Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Jürgen Speiser gibt Führung der Feuerwehr ab

Wachwechsel bei der Feuerwehr Frankenthal (von links): Jürgen Speiser gibt die Verantwortung an Frank Böhmer und Andreas Kölsch
Wachwechsel bei der Feuerwehr Frankenthal (von links): Jürgen Speiser gibt die Verantwortung an Frank Böhmer und Andreas Kölsch weiter.

Es ist Abschied und Rückkehr zugleich: Sechseinhalb Jahre lang ist Jürgen Speiser als hauptamtlicher Wehrleiter an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Frankenthal gestanden. Jetzt zieht es den 46-Jährigen zurück zur Berufsfeuerwehr Ludwigshafen. Dort übernimmt er eine Führungsaufgabe in der Einsatzvorbereitung.

„Niemals geht man so ganz“ – diese Schlagerzeile trifft es auch im Fall von Jürgen Speiser ganz gut. Denn obwohl am Mittwoch seine Zeit als Stadtfeuerwehrinspekteur nach sechseinhalb Jahren zu Ende gegangen ist: Als Ehrenamtlicher bleibt der 46-Jährige seiner Truppe treu. Im Herbst vergangenen Jahres habe sich die Chance aufgetan, sich beruflich neu zu orientieren – deshalb die Bewerbung auf eine damals ausgeschriebene Stelle im Führungsstab der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen.

Der Reiz an dieser Aufgabe: die Mischung aus planerischen Aufgaben in der sogenannten Einsatzvorbereitung und ganz praktischer Arbeit als Zugführer im Einsatzdienst auf wechselnden Wachen der deutlich größeren Nachbarstadt. Eingebunden ist Jürgen Speiser künftig in die Weiterentwicklung der Fahrzeugkonzepte für Ludwigshafen. Während der 24-stündigen Bereitschaftsdienste rückt der Frankenthaler ausschließlich mit Berufsfeuerwehrleuten aus.

Bessere Planbarkeit

Ein Aspekt, der Speiser zufolge bei seiner Entscheidung auch eine gewisse Rolle gespielt hat, ist die zeitliche Belastung, die der Wehrleiterposten in Frankenthal mit sich bringt. In dieser Rolle sei er im Prinzip Woche für Woche von Montag bis Samstag komplett eingespannt gewesen – plus Abendtermine. Insofern verspricht er sich von seinem neuen Job durchaus mehr Zeit, zumindest aber bessere Planbarkeit. Eins allerdings hält der Feuerwehrmann mit Blick auf seine bisherige Tätigkeit fest: „Ich habe die Verantwortung nie gescheut.“

Und tatsächlich: Ob als Einsatzleiter beim Brand des Schützenhauses vor bald zwei Jahren oder als Mitglied des Krisenstabs während der Corona-Pandemie – in vielen Situationen war Speiser ein sachlicher und geduldiger Ansprechpartner für Bürger und Verwaltungskollegen, aber auch einer, der keinen Zweifel daran lässt, worauf es ihm beim jeweiligen Thema ankommt. In seinem persönlichen Fazit stellt der 46-Jährige allerdings weniger einzelne Ereignisse, besonders spektakuläre Einsätze heraus: Er betont die bessere Vernetzung mit den Wehren umliegender Kommunen und den Aspekt der Ausbildung. Er unterstreicht aber auch die Kooperation mit der Polizei und anderen Akteuren des Katastrophenschutzes in der Stadt.

Hauptwache wird langsam eng

Ein besonderer Einsatz im Februar 2017 wird Speiser trotzdem im Gedächtnis bleiben: Damals war im Rohbau einer Tankstelle im Industriegebiet Nord eine Betondecke eingestürzt. Ein 33 Jahre alter Arbeiter starb, zwei weitere Männer erlitten Knochenbrüche und Kopfverletzungen. Bei Routineeinsätzen greife bei der Feuerwehr „alles ineinander wie ein Uhrwerk“, aber hier sei vollkommenes Umdenken zum Lösen der Probleme vor Ort gefragt gewesen.

Ein paar Punkte auf der To-do-Liste der Frankenthaler Feuerwehr muss Speiser denjenigen überlassen, die ab 1. April und bis Ende dieses Jahres vorerst interimsmäßig gemeinsam die Führungsrolle übernehmen: die bisherigen Stellvertreter Frank Böhmer (40) und Andreas Kölsch (36). Auf dem Zettel steht da neben einem grundlegenden Konzept für die Wehr, der sogenannten Feuerwehrbedarfsplanung, auch die bauliche Entwicklung der Hauptfeuerwache, wo der Platz langsam aber sicher ganz schön eng wird.

Augenmerk auf Ausbildung

Kölsch und Böhmer garantieren, das betonen sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ, die Kontinuität an der Spitze der überwiegend von rund 120 freiwilligen Brandschützern getragenen Feuerwehr. „Viele der Themen, die wir jetzt fortführen müssen, haben wir ja schon gemeinsam angestoßen“, sagt Andreas Kölsch. Das gehe nun als „Duo, nicht mehr als Trio“ weiter. Und das auch unter den durchaus schwierigen Rahmenbedingungen der Pandemie. Pflichtfortbildungen seien zwar auch in dieser Zeit geleistet worden. Aber gerade in der Grundausbildung sei Praxis das Entscheidende: Bei den wichtigen Handgriffen und Fertigkeiten reiche ein Onlinekurs per Video einfach nicht aus.

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