Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Das Elfmeterschießen hat in 50 Jahren viele Helden und tragische Figuren hervorgebracht

Der Schuss in den viel zitierten Belgrader Nachthimmel: Uli Hoeneß scheitert im Elfmeterschießen 1976 gegen die damalige Tschech
Der Schuss in den viel zitierten Belgrader Nachthimmel: Uli Hoeneß scheitert im Elfmeterschießen 1976 gegen die damalige Tschechoslowakei.

Das Elfmeterschießen feiert in diesem Jahr 50. Geburtstag. Es hat Helden hervorgebracht, aber auch tragische Figuren. Regeln wurden geändert und Rekorde aufgestellt. Selbstverständlich haben auch Fußballer aus Frankenthal und Umgebung schon Erfahrungen mit dem Duell vom Punkt gemacht. Am Konzept des Elfmeterschießens wollen sie nicht rütteln.

Dass es keinen Münzwurf mehr am Mittelkreis, Losentscheid oder gar ein Wiederholungsspiel gibt, ist Karl Wald, einem gelernten Friseur, zu verdanken. Vor einem halben Jahrhundert stellte er beim bayerischen Schiedsrichter-Verbandstag die Idee des Elfmeterschießens vor. Bis dahin gab es eine Vielzahl von Varianten, wie ein Spiel beendet werden kann. Walds Vorschlag lautete: Gibt es immer noch keinen Sieger, kommt es zum Elfmeterschießen.

Zunächst fünf Schüsse pro Mannschaft. Ist das Spiel dann immer noch nicht entschieden, geht es jeweils abwechselnd mit einem Schuss weiter, bis eine Mannschaft trifft, die andere aber nicht. Die Idee fand weltweit großen Anklang. Und fortan wurden Helden und tragische Figuren geboren. Zum Beispiel bei der Europameisterschaft 1976, als Uli Hoeneß seinen Versuch in den Belgrader Nachthimmel donnerte.

Montino: Man kann nicht ewig weiterspielen

„Es ist ein Weg, eine Entscheidung zu treffen. Man kann ja nicht ewig weiterspielen“, bringt es Benjamin Montino, Spielertrainer des Bezirksligisten SC Bobenheim-Roxheim, nüchtern auf den Punkt, weshalb er ein Elfmeterschießen für unbedingt notwendig hält. Anders als im Eishockey, zum Beispiel in der nordamerikanischen Profiliga NHL, sei das Weiterspielen, bis endlich das entscheidende Tor fällt, für ihn nicht zweckdienlich. Die Spieler würden so überlastet.

„Ich gehe gerne ins Elfmeterschießen, da kann ich als Torwart nur gewinnen. Aber ich will auch nie, dass alle reingehen“, sagt der Frankenthaler Patrick Stofleth, der das Trikot des Oberligisten TSG Pfeddersheim trägt. Gleich in seinem ersten Spiel bei den Aktiven wurde Stofleth zum Elfmeterkiller. „Beim Eichbaum-Cup habe ich im Finale gegen Arminia Ludwigshafen gleich drei von vier Elfmetern gehalten“, erzählt Stofleth.

Schweinsteiger, der tragische Held im „Finale dahoam“

Wie viele Fußballfans erinnert auch er sich an das „Finale dahoam“, das Endspiel der Champions League 2012 zwischen dem FC Bayern München und dem FC Chelsea. Die Bayern waren drückend überlegen, mussten aber trotzdem ins Elfmeterschießen. Der tragische Held diesmal: Bastian Schweinsteiger, der seinen Versuch an den Pfosten setzte. Die Stofleth-Tatik lautet übrigens: Auf der Linie stehen und dem Schützen ins Gesicht schauen. „Ich lache den Schützen dann auch gerne mal an, um ihn anzustacheln“, fügt der 22-Jährige an.

Solche klangvollen Namen sind der FC Frystak und SK Batov 1930 im Weltfußball noch nicht. Was aber nicht bedeutet, dass die beiden tschechischen Vereine nicht auch spektakulären Sport bieten können. Sage und schreibe 52 Schützen brauchte es, bis Batov 2017 22:21 gewonnen hatte – Weltrekord! Bis dahin galt als Bestmarke das namibische Pokalduell aus dem Jahr 2005 zwischen KK Palacae und Civic. Bei diesem Spiel gab es 48 Elfmeter. Beim Stand von 17:16 war dann endlich die Entscheidung gefallen.

Randazzo leidet mit den Italienern

Matteo Randazzo, Spieler beim Bezirksligisten VfR Frankenthal, erinnert sich an zwei Elfmeterschießen der italienischen Nationalmannschaft. Die Squadra Azzurra siegte 2006 im WM-Finale gegen Frankreich mit 5:3 als David Trézéguet als einziger Schütze nicht traf. „Das schlimmste Elfmeterschießen war für mich bei der EM 2016 gegen Deutschland“, erinnert sich Randazzo. Beim Viertelfinal-Aus der Italiener gegen Deutschland mogelte Jonas Hector den Ball im Drama von Bordeaux irgendwie unter Gianluigi Buffons Armen hindurch ins Tor. Deutschland zog ins Halbfinale ein, verlor dort aber 0:2 gegen Frankreich.

Doch nicht nur Treffer vom Punkt bleiben in Erinnerung. Auch Fehlschüsse – siehe Uli Hoeneß und Bastian Schweinsteiger – bleiben gerne in Erinnerung. Bei der Weltmeisterschaft 2006 mussten sich die Schweizer als Elfmeterdeppen bezeichnen lassen, als sie im Achtelfinale gegen die Ukraine im Duell vom Punkt keinen einzigen Ball im gegnerischen Tor unterbrachten und nach einem 0:3 nach Elfmeterschießen wieder die Heimreise antreten mussten. Kurios: Die Eidgenossen hatten vorher im gesamten Turnier kein Gegentor aus dem Spiel heraus kassiert.

Batz, Klewer und Kamps halten vier Elfmeter

Kürzlich wurde auch der bis dahin nicht allzu bekannte Daniel Batz vom Regionalligisten 1. FC Saarbrücken zum Helden, als er vier Elfmeter im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Fortuna Düsseldorf entschärfte. Zuvor hatten das auch Daniel Klewer (1. FC Nürnberg) und Uwe Kamps, Torwart-Legende von Borussia Mönchengladbach, geschafft.

„Das ist alles reine Glückssache“, stellt Benjamin Montino fest. Er würde seine Spieler nie kritisieren, sollten sie mal einen Elfmeter verschießen. „Man darf nur nicht zu viel Nachdenken, sonst geht es schief“, fügt der Bayern-Fan an. Leidlich könne er sich noch an ein Elfmeterschießen der Bayern im DFB-Pokal erinnern, als sowohl Philipp Lahm als auch Xabi Alonso beim Schuss ausrutschten. „Die Spieler haben ja keine Badelatschen getragen, sondern Stollenschuhe“, sagte damals Thomas Müller nach der Niederlage gegen Borussia Dortmund.

Panenka kreiert den Heber

Doch was ist nun das Erfolgsrezept? Matteo Randazzo erwartet einen festen und platzierten Schuss vom Punkt. „Den Ball in die Mitte chippen, das ist gesunde Arroganz“, sagt der 27-Jährige. Wobei man auch das in der Vergangenheit schon gesehen hat. Womit wir wieder beim EM-Finale 1976 zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei wären. Antonín Panenka verlud mit einem solchen Heber Torwart Sepp Maier. Weshalb diese Art des Elfmeters auch Panenka-Heber genannt wird.

Das letzte Elfmeterschießen, das in und um Frankenthal für Schlagzeilen gesorgt hat, bestritten Eintracht Lambsheim und Amed Ludwigshafen. Beim Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die A-Klasse im Juni 2019 im Frankenthaler Ostparkstadion. Damals zogen die Lambsheimer den Kürzeren, Amed hatte die besseren Nerven. Es war nicht das letzte Kapitel, für das das Elfmeterschießen in der Fußballhistorie gesorgt hat.

Aus der Traum vom „Titel dahoam“: Bastian Schweinsteiger bringt seinen Elfer nicht an Suchergebnisse Petr Čech vorbei.
Aus der Traum vom "Titel dahoam": Bastian Schweinsteiger bringt seinen Elfer nicht an Suchergebnisse Petr Čech vorbei.
Freud und Leid sind beim Elfmeterschießen so dicht beisammen: Jonas Hector jubelt nach seinem Treffer im EM-Viertelfinale 2016,
Freud und Leid sind beim Elfmeterschießen so dicht beisammen: Jonas Hector jubelt nach seinem Treffer im EM-Viertelfinale 2016, Gianluigi Buffon ist geschlagen.
Enttäuschung pur: Eintracht Lambsheim nach dem verpassten A-Klasse-Aufstieg gegen Amed Ludwigshafen. Ludwigshafen hatte im Elfme
Enttäuschung pur: Eintracht Lambsheim nach dem verpassten A-Klasse-Aufstieg gegen Amed Ludwigshafen. Ludwigshafen hatte im Elfmeterschießen die besseren Nerven.
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