Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Mutter auf Jakobsplatz verprügelt: Täter wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt

Anna Starzetz (rechts) mit ihren Helfern Patrizia und Stefan Bertram auf dem Jakobsplatz in Frankenthal.
Anna Starzetz (rechts) mit ihren Helfern Patrizia und Stefan Bertram auf dem Jakobsplatz in Frankenthal.

Anna Starzetz wurde vor zwei Jahren von ihr Unbekannten attackiert – brutal und am helllichten Tag. Nun ist vor dem Amtsgericht Frankenthal das Urteil gefallen.

„Ich muss das erst einmal sacken lassen“, sagt Anna Starzetz. Die 35-Jährige steht am Dienstagmittag im Frankenthaler Amtsgericht. Kurz vorher hat Strafrichter Thomas Henn hier das Urteil gesprochen: Der Mann und die Frau, die Starzetz am 31. August 2023 auf dem Jakobsplatz in Frankenthal brutal attackierten, werden beide zu Haftstrafen verurteilt, deren Vollstreckung jeweils zur Bewährung ausgesetzt wird.

Wegen vorsätzlicher Körperverletzung in Tatmehrheit mit gefährlicher Körperverletzung erhielt der Angeklagte eine Bewährungsstrafe von sieben Monaten, seine Lebenspartnerin sechs Monate. Zudem müssen beide Schmerzensgeld an Anna Starzetz zahlen. Die Frau 5000 Euro, der Mann 1000 Euro. Auch muss das Paar 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die beiden Angeklagten, die mittlerweile in Fußgönheim wohnen, baten Starzetz um Entschuldigung.

Opfer: „Hätte mir höhere Strafe gewünscht“

„Ich hätte mir eine höhere Strafe gewünscht, weil die Tat so brutal war“, sagt Starzetz später nach dem Prozess auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Wegen ihrer Verletzungen war die Frankenthalerin nach der Prügelattacke zwei Monate lang krankgeschrieben, unter anderem war ihr ein Zahn ausgeschlagen worden. Ein Riss am Lid musste im Krankenhaus genäht werden, rund um die Augen hatte Anna Starzetz Quetschwunden. Die Frau und der Mann, die ihr das angetan haben, waren zum Zeitpunkt der Anklageerhebung 38 und 36 Jahre alt. Beide sind bei der Polizei zwar keine Unbekannten. Einschlägig vorbestraft sind sie aber nicht.

Von der Prügelattacke gezeichnet: Anna Starzetz wenige Tage nach dem Angriff in Frankenthal.
Von der Prügelattacke gezeichnet: Anna Starzetz wenige Tage nach dem Angriff in Frankenthal.

In der Anklage hieß es, dass der Mann und die Frau Anna Starzetz an dem August-Tag vor zwei Jahren gemeinsam geschlagen hätten. Dieser Vorwurf der gemeinschaftlichen Tat war aber nach der Beweisaufnahme nicht mehr zu halten. Neben Starzetz, die im Gerichtssaal als Nebenklägerin auftrat, sagten drei weitere Zeugen aus, darunter die Eheleute Patrizia und Stefan Bertram. Letzterer war Anna Starzetz damals zu Hilfe geeilt, als die von der Angeklagten heftig mit Fausthieben traktiert wurde.

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Handy gegen den Kopf geschleudert

Wie sich im Laufe der Verhandlung zeigte, griff der Angeklagte das Opfer im Unterschied zu seiner Lebensgefährtin nicht körperlich an, also nicht mit Schlägen oder Tritten. Strafrichter Henn sah es aber als erwiesen an, dass der Mann Starzetz aus einigen Metern Entfernung gezielt ein Mobiltelefon an den Kopf geschleudert hatte. Ein Vorwurf, den der Angeklagte bis zuletzt bestritt. Für Richter Henn stand zudem fest, dass der Mann Stefan Bertram Schläge auf den Hinterkopf versetzt hatte, als dieser die Angeklagte von Starzetz wegzerren wollte.

Im Kern stellten sich die Geschehnisse vor zwei Jahren so dar: Anna Starzetz war mit vier Kindern im Alter von zwei bis neun Jahren, darunter auch ihr Sohn und ihre Tochter, auf Schnitzeljagd in Frankenthal. Starzetz schob das jüngste Kind im Kinderwagen über den Jakobsplatz. Der Sohn und sein Freund waren derweil vorgelaufen, um Fahrradständer zu zählen. Die Kinder trafen dabei auf die beiden Angeklagten. Diese saßen mit einer Gruppe von Bekannten auf dem Platz und tranken Alkohol. Fünf, sechs Flaschen Bier habe man zu diesem Zeitpunkt mittags um 16 Uhr schon getrunken gehabt, erzählte der Angeklagte vor Gericht.

Angreiferin hat mehr als drei Promille

Seine Partnerin gab an, sich an nichts mehr zu erinnern. Wie ihr Verteidiger berichtete, wurde mit ihr am Abend nach der Tat ein Atemalkoholtest gemacht. Das Ergebnis um 22.42 Uhr: 1,93 Promille. Am Nachmittag, so rechnete der Verteidiger vor, dürfte seine Mandantin mehr als drei Promille gehabt haben.

Die Angeklagten hatten das Gefühl, dass die Kinder sie nachäfften. Als dann Anna Starzetz hinzu kam, wurde sie beleidigt. Es wurde gepöbelt, es wurde laut, die Kinder hatten Angst und Panik, sie weinten und schrien. Die Mutter alarmierte die Polizei, daraufhin waren die Angeklagten kurz weggegangen.

„Wie im Wahn zugeschlagen“

Die Frau kehrte aber zurück und griff Anna Starzetz mit voller Wucht an: Sie packte sie an den Haaren, knallte ihren Kopf gegen einen Betonrand, setzte sich auf sie und schlug ihr mehr als zehn Mal ins Gesicht – „wie im Wahn“ habe die Angreiferin gewirkt, hatte Stefan Bertram damals der Polizei gesagt. Auch der Lebensgefährte der Frau war wieder zurückgekommen, attackierte Bertram, damit der von seiner Partnerin ablässt und warf mit dem Handy nach Anna Starzetz.

Schläge, Hiebe und ein Wurf, für die die Angeklagten jetzt in Frankenthal bestraft wurden. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Gegen das Urteil können noch Rechtsmittel eingelegt werden.

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