Serie „Elf Freunde“ RHEINPFALZ Plus Artikel Peter Clemens sorgt bei den Heimspielen der DJK Eppstein dafür, dass niemand hungrig bleibt

Am Spielfeldrand bei der DJK Eppstein nicht mehr wegzudenken: Peter Clemens mit seinem Grillfahrrad.
Am Spielfeldrand bei der DJK Eppstein nicht mehr wegzudenken: Peter Clemens mit seinem Grillfahrrad.

Die Stadionwurst gehört für viele zu einem Besuch eines Fußballspiels dazu wie Torjubel und Abseits. Auch in den unteren Ligen wird sie fast überall angeboten. Bei der DJK Eppstein durchaus mit Stil. Peter Clemens serviert von einem umgebauten Lastenfahrrad an Spieltagen Bratwürste und Frikadellen – mit gerösteten Zwiebeln und geheimer Gewürzmischung.

Grillen ist die große Leidenschaft von Peter Clemens. Schon als seine Kinder in den Kindergarten gegangen seien, habe er dort bei allen Gelegenheiten am Grill gestanden, erzählt er. Auch im heimischen Garten ist Peter Clemens als Grillmeister aktiv.

Dass er aber mit seinem Lastenfahrrad bei der DJK Eppstein steht und sein Grillgut verkauft, daran ist die RHEINPFALZ nicht ganz unbeteiligt. Denn eine Anzeige in dieser Tageszeitung brachte Peter Clemens erst auf die Idee, ein Lastenrad zu kaufen und dieses in einen rollenden Grill zu verwandeln. Die Idee war fast schon wieder gestorben, weil sie zu teuer erschien. Dann entdeckte Sabine Clemens, die Frau von Peter Clemens und ehemalige Miss Strohhut, das Angebot eines Vorführ-Lastenfahrrads, bei dem der Preis akzeptabel war. Er kaufte das Gefährt und nahm die nötigen Umbauten selbst vor.

Vom Bewegungsdrang gepackt

Doch wie kamen das Lastenfahrrad, Peter Clemens und die DJK Eppstein zusammen? Nicht, weil der 63-Jährige ein begeisterter Fußball-Fan war. Nicht, weil Peter Clemens in anderen Abteilungen des Vereins aktiv war oder ist. Im Gegenteil. Der 63-Jährige lebte lange nach dem Motto „Sport ist Mord, und Breitensport ist Massenmord“.

Doch auch ihn erwischte irgendwann der Bewegungsdrang. Clemens zählt mit zu den Gründungsmitgliedern der Meyer Runners. Innerhalb von gerade einmal zwei Jahren arbeitete er sich auf die Marathondistanz vor. Seinen Erstling bezwang Peter Clemens 2007 in der französischen Hauptstadt Paris. Hamburg, Berlin, Frankfurt folgten, dazu etliche Halbmarathonläufe in Karlsruhe. Der Traum vom 100-Kilometer-Lauf in Biel blieb ihm bislang verwehrt. An der Strecke gestanden und einen Kollegen der Meyer Runners angefeuert hat er in Biel schon. Ein Bandscheibenvorfall lässt allerdings nur noch gemäßigtes Laufen zu.

2009 nach Eppstein gezogen

Doch wie war das jetzt mit Peter Clemens, dem Fußball und der DJK? Seine Frau habe ihn auf den Platz geschleppt. „Sie ist eher eine Fußball-Nase“, sagt Peter Clemens. Also eine Beziehung einmal andersherum. Da habe ein Grill gestanden, alt und verrostet. Und keiner dahinter. Da er sich gerne für die Gemeinschaft engagiere, habe er fortan am Grill gestanden.

„Wir sind 2009 nach Eppstein gezogen. In die Bankgasse.“ Beim traditionellen Glühweinabend dort seien sie eingeführt worden. Da wohnte damals der komplette Vorstand der DJK. Mit Familie Wahl sei man gut befreundet. Der Weg zur DJK war geebnet. Obwohl der TSV, rein räumlich gesehen, näher lag. An den Grill habe man ihn nicht tragen müssen. „Viele lassen sich gerne bedienen. Wir machen gerne mit“, sagt Clemens auch für seine Frau. Er, der – wir zitieren ihn – früher dachte, wie blöd es denn sei, dass 22 Mann hinter einem Ball herrennen. „Am Anfang wusste ich nur die Basics vom Fußball. Meine Frau hat mich geimpft. Die Älteren im Verein merkten aber nicht, dass ich keine Ahnung hatte.“ Stadionbesuche in Kaiserslautern und in Sandhausen hat er nun bereits absolviert.

Ab 12 Uhr am Platz

Was denkt der ehemalige Marathon-Läufer über die Laufleistung der DJK-Spieler? „Bei einigen könnte regelmäßiges Training nicht schaden“, meint er lächelnd.

An Heimspieltagen radelt er nun schon einige Zeit zum Platz der DJK an der Ludwig-Wolker-Straße, baut sich gegen 12 Uhr neben dem Getränkestand und am Kabineneingang auf. Schließlich finden auf dem Naturrasenplatz meist Doppelspieltage statt – zuerst die zweite Mannschaft in der Fußball-B-Klasse, dann die erste Mannschaft in der A-Klasse.

Mittagessen am Lastenrad

Zuerst werden Zwiebeln angeröstet. Mit einer Gewürzmischung, die er auch auf hartnäckige Nachfrage nicht verrät. Zwiebeln gehören für die meisten Kunden zu Bratwurst und Frikadelle dazu. „Inzwischen habe ich auch schon Vorbestellungen am Grill“, sagt Peter Clemens. Für einige Eppsteiner gibt es dann Mittagessen am Lastenrad. Das Fleisch auf dem Grill käme ausschließlich vom örtlichen Metzger. An guten Tagen verkaufe er rund 80 Bratlinge, so nennt Clemens sein Grillgut. Am meisten los sei meist in den Halbzeitpausen und in der Zeit zwischen den Spielen.

Heute ist Clemens schon daran interessiert, was auf dem Platz abgeht. Einiges davon kann er aber nur durch das das Spielfeld umzäunende Gitter sehen. Er muss ja auf das Grillgut aufpassen. Wenn es laut werde, renne er schon mal an die Seitenlinie und schaue nach. Besonders genieße er aber das Plaudern mit den Besuchern am Spielfeldrand und am Grillrad. Nach den Spielen sei nicht mehr so viel los. Irgendwann schwingt sich Peter Clemens dann auf sein Rad und fährt nach Hause. Dann muss das gute Stück noch geputzt werden.

Peter Clemens und sein Grillrad kann man übrigens buchen – gegen eine Spende für einen guten Zweck. So hat er schon den Kinderschutzbund und die Tanzgarde des TuS Flomersheim finanziell unterstützt.

Kontakt

Per E-Mail an hv_pclemens@t-online.de.

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