Frankenthal Mit Spielwitz und Groove

Ihr neues Album „Bei dir war es immer so schön“ stellten Helmut Eisel, Josho Stephan, Volker Kamp und Günter Stephan (von links)
Ihr neues Album »Bei dir war es immer so schön« stellten Helmut Eisel, Josho Stephan, Volker Kamp und Günter Stephan (von links) in Großkarlbach vor, wo das Quartett eine große Fangemeinde hat.

Drei Stunden virtuose Musik aus jüdischer Populartradition war am Samstagabend im Alten Weingut Großkarlbach zu erleben. Auf Einladung des Sieben Mühlen Kunst- und Kulturvereins Großkarlbach präsentierte das Joscho Stephan und Helmut Eisel Quartett 14 Lieder seines zweiten, gerade erschienenen Albums „Bei dir war es immer so schön“: vor vollem Haus.

„Ausverkauft“, hieß es kurz vor Beginn, sehr zum Leidwesen einiger Spontanbesucher, die wieder umkehren mussten. Rund 150 Zuhörer saßen dicht gedrängt in dem urigen Kellergewölbe und erlebten ein Konzert voll überbordender Spielfreude. Bereits zum dritten Mal gastierte Sologitarrist Joscho Stephan mit seinem Vater Günter (Rhythmusgitarre) in Großkarlbach und hat sich dort eine treue Fangemeinde erspielt. Diesmal hatte er noch Helmut Eisel (Klarinette) und Volker Kamp (Kontrabass) dabei. Mit launigen Ansagen, in die er die Geschichte(n) zu den Stücken verpackte, führte der in Fachkreisen als „Mozart des Gypsyswing“ gehandelte Joscho Stephan durchs Programm. Klezmer, das jiddische Wort bedeutet „Gerät“ oder „Gefäß“ und lässt auf die Vielgestaltigkeit dieser Volksmusiktradition der aschkenasischen Juden Osteuropas schließen: Musik aus charakteristischen Melodielinien, die wie eine Schale beliebig gefüllt werden kann mit freien oft artifiziellen und anspielungsreichen Improvisationen. Hier sind Können, handwerkliche Virtuosität und genauso Witz und Humor, Spielfreude und Schelmentum gefragt. Dies alles hatten die vier Ausnahmemusiker im Übermaß. Sie bescherten dem Publikum einen vergnüglichen Abend. Klanglich im Fokus stand Helmut Eisel mit seiner Klarinette, die er in Nachahmung des paraliturgischen Gesangs Chasan oft jammern, krächzen und klagen, aber auch schwätzen und tirilieren ließ. Vom perlenden Glissando bis zum röhrigen Jazz reichte die Klangqualität. Zur CD des Quartetts steuerte der Saarländer fünf Eigenkompositionen bei, darunter zwei Stücke im ekstatischen Rhythmus „Freilach“, was auf deutsch „glücklich“ bedeutet. Der Duktus der Klezmorim erinnert streckenweise an die menschliche Stimme mit ihrer Vielfalt an Artikulationsmöglichkeiten. Die schöpfte Sologitarrist Joscho Stephan aufs Schönste aus, entlockte den Saiten Vibrati und komplexe Läufe und schien streckenweise mit seinem Instrument verwachsen. Drei Eigenkompositionen Joscho Stephans spielte die Combo: als Einstieg die Auftragskomposition für eine Warteschleifen-Musik einer Hannoveraner Immobilienfirma, später das atmosphärisch leichtfließende Stück „Sunflower“ und einen Musette-Walzer mit Funkanmutung, bei dem die Klarinette in James-Brown-Manier groovt. Besonders gefiel Helmut Eisels meditativ minimalistische „Ballad of a Lonesome Maestro“, die der Klarinettist aufgrund seiner Begegnung mit dem Klezmer-Meister Giora Feidman in Israel geschrieben hat. Neben Traditionals wie „Sammy’s Freilach“ und „Bei mir bist du schön“ in der Originalversion von Shalom Secunda gab es auch das Titelstück der neuen CD „Bei Dir war es immer so schön“ des Zarah-Leander-Komponisten Theo Mackebenen aus den 1930er-Jahren zu hören. Die Rhythmusgitarre sei das Wichtigste im Klezmer, sie halte das Ganze zusammen erklärte Joscho Stephan mit Verweis auf den tragenden Part, den sein Vater den ganzen Abend über innehatte. Prompt wurde der mit „Günter, Günter“-Rufen von seinen Fans gefeiert. Für die satte Tiefendimension im Klangbild und den nötigen Groove sorgte Volker Kamp am Kontrabass. Der Duisburger zelebrierte die tiefen Töne lässig in einigen Solopassagen. Neben allen frei formulierten Jazz-Verästelungen und dialogischen Improvisationen durfte am Ende auch der Gypsyswing nicht fehlen. So kamen in den beiden Django-Reinhardt-Stücken „Minor Blues“ und „Minor Swing“ – Letzteres bekannt aus dem französischen Film „Chocolat“ mit Johnny Depp – treibende Riffs und rasende Melodien zum Zug

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