Serie Elf Freunde (2)
Cynthia Djaouchi begleitet ihren Mann Kaddour immer zu den Heimspielen der DJK Eppstein
Die Spezies der Spielerfrau genießt im Fußball nicht immer den besten Ruf. Gemeint ist allerdings der Profifußball, bei dem die besseren Hälften der Kicker auf der Tribüne oder im VIP-Bereich posieren, kokettieren und sich präsentieren. Aufgebrezelt, schmuckbehangen und meist nach dem neuesten Schrei gekleidet. Und wenn eine Kamera in der Nähe ist, weicht man ihr selbstredend nicht aus. Ein Vorurteil, haltlose Klischees? Vielleicht.
Hier geht es jedoch um die Ehefrau eines Spielers aus dem Amateurbereich. Auch sie schaut ihrem Gatten regelmäßig zu. Doch es geht nicht darum, gesehen zu werden, sondern um ehrliche Unterstützung des Ehemanns. Sie feuert ihn an, drückt die Daumen, freut sich mit ihm bei Siegen und leidet mit dem Partner, wenn seine Mannschaft verliert. Die Rede ist von Cynthia Djaouchi, Gattin von Kaddour Djaouchi, langjähriger Innenverteidiger des A-Klassisten DJK Eppstein.
Feste Abläufe und Rituale am Spieltag
Wie viele Fußballer, hat auch Kaddour am Spieltag feste Abläufe, Rituale und Marotten. Nicht umsonst gelten Fußballer als äußerst abergläubisch. „Am Sonntag, an dem meistens gespielt wird, stehen wir zwischen 9 und 10 Uhr auf“, berichtet Cynthia Djaouchi.
Und wie immer macht sich das Familienoberhaupt danach mit der sechsjährigen Tochter Talina auf den Weg zum Bäcker, um die Brötchen fürs Frühstück zu holen. „Diese Mahlzeit nehmen wir stets gemeinsam ein. Es gibt Brötchen, Eier, Käse, Wurst und Marmelade“, sagt die 34-Jährige. Dazu Kaffee mit Milch, aber nur wenig Zucker. Das Frühstück verlaufe ruhig und ohne Hektik, ihr Ehemann wirke da schon sehr fokussiert.
Erst „Doppelpass“, dann zum Spiel
„Danach schaut Kaddour noch ein bisschen die Sendung ,Doppelpass’ im Fernsehen“, erzählt Cynthia Djaouchi. Das lenke ab und entspanne. Nach einer Weile packt der 36 Jahre alte Verteidiger, der algerische Wurzeln hat, aber in Leipzig geboren wurde, seine Sporttasche. Wichtig ist das richtige Schuhwerk. Denn es ist ein gewaltiger Unterschied, ob auf Kunst- oder Naturrasen gespielt wird. „Wichtig ist auch die Kniebandage, die er nach einem Knorpelschaden nicht mehr missen möchte“, verdeutlicht seine Frau. Die Medizinisch-technische Assistentin, die in der Radiologie der Frankenthaler Stadtklinik arbeitet, weiß, dass ihr Mann spätestens jetzt kaum noch ansprechbar ist, weil er mit den Gedanken schon bei der nachmittäglichen Partie ist. Er ist „im Tunnel“.
Zu diesem Zeitpunkt sind auch schon die Banane und der Energydrink in der Sporttasche verstaut. Ebenso wie das Trikot mit der Nummer 4, seiner Nummer 4, die Kaddour bei der DJK abonniert hat. „Er bringt das Trikot und die Stutzen immer mit nach Hause. Ich wasche sie, weil er sagt, danach seien die Sachen weicher und angenehmer zu tragen“, erklärt seine Frau.
Cynthia und Tochter Talina sind 30 Minuten vor dem Spiel da
Der Eppsteiner Abwehrspieler nimmt die Tasche, verspricht seiner Tochter ein Kopfballtor und verabschiedet sich von seinen beiden Lieben jeweils mit einem Küsschen. Zum Sportplatz fährt er alleine, Ablenkung wäre jetzt nicht gut. Außerdem ist er in der Regel schon lange vor der vereinbarten Zeit am Treffpunkt. Von der Einstellung zu seinem Sport ist an Djaouchi, der kein Training sausen lasse, ein Profi verlorengegangen. Seine Angetraute legt Termine in der Regel so, dass sie nicht mit dem Training kollidieren.
„Zum Spiel kommen wir nach, denn bei uns reicht es ja, 30 Minuten vor dem Anpfiff da zu sein“, erläutert Cynthia Djaouchi. Auch als ihr Mann für den TuS Altleiningen spielte, war sie schon am Spielfeldrand. Damals haben die besseren Hälften der Männer dies mit Kaffee und Kuchen verbunden. Seit sich die beiden kennen, und das sind immerhin 16 Jahre, steht am Sonntagnachmittag der Besuch eines Fußballspiels an. „Ich war immer dabei, bei Wind und Wetter und selbst als ich schwanger war“, sagt die Spielerfrau. Das findet man heute nur noch selten. Da macht es auch nichts, dass sie jetzt nicht mehr jede Auswärtspartie mitnimmt.
Cynthia Djaouchi fiebert mit
Am Platz angekommen, werden viele Bekannte und Freunde begrüßt. Die Mörscherin kennt fast jeder. Inzwischen sind auch Cynthias Schwiegereltern eingetrudelt. Das Spiel beginnt. Während bei den Akteuren mit dem Anpfiff die Anspannung abfällt, erfasst Cynthia ein Kribbeln. Sie mag Fußball, schaut gerne zu und fiebert mit. Und wenn es mal eng wird vor dem DJK-Gehäuse, ein Gegentor droht und man hört von außen Worte wie „Hexenfett“, dann kommen die von Frau Djaouchi und ihrer Tochter. Angst, dass sich ihr Mann verletzt, hat sie nicht. Eine schwere Blessur habe es noch nicht gegeben. Dies liegt vielleicht auch daran, dass Kaddour Djaouchi alles andere als zimperlich ist und auch da hingeht, wo es wehtut. Er kann sich wehren. In der Abwehr der DJK ist er eine Bank.
„Wir stehen immer am selben Platz und gehen in der Halbzeit jedes Mal zur Imbissbude“, erzählt sie. Lieb gewonnene Gewohnheiten. Nach dem Pausenpfiff läuft Kaddour auf dem Weg in die Kabine an Frau und Tochter vorbei. Er klatscht sie ab, viel gesprochen wird jedoch nicht. Bei eigenen Eckbällen feuern Frau und Tochter den Innenverteidiger mit einem lauten „hoch“ an. Und wenn Kämpfernatur Kaddour mal wieder ein Kopfballtor erzielt hat, dann läuft er zur Seitenlinie und umarmt Talina.
Hochzeitsfeier im DJK-Clubhaus
„Nach dem Abpfiff bleiben Talina und ich noch etwa eine Stunde im Clubhaus“, berichtet die frühere Leichtathletin. Wenn auch der Fußballer nach Hause gekommen ist, dann ließe sich das Ergebnis unschwer erraten. „Bei einer Niederlage gehe ich ihm am Abend aus dem Weg und spreche ihn nicht an“, weiß Cynthia, was die Stunde geschlagen hat. Der ehrgeizige Kaddour grübele dann, was falsch gelaufen sei. Ein Griesgram sei er dennoch nicht. „Ich kann ihn prinzipiell auch kritisieren, er ist da sehr einsichtig und richtet den Blick immer nach vorne“, nennt die Ehefrau eine positive Eigenschaft ihres Mannes.
Cynthia Djaouchi hat ihrem Mann eine Mappe erstellt, in der Zeitungsausschnitte von Spielen der DJK oder Fotos von Kaddour eingeklebt sind. Der Verteidiger holt auch mal die Meinung seiner Frau ein, etwa wenn es um einen Vereinswechsel geht. Die Entscheidung trifft aber er. „Ich glaube, er wird seine Laufbahn in Eppstein beenden“, orakelt Cynthia. Eine Überraschung wäre es nicht, denn die beiden haben im DJK-Clubhaus ihre Hochzeit gefeiert. Doch bevor Schluss ist, würde Kaddour gerne noch einmal mit der DJK Eppstein in die Bezirksliga aufsteigen – so wie 2014. Cynthia und Talina werden ihm dafür die Daumen drücken, an der Seitenlinie mitfiebern und bei jedem Eckball anfeuern.