Frankenthal
Bildhauer Erich Sauer feiert 90. Geburtstag
Was ebenfalls ausfallen muss, ist das angedachte festliche Konzert in der Lutherkirche. Wegen der aktuellen Corona-Situation soll es im Frühjahr nachgeholt werden. „Das kann ich derzeit einfach nicht verantworten“, erklärt Erich Sauer im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Gesundheitlich gehe es ihm gut, er habe schon beide Impfungen gegen Covid-19 bekommen. Seine Erfahrungen mit dem Landesimpfzentrum in der Andreas-Albert-Schule beurteilt der Künstler als ausgesprochen positiv.
Mit einigem Stolz erfüllt den bedeutenden Kulturbotschafter der Stadt, dass sich die von ihm ins Leben gerufene Sommerakademie – zunächst in der brandenburgischen Partnerstadt Strausberg und seit 2010 in Ascholding in Oberbayern – zu einem Erfolgsmodell entwickelt hat. „Die Teilnehmer sind allesamt Profis und liefern gute Arbeiten ab“, betont Sauer. Anlässlich des 20. Jubiläums des Kunstseminars erreichte ihn auch ein Glückwunschschreiben der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).
Filmbeitrag am Mittwoch
Mit einem weiteren Politiker, dem Landrat des Rhein-Neckar-Kreises, Stefan Dallinger (CDU), steht Erich Sauer als Mitglied des Kuratoriums der Kulturstiftung in regelmäßigem Kontakt. Auch wegen der Ausstellung von Kleinplastiken, die im kommenden Oktober im Kreisarchiv in Ladenburg anlässlich seines runden Geburtstags geplant ist. Gewürdigt wird der Künstler darüber hinaus in einem Filmbeitrag, den das SWR-Fernsehen am Mittwoch, 17. Februar, 18.45 Uhr, in der Landesschau sendet.
Sauer, der 2011 mit der Bürgerplakette der Stadt Frankenthal und ein Jahr später mit der Max-Slevogt-Medaille des Landes ausgezeichnet wurde, kann auf ein beeindruckendes künstlerisches Schaffen zurückblicken. 400 Bronzeskulpturen – zum Teil mehr als mannshoch – sind in annähernd 50 Jahren in seiner Werkstatt im Frankenthaler Nachtweideweg entstanden. Und welches ist seine Lieblingsplastik? „Ich habe mehrere“, antwortete er ausweichend.
Sauer-Werke in Jerusalem
Konkreter wird der Künstler, wenn es um Persönlichkeiten geht, die ihn besonders fasziniert haben. Er nennt Gabriel Bach, 1961 einer der Ankläger im Prozess gegen Adolf Eichmann, und Teddy Kollek, ehemaliger Bürgermeister von Jerusalem. Beide zeigten sich von den im Jahre 2000 im Zentrum für Moderne Kunst in Jerusalem präsentierten Sauer-Werken sehr beeindruckt. Eng verbunden fühlt sich der Künstler auch mit Frankenthals französischer Partnerstadt Colombes, die er im gleichen Jahr mit einer Ausstellung beehrte.
Blickt man auf Sauers bewegtes Leben, drängen sich sprichwörtliche Bezüge zur Bibel geradezu auf: Er hat ein gesegnetes Alter erreicht und ist ein unerschrocken gegen den Zeitgeist ankämpfender Mahner, der auch unbequeme Wahrheiten offen ausspricht. „Was ich zu sagen habe, werde ich machen – egal, ob ich Lob oder Tadel ernte“, hat er einmal formuliert. Geblieben ist bei Sauer die bittere Erfahrung, dass der Prophet im eigenen Land – genauer in seiner Heimatstadt – nur wenig zu gelten scheint.
Ort für Museum gesucht
Bis heute ist es nicht gelungen, die richtigen Räume zu finden, um ein künstlerisches Vermächtnis von unschätzbarem Wert einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für ein Erich-Sauer-Museum gab es in der Vergangenheit schon zahlreiche Optionen. Zuletzt hatte der Künstler repräsentative Objekte in Brandenburg und am Tegernsee im Blick und wollte eine Stiftung gründen. Aus unterschiedlichen Gründen sind diese Pläne geplatzt.
„Eigentlich will ich ja, dass meine Werke in der Nähe bleiben und nicht in fremde Hände gegeben werden“, sagt der Jubilar. Ob es ihm vergönnt ist, dass dieser durchaus nachvollziehbare Wunsch in Erfüllung geht?