Hockey
Drei Frauen der TG Frankenthal international unterwegs
Brisbane ist die Hauptstadt des Bundesstaates Queensland in Australien. Dort finden die olympischen Sommerspiele 2032 statt. Auf dem fünften Kontinent mit dabei zu sein, das wäre für TG-Torfrau Lotta „Nex“ Schmidt, Schiedsrichter-Nachwuchs Fiona Weißert und die Teammanagerin des U16-Auswahlteams des Deutschen Hockey-Bundes Marion Büffor ein Traum. Die TG Frankenthal ist Heimatverein der drei Frauen.
Doch der Weg nach Australien ist noch lang, nicht nur an Flugmeilen und an Jahren. Lotta Schmidt, die im Verein alle nur „Nex“ rufen, und Fiona Weißert haben nun in Tschechien die ersten Schritte auf internationaler Ebene absolviert. Dort hat die U16-Auswahl des DHB an einem Turnier in Hradec Králové teilgenommen. Gegner waren neben den Gastgebern die Niederlande und Schottland.
Lotta Schmidt konnte im Herbst des vergangenen Jahres bei einem Sichtungslehrgang in Köln überzeugen, an dem sechs Torfrauen teilnahmen. Die besten drei wurden zum Zentrallehrgang Anfang März in Ludwigsburg eingeladen – Lotta war dabei. Und nun reiste sie mit dem U16-Team nach Tschechien – eine von zwölf neuen Spielerinnen in der Auswahl. Beeindruckend war für die 15-Jährige schon, dass bei der Sichtung
Aufregend sei der erste Einsatz im Auswahlteam gewesen, schon das Singen der Nationalhymne ein Erlebnis. Sportlich gab es allerdings einen Wermutstropfen. Die deutsche Auswahl kam nach Siegen über die Niederlande (3:1), Gastgeber Tschechien (10:0) und Schottland (6:0) zwar ins Finale des Turniers, unterlag dort aber durch eine Strafecke in letzter Minute den Niederlanden mit 3:4. Und wer stand im Tor: Lotta Schmidt. Und wer hat die Strafecke gepfiffen? Ihre Vereinskameradin Fiona Weißert. Dass Weißert in diesem Spiel überhaupt mit einer niederländischen Kollegin im Einsatz war, ist außergewöhnlich. Aber die tschechischen Nachwuchs-Unparteiischen seien einfach noch nicht so weit, so ein Finale zu pfeifen.
Weiter dranbleiben
Für Lotta ist die Finalniederlage kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Sie will weiter hart arbeiten, um möglichst lange in den Auswahlteams im Tor zu stehen. Von sich sagt sie, dass sie auf dem Platz sehr präsent sei, gerne mitcoache.
Die Position der Torfrau habe sie schon von klein auf gereizt. Vorstellen könnte sie sich, das auch einmal im Eishockey auszuprobieren. Doch mit ihrem Sport sei sie glücklich, auch wenn er nicht so im Fokus der breiten Öffentlichkeit stehe. Musisch ist Lotta Schmidt noch unterwegs, spielt vier Instrumente. Das komme aus der Familie. Der Großvater spiele Geige. Interessant findet sie Chemie. Dieses Fach möchte sie gerne nach dem Abitur studieren.
In Tschechien teilten sich die drei Torfrauen die Spielzeiten, waren in allen Spielen im Einsatz. An Pfingsten erneut gegen die Niederlande, im Sommer ein Turnier in Schottland, das sind die Nahziele – und dann gibt es für die Schülerin des Albert-Einstein-Gymnasiums eben noch das Fernziel.
Und das teilt sie mit Fiona Weißert, ebenfalls Torfrau bei der TG., die jedoch durch Zufall das Pfeifen für sich entdeckt hat. „Ich habe die Spiele meiner kleineren Schwester gepfiffen.“ Inzwischen ist sie dieser Sparte recht erfolgreich unterwegs. Der erste internationale Einsatz nun sei aber überraschend gekommen, sagt Weißert.
Sie gehört einem 50-köpfigen Nachwuchsteam an Unparteiischen des DHB an. Ihr Vorteil. Sie ist eine von nur fünf Frauen. Ihr klares Ziel: „Ich möchte Bundesliga pfeifen. Ich habe schnell gemerkt, dass ich auf dieser Schiene mehr erreichen kann als im Tor“, sagt Fiona, die aber nach wie vor aktive Spielerin ist. Irgendwann stehe aber wohl eine Entscheidung an.
Ihre Auftritte bei Länderpokal-Einsätzen und bei der deutschen Meisterschaft U16 in der Halle hätten wohl überzeugt, meint Weißert. Und so verließ sie das Ostercamp der TG nach wenigen Tagen, um zu dem Turnier nach Tschechien zu reisen. Praktisch: Marion Büffor von der TG ist Teammanagerin des Auswahlteams, seit zwei Spielzeiten. Somit war das Auto aus Frankenthal (fast) voll. Dass alles so schnell gegangen sei, sei auch für sie überraschend gewesen, sagt Weißert. Da sie mit der deutschen Mannschaft anreiste, die vor Turnierbeginn noch Trainingseinheiten absolvierte, hatte Weißert etwas mehr Freizeit, die sie nutzte, um sich vor Ort umzuschauen. „Alles war sehr entspannt“, hat es Weißert Spaß gemacht. Und an der Strafecke in der Schlussminute gegen die Niederlande habe es nichts zu kritisieren gegeben, räumen Büffor und Schmidt ein. Auch Weißert besucht das AEG, die 12. Klasse. Den Jahnplatz nennt sie ihr zweites Zuhause. Sie trainiert auch die Minis der TG.
Zeichen für gute Jugendarbeit
Marion Büffor übernimmt für die Auswahlmannschaft die Organisation, mit all den Dingen, die damit zusammenhängen. Ein herausfordernder Job. „Mich belohnen die Siege und die tolle Atmosphäre mit den Spielerinnen“, sagt Büffor. Alle seien sehr fokussiert. Auch bei der U18 hilft Marion Büffor demnächst aus, ist voll engagiert, geht in der Aufgabe auf. Und weil sie sich die Namen der Spielerinnen nur schwer merken kann, nennt sie alle Hasen, auch bei Turnieren die nicht weitestgehend in die Osterzeit fallen. Durch ihre Aufgabe beim DHB sei das „kleine gallische Dorf Frankenthal“ dort wieder präsenter, glaubt Büffor. Die Berufung der Mädels sei Zeichen der guten Jugendarbeit hier, freut sich die Teammanagerin.