Frankenthal König: 14 verlorene Jahre
„Das Projekt eines durchgehenden Radwegs zum Rhein hat für uns nicht oberste Priorität. Um das Projekt voranzutreiben, muss erst einmal ein Antrag gestellt werden.“ Diese Aussage des Beigeordneten Bernd Knöppel (CDU) hinterließ in der Ortsbeiratssitzung Mörsch einen verärgerten Ortsvorsteher Adolf José König (SPD) und etwas konsternierte Ortsbeiratsmitglieder in allen Fraktionen.
„Sicherer Radweg zum Rhein kommt“, titelte die RHEINPFALZ am 9. August 2014 und stützte sich dabei auf Aussagen des damaligen Oberbürgermeisters Theo Wieder (CDU). Der Lückenschluss ist schon lange ein Anliegen der Mörscher. Vom Rhein kommend endet der derzeitige Radweg an der Kreisstraße 3 (Petersauer Weg) mitten auf der Brücke. Dort müssen Radfahrer Richtung Mörsch die Fahrbahnseite wechseln und auf der Straße weiterfahren. Erst nach der Einfahrt von der Bundesstraße 9 gibt es wieder eine Radspur. Aus Richtung Mörsch fehlt ein Stück Radweg vom Brückenfuß bis zur Brückenspitze. Da durch die Ansiedlung eines weiteren Logistikers auf Frankenthaler Gemarkung und der damit verbundenen Zunahme des Schwerlastverkehrs sowie durch den Bau von Firmenparkplätzen der BASF, beides auf der Rheinseite, mit einem deutlich ansteigenden Verkehrsaufkommen zu rechnen sei, wolle sich die BASF an den Planungskosten und auch an den Baukosten für den durchgehenden Radweg beteiligen, verkündete Wieder 2014. Marika Denzer, Leiterin des Bereichs Bauen und Planen, sagte im Juni 2015 im Ortsbeirat Mörsch, die Gespräche mit der BASF liefen schon seit einem Jahr. Die BASF sei interessiert, bald eine Lösung zu finden, da diese Strecke von vielen Firmenmitarbeitern genutzt werde. Nun erkundigten sich sowohl die SPD separat als auch CDU und FWG in einem gemeinsamen Antrag in der Ortsbeiratssitzung über den Planungsstand des Radwegs. Knöppel sprach von einem Großprojekt mit einem Kostenvolumen von grob geschätzt einer halben Million Euro. Andere Großprojekte wie die Ansiedlung von Amazon und der Ausbau von Schulen, ein überlastetes Bauamt und die defizitäre Haushaltslage seien Gründe dafür, dass die Verwaltung diesem Projekt nicht die oberste Priorität einräume. Dazu müsste noch mit der BASF und dem Land über die Kostenbeteiligung gesprochen und sich mit dem Landesbetrieb Mobilität abgestimmt werden. Dass der Stand somit noch der gleiche ist wie im Jahr 2014, machte die Ortsbeiratsmitglieder sprachlos. Als sie nicht locker ließen, argumentierte Knöppel auch mit dem bisher fehlenden Antrag für das Projekt, damit überhaupt die Haushaltsmittel eingestellt werden könnten. Die Fraktionen im Stadtrat hätten sich seines Wissens bisher nicht nachhaltig um dieses Projekt bemüht. Ratsmitglied Ferdinand Fiege (CDU) sagte, das Thema werde seit über zehn Jahren diskutiert. „Der durchgehende Radweg ist absolut notwendig.“ Nicht nur für ihn war die Aussage Knöppels unverständlich. Peter Röß (FWG) meinte, es solle nicht gewartet werden, bis ein tödlicher Unfall auf der Brücke passiere. Ältere Menschen schafften es oft nicht, auf dem Rad den Anstieg zur Brücke in einem Schwung zu absolvieren, würden auf halbem Weg vom Rad abspringen. Wenn dann noch gleichzeitig Lastwagen oder landwirtschaftlicher Verkehr auf der Brücke unterwegs sei, komme es häufiger zu gefährlichen Situationen. Ortsbeiratsmitglied Stefan Krantz (CDU) warf die Frage auf, ob das Projekt Renaturierung der Isenach, das in der gleichen Sitzung behandelt wurde, dann wirklich höhere Priorität habe als die Verkehrssicherheit der Radler. Auch wenn er wisse, dass es dafür hohe Fördermittel gebe und der Vergleich ein wenig hinke. Aufgrund der bisherigen Aussagen sei der Ortsbeirat nicht davon ausgegangen, einen Antrag stellen zu müssen, so der Tenor. Die Mitglieder dachten, die Verwaltung treibe die Planungen voran. „Wir machen jetzt so lange damit rum. Wenn ich nun höre, dass in den vergangenen Jahren nichts passiert ist, dann bin ich schon verärgert“, machte König seinem Unmut Luft. Er wisse, dass die BASF nach wie vor bereit sei, das Projekt zu unterstützen. „Wir haben alle den defizitären Haushalt im Blick. Aber nun sehe ich 14 Jahre verlorene Zeit.“