Handball
Frankenthal ist 2026 Gastgeber der Handball-WM der Gehörlosen und Hörgeschädigten
Geplant ist, dass die 4. Handball-WM vom 02. bis 18. Juli 2026 stattfindet. Offiziell muss die Bewerbung noch von den Gremien des International Committee of Sports for the Deaf (ICSD) bestätigt werden. Das sollte nur eine Formsache sein, da keine weiteren Bewerbungen eingegangen sind.
Die Bewerbung des Deutschen Gehörlosensportverbandes (DGSV), die deren Sportdirektor Norbert Hensen (Köln) vorgestellt hatte, stieß auf breite Zustimmung. „Wir freuen uns, dass Deutschland mit seiner Bewerbung zeigt, dass sie den internationalen Handball bei den Gehörlosen unterstützen und somit erstmals auch Gastgeber einer WM sein möchten“, sagte Jonny Gustavsson (Schweden), der Direktor Handball des ICSD, der wie Guido Zanecchia (Italien) von der ICSD-Geschäftsleitung die Präsentation ausdrücklich lobte.
Professioneller werden
Mit der WM 2026 in Frankenthal reiht sich der DGSV in das vom Deutschen Handballbund (DHB) ausgerufene „Jahrzehnt des Handballs“ ein und erhofft sich durch die Zusammenarbeit und Kooperation mit dem DHB auch einen deutlichen Fortschritt bei der Professionalisierung der Sparte Handball. „Wir wollen uns im Handball breiter aufstellen, deshalb möchten wir mit dem DHB auch Wege finden, wie wir weitere Spieler aus deren Vereinen, die hörgeschädigt sind, für unsere Mannschaften gewinnen können. Viele wissen offensichtlich nicht, dass es uns gibt“, so Hensen.
Dem DGSV fehlt wie vielen anderen Nationen der Unterbau. Auch möchte man wieder an frühere Erfolge anknüpfen, als die deutsche Mannschaft bei der EM 1991 in Lübeck und 1993 bei den Deaflympics jeweils die Goldmedaille gewann. Bereits im vergangenen Jahr gab es bei den Deaflympics in Brasilien es Silber für das Team von Bundestrainer Alexander Zimpelmann (Freinsheim). Und am Samstag könnte bei der WM-Premiere die nächste Medaille folgen.
Viele Gespräche im Vorfeld
Am Freitagabend trafen die Deafboys des pfälzischen Trainer-Trios Zimpelmann, Jan Willner (Deidesheim) und Sven Labitzke (Mutterstadt) im Halbfinale auf die Türkei (nach Redaktionsschluss) und erhielten im Vorfeld eine Reihe von Videobotschaften der aktuellen Nationalspieler des DHB, des Sportministers von Rheinland-Pfalz, Michael Ebling, des Präsidenten des Pfälzischen Handballverbandes (PfHV), Ulf Meyhöfer, und des künftigen Oberbürgermeisters von Frankenthal, Nicolas Mayer, zum erfolgreichen Abschneiden.
Der Bewerbung vorausgegangen waren viele Gespräche mit den örtlichen Organisatoren, dem Gehörlosensportclub (GSC) um deren Vorsitzenden Daniel Haffke (Steinweiler), die maßgeblich die deutsche Bewerbung vorantrieben. „Wir sind sehr zufrieden mit der heutigen Entscheidung der ICSD und freuen uns die WM in Frankenthal ausrichten zu dürfen“, sagte Haffke. Es wird nach dem bundesweiten Sportfest (9. bis 11 Mai 2024) das nächste Großereignis in Frankenthal sein.
Sechsstelliges Budget
„Wir spüren schon heute eine große Bereitschaft für die Ausrichtung für die WM“, sagte Haffke. Der Landessportbund Rheinland-Pfalz, der Pfälzischen Handballverband (PfHV) sowie Stadt Stadtwerke Frankenthal unterstützen die Bewerbung. Das Budget für die WM soll 450.000 Euro betragen. Geplant ist, dass in drei Jahren zwölf Nationen an der WM der Männer teilnehmen.
„Wir werden alles daransetzen, dass wir mit unserem Konzept es schaffen, dass die Zahl der teilnehmenden Nationen wieder höher als zuletzt sein wird“, betonte Hensen. Deshalb zeigte sich der DGSV auch in den Gesprächen mit der ICSD offen, hinsichtlich geplanter Veränderungen im Spielmodus, der Verkürzung der WM von 16 auf zwölf Tage und des Austragungsmodus. „Wir wollen eine Weltmeisterschaft, an der alle Mannschaften teilnehmen können und nicht aus finanziellen Gründen zu Hause bleiben müssen“, so Hensen auch mit Blick auf die kurzfristigen Absagen von Kamerun und Kenia in diesem Jahr.
Erste Hotels geblockt
Eingebettet in die WM werden ein Deaf Youth Handball-Camp für Jugendliche von zwölf bis 16 Jahre und ein Beach Handball-Turnier sein. Während die Finalspiele in der Sporthalle am Kanal stattfinden sollen, sind die Isenach-Sporthalle und die Robert Schumann-Sporthalle für die Vorrunden-Partien vorgesehen. Als Unterkünfte wurden bereits die Hotels „Victors“, „Central“ sowie „Achat“ aber auch Jugendherbergen in der näheren Umgebung für die teilnehmenden Mannschaften geblockt.