Frankenthal / Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Deutsche Bank: Frustrierte Kunden wechseln zu Sparkasse

Seitenwechsel: Etliche ehemalige Frankenthaler Deutsche-Bank-Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte jetzt gegenüber bei der Sparkas
Seitenwechsel: Etliche ehemalige Frankenthaler Deutsche-Bank-Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte jetzt gegenüber bei der Sparkasse Rhein-Haardt.

Dass die Deutsche Bank ihre Filiale in der Bahnhofstraße in Frankenthal dicht macht, kam für die meisten Kunden im Juli völlig überraschend. Etliche von ihnen sind inzwischen zur Sparkasse Rhein-Haardt gewechselt. Doch ganz reibungslos klappt das wohl nicht.

Gottfried W. ist – oder besser war – seit 40 Jahren Kunde der Deutschen Bank. Doch was der 80-Jährige, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, in den zurückliegenden Wochen mit dem Geldinstitut erlebt hat, ärgert ihn maßlos. „So kann man nicht mit Kunden umgehen“, findet der Frankenthaler. Als der Senior eines Morgens Anfang August wie immer seine Bankgeschäfte erledigen will, sind Filiale und Vorraum leer. Kein Geldautomat, kein Kontoauszugsdrucker. Eine Benachrichtigung über die Schließung vorab habe er nie erhalten. Kunden werden stattdessen an die Niederlassung der Postbank einige Meter weiter verwiesen. Doch W. kann an diesem Morgen dort weder Auszüge drucken, weil kein Papier im Drucker ist, – noch Geld abheben.

Und so beschließt der Frankenthaler, zur Sparkasse Rhein-Haardt zu wechseln. Die Bank mit Sitz in Bad Dürkheim hat in Frankenthal fünf Filialen, eine davon direkt gegenüber der ehemaligen Deutsche-Bank-Niederlassung. Kein Einzelfall, wie Jürgen Hisgen, Ressortleiter Unternehmenssteuerung, auf Anfrage bestätigt. Genaue Kundenzahlen nennt die Sparkasse nicht. Doch Hisgen spricht von einer niedrigen dreistelligen Anzahl an Wechseln von Konten und Depots, die sich direkt in Zusammenhang mit der Filialschließung in Frankenthal in Zusammenhang bringen lassen.

„Diese Kunden möchten vor Ort einen Ansprechpartner haben“, ist Hisgens Erfahrung insgesamt in der Region. „Wir merken es jedes Mal, wenn eine Filiale schließt.“ Im Schnitt gebe es dann 80 bis 90 Wechsel. Denn nicht jeder wolle ausschließlich Onlinebanking betreiben. Hier könne die Sparkasse Rhein-Haardt – ebenso wie die Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz – mit ihren über 30 Niederlassungen auch in kleineren Gemeinden punkten. Wenn Großbanken sich dagegen aus der Fläche zurückzögen, sei das ein klares Statement zu deren Selbstverständnis, findet Hisgen. „Wir sehen uns als Bank vor Ort“, sagt er. Die Sparkasse, die von solchen Schließungen profitiere, investiere eben auch in ihre Serviceangebote.

„Kunde ist Leidtragender“

Bei einem Service, den die Sparkasse üblicherweise beim Bankwechsel anbietet, hakt es allerdings derzeit. Der Kontowechsel, der normalerweise ohne große Übergänge vollzogen wird, klappt bei den ehemaligen Deutsche-Bank-Kunden nicht oder nur sehr schleppend. Eine Vollmacht dafür habe er der Sparkasse schon Anfang September ausgestellt, sagt der Frankenthaler W. Trotz mehrfacher Mahnung seines neuen Beraters warte er immer noch, dass sein Girokonto übertragen werde. „Mein Geld wird rechtswidrig einbehalten“, empört sich der Rentner.

„Die Abwicklung des Kontenwechsels dauert in diesen Fällen ungewöhnlich lange“, bestätigt Sparkassen-Manager Hisgen. Die Gründe dafür kenne er nicht. „Wir haben alles erledigt, was von unserer Seite aus zu tun ist.“ Leidtragende seien die Kunden, denen dadurch unnötig Umstände entstünden. Sollte sich der Wechsel weiter verschleppen, könnten sogar doppelte Kontoführungsgebühren entstehen. Zumindest aber könnten diese Neukunden nicht in vollem Umfang von den vergünstigten Konditionen der Sparkasse beim Wechsel profitieren.

Die Deutsche Bank selbst, von der RHEINPFALZ bereits Anfang August zur Filialschließung in Frankenthal angefragt, hat sich zu den Umständen bislang nicht geäußert. Wegen massiver Mängel im Kundenservice der Postbank war der Mutterkonzern Deutsche Bank Anfang September von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gerügt worden.

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