Hockey
Nationalspielerin Sonja Zimmermann vor dem WM-Auftakt gegen Chile
Zwischen Frühstück und einer Rehaeinheit nimmt sich Sonja Zimmermann ein paar Minuten Zeit für ein Gespräch mit der Heimatzeitung. Frühstück bei den „Danas“, was gibt’s denn da? Nur Nahrung, die den Sportlerinnen auch gut bekommt? „Wir haben ein riesen Büffet“, sagt Zimmermann. Von Avocadotoast bis Müsli sei alles vertreten. Ihr Favorit? „Kommt drauf an, mal salzig, mal süß. Das ist von Tag zu Tag unterschiedlich.“
Aber selbstverständlich sind Zimmermann und Co. nicht wegen des tollen Büffets in die Niederlande gefahren. Bei der Weltmeisterschaft, die in Amsterdam und Terrassa (Spanien) ausgetragen wird, soll es weit gehen. Nervosität verspüre sie noch nicht, sagt die 23-Jährige. „Ich bin noch relativ entspannt.“
Geglückte Generalprobe
Der Aufenthalt in Bloemendaal etwas außerhalb von Amsterdam sei wie ein Zwischenstopp. „Fünf Tage kein Spiel, nur Training“, sagt Zimmermann. Die Generalprobe ist mit dem 4:0-Sieg in der FIH-Pro League gegen China schon mal geglückt. „Aber wir können noch mehr zusammenfinden“, sagt Sonja Zimmermann. Das gelte für das Team, aber auch für Mannschaft und Trainerteam um den neuen Bundestrainer Valentin Altenburg.
Die Chance dazu, noch besser zusammenzufinden, bietet das Turnier in Spanien und den Niederlanden. Wenn’s optimal läuft, dann sind die „Danas“, wie die deutsche Nationalmannschaft auch genannt wird, zweieinhalb Wochen zusammen. Das Endspiel findet am 17. Juli in Terrassa statt.
Vor- und Nachteile
Sie sehe durchaus die Vorteile dieser Aufteilung. „Das ist ein cooles Event.“ Sie denke, dass mehrere Länder davon profitierten, Kinder könnten für den Sport mit dem Krummstock fasziniert werden. Aber sie sei eben auch skeptisch, meint Sonja Zimmermann, ob so ein Turnier in Zeiten des Klimawandels das richtige Signal sei.
Was das Sportliche angeht, will sie sich nicht festlegen. „Bei einer Weltmeisterschaft kann alles passieren.“ Nahziel ist selbstverständlich erstmal das Überstehen der Vorrunde. In der Gruppe A bekommt es Deutschland am Samstag (16.30 Uhr) mit Chile zu tun, am Sonntag (19.30 Uhr) wartet mit Co-Gastgeber und Titelverteidiger Niederlande wohl der dickste Brocken. Den Abschluss der Vorrunde macht am Mittwoch (16.30 Uhr) die Partie gegen Irland.
„Schwierige Gruppe“
Sonja Zimmermann spricht von einer schwierigen Gruppe. Chile dürfe man nicht unterschätzen. „Das wird nicht ohne. Man kann die Mannschaft schwer einschätzen, aber die Ergebnisse in den Testspielen waren gut. Trotzdem sind wir da eher Favorit.“ Die Partie gegen die Niederlande werde eine Herausforderung. Und Irland könne schon garstig spielen, da bekomme man im Zweikampf schon mal einen Ellenbogen in die Rippen. „Aber garstig können wir auch“, sagt die Frankenthalerin kess.
Es sei cool, in den hockeyverrückten Niederlanden gegen die Gastgeber zu spielen. „Das sind die Partien, für die man Hockey spielt“, betont sie. Ob es ein Vor- oder Nachteil ist, den großen Favoriten schon in der Vorrunde zu haben, müsse man abwarten. Fest steht: Wenn Deutschland Gruppenerster wird, hat das Team ein paar Tage Pause, in denen die Qualifikationsspiele zwischen den Gruppenzweiten und -dritten um die letzten Viertelfinalplätze ausgetragen werden. „Wenn wir die Gruppe gewinnen, hätten wir nach dem letzten Gruppenspiel fast eine Woche frei. Ich weiß nicht, ob ich das super fände“, sagt Zimmermann.
Karten für Freunde
Ihr Trainingsquartier hat die deutsche Damennationalmannschaft auf dem Gelände des HC Bloemendaal. Das ist also quasi ein vorgezogenes Heimspiel für Sonja Zimmermann, die in der kommenden Spielzeit für den HC aufläuft. Der Trainer, der Manager und auch schon die eine oder andere neue Kollegin hätten sie schon begrüßt.
Derweil stand die Frankenthalerin, die in den vergangenen Jahren für den Mannheimer HC gespielt hat, vor einer ganz anderen Herausforderung: Sie musste für die Partie am Sonntag noch irgendwie Karten für Freunde auftreiben. „Da musste ich schon alle Verbindungen spielen lassen“, gesteht sie und lacht. Die Unterstützung durch Familie und Freunde sei ihr wichtig. „Das sind meine Glücksbringer.“
Zimmermann führt die „Danas“ als Co-Kapitänin aufs Feld. Mit ihrer ehemaligen Mannschaftskollegin in Mannheim, Nike Lorenz (25, RW Köln), wechselt sie sich von Spiel zu Spiel ab. Zu viel möchte sie in die Rolle nicht hineininterpretiert wissen. „Ich bin immer noch dieselbe Spielerin“, betont Zimmermann. Sie sehe sich eher als Verbindung zwischen Team und Trainer. Eine Folge habe die Rolle aber doch: „Man muss mehr Interviews geben“, meint sie und lacht.