Frankenthal Hilfe von Frau Internet und Julius Caesar

Spiele-Apps sind bei Kindern die Favoriten.
Spiele-Apps sind bei Kindern die Favoriten.

Wie surft man sicher im Internet? Mit dieser Frage haben sich am Mittwoch 34 Kinder der Grundschule Eppstein-Flomersheim beschäftigt. Bei einem Projekt der Initiative erlebe IT haben sie Interessantes über Kettenbriefe, Passwörter und soziale Netzwerke und erfahren.

„Was macht ihr so im Internet“, fragt Laura Keller 17 Viertklässler. „Spiele, Musik, Filme gucken“, antworten die Kinder. Die 27-jährige Medienpädagogin tritt in Eppstein als „Frau Internet“ in Aktion. Sie vermittelt Kindern Basiswissen für den Umgang mit Smartphones und Computern. Das ist immer früher nötig, denn im Alter von zehn Jahren sind schon 94 Prozent aller Kinder online. In der fünften Klasse erhalten sie oft mit dem neuen Fahrrad das erste Smartphone und so Zugang zu einer faszinierenden Welt der Kommunikation, Spiele, Informationen und Medien. „Eltern lassen sich häufig abschrecken, weil sie meinen, alles erklären zu müssen“, sagt Laura Keller. Wer wann wie lange online gehen darf, sei ein Streitpunkt in vielen Familien. Eltern werde empfohlen, gemeinsam mit ihren Kindern einen „Mediennutzungsvertrag“ (gibt es im Internet) zu unterschreiben mit für alle festgelegten Regeln. Ein Problem für Kinder sei es oft, die Vielfalt von Informationen richtig zu verarbeiten. Da helfe es, in den Familien eine Gesprächskultur zu etablieren. An sechs Lernstationen arbeiten die Kinder eigenständig in Zweierteams zu Themen wie sicheres Surfen, Passwörter und Verschlüsselung, Recht am eigenen Bild und Öffentlichkeit im Verhältnis zur Privatsphäre in der Online-Kommunikation. Nach 20 Minuten treffen sich alle zur Challenge: Bei dem Abschluss-Quiz werden Inhalte spielerisch abgefragt. Etwa, dass ein sicheres Passwort groß- und kleingeschriebene Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen enthalten soll. Zur Unterhaltung gibt es kleine Einspielfilme etwa über den Verschlüsselungscode, den schon Julius Caesar nutzte, indem er das Alphabet um drei Buchstaben verdrehte. Einen „gruseligen Kettenbrief“ haben einige Kinder schon erhalten. Wer wissen will, was dahintersteckt, erfahre dies über die österreichische Webseite mimikama.at. Oft sei es eine handfeste Werbeoffensive, erklärt Laura Keller und rät „den Quatsch sofort zu löschen“. Einer Spontanumfrage zufolge ist Facebook als Kommunikationsplattform bei den Kindern unbeliebt. Grund: „Zu viel Text, das machen unsere Eltern.“ Der Nachwuchs favorisiert Instagram, Snapchat und Youtube. Auf Youtube werden Musikvideos, Let’s Play-Spiele und „abgedrehte Filme“ über „außergewöhnliche Kinder“ am liebsten konsumiert. Dass Youtube auch ein Wissensportal ist und als Hausaufgabenhilfe genutzt werden kann, etwa für den Sachunterricht, wissen nur wenige. „Mister Wissen2go ist eine gute Plattform“, rät „Frau Internet“ Laura Keller. Bücher und Zeitungen scheinen dagegen weniger beliebt zu sein. Selbst komplexe Sachverhalte wie das Recht am eigenen Bild kommen bei dem Workshop zur Sprache. „Erst fragen, dann hochladen“ ist die Devise bei der Verbreitung von Fotos. „Ihr könnt meckern, wenn ihr nicht zugestimmt habt“, betont Laura Keller. „Viele Eltern kümmern sich nicht darum, was ihre Kinder mit dem Handy machen“, hat Schulleiter Peter Fruth beobachtet. Im Unterricht haben Handys und Smartphones an der Grundschule Eppstein-Flomersheim nichts zu suchen. Ohnehin sei die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder – medienbedingt oder nicht – geringer geworden. Fruth hat festgestellt, dass manche Kinder total überwacht seien und Schullandheimaufenthalte ohne Handy durchgesetzt. Seit 2009 setzt sich erlebe IT, eine Initiative des BitKom deutschlandweit für die Vermittlung von digitaler Kompetenz an Schulen ein mit Workshops für die vierten bis elften Klassenstufen, aber auch mit Schulungen für Lehrer und Eltern. Bisher nahmen 34.000 Kinder und rund 6000 Erwachsene an den Workshops teil.

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