FRANKENTHAL
Kilometerweise neue Leitungen in Schulen
Wenn es ums Sanieren und Modernisieren geht, dann sind ältere Bauten „immer Überraschungspakete“, sagt Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) bei der Baustellentour mit der RHEINPFALZ. Das gilt auch für das historische Gebäude der Förderschule Tom-Mutters-Schule, errichtet 1902/03 nach Plänen des Mannheimer Architekten Richard Speer. So war einiges an Aufwand erforderlich, um hier die gesamte Elektroinstallation auszutauschen. Die alten Anlagen seien „nicht mehr ausreichend für heutige Anforderungen“ gewesen, erläutert Alfred Kurkofka, zuständiger Mitarbeiter des städtischen Gebäudemanagements.
Die Ferienzeit wird von den Arbeitern aber auch genutzt, um die Schule in Sachen Digitalisierung auf den neuesten Stand zu bringen. 2000 Meter Datenleitungen für den Anschluss ans Glasfasernetz habe man verlegt, erklärt Kurkofka, vier neue Datenschränke seien im Gebäude aufgebaut worden. Dazu kommen 1000 Meter neue Stromleitungen mit entsprechender Sicherungstechnik, die genau anzeigen kann, „wo das Problem war“, wenn ein solches auftritt.
Die 240 neuen LED-Leuchten, die die Schule künftig einsetzen kann, werden die für Beleuchtung anfallenden Energiekosten um fast 60 Prozent senken, erwartet Kurkofka. Besonders wirtschaftlich seien die Lampen auch deshalb, weil sich die Stärke je nach Bedarf linear regeln lasse. „Das ist eine tolle Sache.“ Erfahrungsgemäß zahlten sich solche Investitionen „in kurzer Zeit wieder aus“. Den Gesamtaufwand für die Arbeiten in der Förderschule beziffert Heike Kohlschmidt, Leiterin der Abteilung Technik des Bereichs Gebäude und Grundstücke, auf rund 210.000 Euro.
Großes Lob
Fassaden-, Brandschutz- und Elektrosanierung lauten die Stichworte, die Bürgermeister Bernd Knöppel in der Carl-Bosch-Grundschule nennt. „Start war in den Sommerferien 2019 am 1. Juli“, berichtet Architekt Norbert Bentz. Das Besondere an dieser Schule mit rund 150 Schülern ist: Auch während der Unterrichtszeiten wurde weitergearbeitet – „in Absprache mit der Schulleitung“, wie Frank Hubertus, Bereichsleiter Gebäude und Grundstücke, betont. Besonders lärmintensive Arbeiten, etwa mit dem Bohrer, habe man in den Zeitraum nach 13 Uhr gelegt. Großes Lob gebühre den Beteiligten, dass man so habe vorgehen können – „denn wir haben damit auch Geld für eine Container-Anlage gespart“, in die man sonst Klassen hätte auslagern müssen.
„Das Thema Digitalisierung spielt eine entscheidende Rolle“, sagt Bürgermeister Knöppel auch mit Blick auf diesen 60er-Jahre-Bau. So seien auch hier Glasfaser-Internetanschlüsse eingerichtet worden, es gebe ein Funknetz im Gebäude (WLAN), und man habe in energiesparende LED-Beleuchtung investiert.
Zusätzlich gedämmt
Fassaden und 2000 Quadratmeter Flachdachflächen sind nach Aussage von Architekt Bentz zusätzlich gedämmt worden. Die 18 Zentimeter dicke Dämmschicht – „nicht entzündlich“ – helfe nicht nur in der kalten Jahreszeit beim Energiesparen, sie schütze auch im Sommer gegen die Hitze. Für 1800 Quadratmeter Wandfläche habe man sogenannte Vorhangfassaden gewählt: Diese Bauteile hielten erfahrungsgemäß 45 Jahre; eine konventionelle Isolierung halte 30 Jahre. Dass es bei den Bauarbeiten häufiger laut zuging, das verrät eine Zahl: 27.000 Schrauben halten die verbauten Teile zusammen.
Neu verputzt und gestrichen wurden die Klassenräume. In der Farbgestaltung unterscheiden sie sich: „Jede Klasse hat ihren eigenen Farbton“, sagt Norbert Bentz. Als Besonderheit hebt der Architekt das Lüftungssystem hervor. In jedem Klassenraum gibt es an der Wand ein Messgerät mit Warnleuchte, das den Gehalt von Kohlendioxid in der Raumluft ermittelt. Steigt der über einen kritischen Wert, gibt es ein Leuchtsignal, „und der Lehrer sollte die Fenster aufmachen“, erklärt der Architekt. Geschehe das nicht, und werde der Sauerstoffgehalt der Luft noch schlechter, sorgt das System automatisch dafür, dass sich an der Fensterfront Belüftungsklappen öffneten.
Zum Ende dieser Woche sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, sagt Norbert Bentz. Für die Grundschule, in der „lange nichts gemacht“ worden sei, bedeute dieses Modernisierungsprogramm „einen Quantensprung“, freut sich Bürgermeister Knöppel. Die Stadt rechnet mit Gesamtkosten von rund 3,3 Millionen Euro.
„Abnahmen laufen“
Die neue Kindertagesstätte Weidstraße in Eppstein werde im Herbst den Betrieb aufnehmen, sagt Bernd Knöppel beim Ortstermin dort. Etwa 105 Kinder können hier dann in sechs Gruppen betreut werden. Der Neubau, als Niedrigenergiehaus ausgeführt, ist weitgehend fertig. Anfang 2019 hatte man mit den Arbeiten begonnen; die Gesamtkosten werden auf rund 4,7 Millionen Euro veranschlagt.
„Die Abnahmen laufen“, erläutert Sascha Brehme, zuständiger Mitarbeiter des Bereichs Gebäude und Grundstücke. Kleinere Arbeiten seien noch beim Thema Elektrik zu leisten, es fehlen noch Balkone, und der begrünte Außenbereich mit Spielmöglichkeiten muss noch angelegt werden. Eine Fahrradstrecke, ein Wasserspiel und ein Tipi (Zelt) sollen hier unter anderem Platz finden.
Die Ausstattung für das Haus wird derzeit sukzessive angeliefert. Das Team der Erzieherinnen bereitet sich auf seine neue Aufgabe bereits vor; es wird dann – so die Vertreter der Stadt – auch bei der Gestaltung der einzelnen Räume mitwirken. Klimaschutz und Energiesparen spielen auch bei diesem Bauprojekt eine Rolle; auch auf dem Dach dieser Kita arbeitet eine Fotovoltaikanlage zur Stromerzeugung.