Frankenthal
Präzisionsarbeit an der Wormser Straße: Zwei Tanks am Haken
Was sich am Mittwochvormittag im Frankenthaler Norden abspielt, erinnert an einige der Außenwetten der Fernsehsendung „Wetten, dass ..?“: Geschickte Menschen vollbringen mit schwerem Gerät in vergleichsweise kurzer Zeit erstaunliche Dinge. Nur am Rande: Auch die blonde Matte unterm Bauhelm des Arbeiters, der Kollegen und Kranführer dirigiert, hat was von Thomas Gottschalk. Die Einschaltquote dieser Show ist – vielleicht wegen des kühl-windigen Wetters – nicht allzu groß: Ab und an stoppt ein Passant auf dem Fahrrad oder Motorroller und schaut für ein paar Augenblicke zu.
Die Aufgabe der Männer: Zwei jeweils um die 14 Tonnen schwere Stahltanks müssen per Kran von Sattelzügen in der Berliner Straße gehoben und unfallfrei über das Dach der Tankstelle, an dem ganz blass noch das frühere Aral-Blau zu sehen ist, in der vorbereiteten Grube an der Wormser Straße platziert werden. Die grünen Behälter mit jeweils 60 Kubikmeter Fassungsvermögen sind – kombiniert mit der Zapftechnik – das Herzstück der Hem-Tankstelle, die im Auftrag der Deutschen Tamoil GmbH am nördlichen Stadtrand derzeit entsteht.
Nur selten Neubauten
Umbauten wie der in Frankenthal, wo innerhalb kurzer Zeit eine technisch und dem Aussehen nach runderneuerte Anlage entsteht, sind für Ingenieur Ralf Sonneck inzwischen eher die Regel als die Ausnahme. Ab und zu werde „auf der Grünen Wiese“ noch ein kompletter Neubau hingestellt, ansonsten werde viel im Bestand saniert, sagt der Bauleiter. Mit den entsprechenden Hindernissen und Herausforderungen: An der Wormser Straße bleibt zwischen dem Dach und einem Gebäude, das noch Wohnungen und die Waschanlage beherbergt, wenig Platz für den 160-Tonnen-Kran. Zur Hauswand sind es beim Drehen des Auslegers nur ein paar Handbreit.
Gegen 10.30 ist es dann soweit: Nachdem erst Gegengewichte und ein lediglich zehn Kubikmeter großer Tank für den Zusatzstoff AdBlue abgeladen sind, kommen die großen Klopper an die Reihe. Bevor sie den Flug übers Tankstellendach antreten, werden die Behälter von außen mit elektronisch auf mögliche Transportschäden geprüft. Mit einem leichten Ächzen verlässt der 14-Tonnen-Trumm die Lkw-Pritsche. Der Kran bewegt die Last – so scheint es jedenfalls – fast mühelos. Sobald der Tank über seinem künftigen Bestimmungsort schwebt, beginnt die Feinjustierung.
Und die bedeutet in dieser Phase durchaus Handarbeit: Mit klaren Handzeichen dirigiert ein Arbeiter den Führer, zwei Kollegen stabilisieren die Fracht am Haken mit Seilen. Beim Runterlassen vorbei an derzeit freiliegenden Versorgungsleitungen stellt sich heraus: Am Ende stört ein kleiner Haufen Erde. Vor dem Ablegen in der Grube ist Schippen angesagt. Nummer eins liegt.
Außen gleich, innen anders
Die beiden Behälter unterscheiden sich von außen kaum. Laut Ralf Sonneck zählen die inneren Werte: Eine der Tanks ist in drei gleich große Kammer á 20 Kubikmetern unterteilt. Der andere in zwei – eine kleine mit zehn und eine große mit 50 Kubikmetern. Der Grund ist ganz einfach: Die Tankstelle braucht von manchen Treibstoffen – zum Beispiel Diesel – deutlich mehr als von weniger gefragten wie etwa Super-Plus. Beiden gemeinsam sind ihre doppelwandige Konstruktion und ein Gerät, das auf Druckabfall im Zwischenraum zwischen den Hüllen reagiert und Alarm schlägt, sobald ein Leck auftritt. Nach demselben System seien auch die Rohrleitungen aufgebaut, die für den Neustart der Tankstelle verlegt würden.
Angesichts des aktuellen Stands schwer vorstellbar: Schon im Dezember sollen Kunden an dem Standort – nach Angaben des Grundstücksbesitzers der älteste Standort einer Tankstelle in Frankenthal – schon wieder ihre Autos mit Kraftstoff füllen können. Insgesamt schätzt Bauleiter Sonneck die Investitionen in Technik und Umbau auf rund 900.000 Euro. Die bauliche Grundstruktur bleibe erhalten, werde aber modernisiert und nach den aktuellen Vorgaben für Hem-Tankstellen neu gestaltet. Etwas mehr Verkaufsfläche bekommt der Shop. Sonneck: „Denn das Geld wird weniger mit dem Benzin verdient.“