darauf zu achten, dass die Auflagen – meist Arbeitsstunden, Geldbußen oder Suchtberatung – erfüllt werden. Alle sechs Monate berichtet er dem Gericht über die Lebensführung seines unter Bewährung stehenden Klientels. Nicht bei allen läuft es optimal, manche hadern mit dem Urteil und akzeptieren die Strafe nicht. Andere meiden den Kontakt zu ihrem Bewährungshelfer. Über Probleme werde das Gericht informiert, häufig verbunden mit der Anregung, zu einer förmliche Anhörung zu laden. Auch mit anderen Behörden – Staatsanwaltschaft und Polizei – arbeitet Oßwalt eng zusammen. Darüber hinaus hat er als Bewährungshelfer auch Außendienst. An zwei Tagen pro Woche hält er beim Amtsgericht Grünstadt seine Sprechstunde ab. Ein weiteres Arbeitsgebiet kommt hinzu: Oßwalt ist auch mit der Führungsaufsicht von verurteilten Straftätern befasst. Diese wird bei längeren Freiheitsstrafen häufig kurz vor der Haftentlassung angeordnet, um zu verhindern, dass weitere Straftaten begangen werden. „Es ist mehr eine verwaltungsmäßige Tätigkeit“, erläutert er. Allerdings wollen die rund 300 Verfahren auch bewältigt werden. Was macht den Reiz dieses Berufes aus? Nils Oßwalt nennt Eigenverantwortlichkeit und flexibles Arbeiten, aber auch die Begleitung der Probanden bei ihrer persönlichen Weiterentwicklung. „Die Tätigkeit entspricht voll und ganz meinen Vorstellungen.“ |loi

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