Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Allee für Eppstein: Brüder pflanzen Bäume entlang der Landstraße

Seit 30 Jahren kümmern sich Ralf Bauer und sein Bruder Axel um den Grünstreifen, den sie von ihren Eltern und einer Tante geerbt
Seit 30 Jahren kümmern sich Ralf Bauer und sein Bruder Axel um den Grünstreifen, den sie von ihren Eltern und einer Tante geerbt haben.

Ginge es nach Ralf und Axel Bauer, würde eine Allee entlang der L524 in den Frankenthaler Vorort Eppstein führen. Den Anfang haben die beiden jedenfalls schon vor 30 Jahren gemacht. Eine Straßenseite säumen dank ihres Einsatzes auf einer Länge von 700 Metern Bäume und Blumen. Doch die Brüder denken größer.

Die beiden Männer haben den Grünstreifen an der Landstraße, Ortsausgang Eppstein in Richtung Maxdorf, von Eltern und Tante geerbt. Informatiker Ralf Bauer, Jahrgang 1961, arbeitet bei der Firma Roche im Qualitätswesen und bereitet sich gerade auf seine Altersteilzeit vor. Sein Bruder Axel, Jahrgang 1965, ist Schreiner. Seit den 1990er-Jahren haben sie das Grundstück mit Bäumen bepflanzt. Eschen zuerst, in fünf Metern Abstand. 30 von ihnen fielen einer Pilzerkrankung zum Opfer. Sie wurden nach und nach von robusteren Silberlinden ersetzt. Beim Bestellen der heute 65 Bäume hat das städtische Grünflächenamt geholfen. Bezahlt haben die Bauers den Stückpreis von rund 100 Euro aus eigener Tasche.

Für ihr Engagement wurden die beiden im vergangenen Jahr von der Stadt geehrt. Ginge es nach den Brüdern, dann sollte die Baumreihe irgendwann bis zum Ortseingang reichen. Die Vollendung der halben Allee sei ein reizvolles Projekt, gibt Ralf Bauer zu verstehen. Umsetzbar sei das aber nur mit Sponsoring und Baumpatenschaften. Dafür gelte es, über einen Zeitraum von 80 Jahren hinweg generationenübergreifend zu planen und zu handeln. „Pro Haushalt ein Baum“, das ist ihre Rechnung. Eppstein habe 1200 Haushalte, macht 1200 Bäume für den Vorort. Soweit die Theorie.

Autofahrer werfen Müll aus dem Fenster

Eingeholt werden Bauers grüne Visionen derweil von der Wegwerfmentalität so mancher Zeitgenossen, die nach dem Prinzip „Fenster auf und raus“ ihren Abfall aus dem Auto schmeißen. „Der Müll hat in Corona-Zeiten zugenommen, am schlimmsten sind die To-go-Verpackungen.“ Das macht Ralf und Axel Bauer wütend: „Leute, die ihr Zeug gedankenlos in die Natur werfen, haben keinen Schimmer von der Zeit, den Kosten und der Arbeit, die das Mähen, Pflegen und Müll wegräumen in Anspruch nimmt.“ So kämen alle paar Wochen zwei Eimer Sammelgut zustande. Doch auch die Erkenntnis um den Wert der Natur sei in der Pandemie gestiegen.

In dem Grünstreifen an der Landstraße steckt viel Arbeit. Im Sommerhalbjahr schwingt sich Ralf Bauer gerne auf seinen Aufsitzrasenmäher und kurvt für die Mahd des Rasenrodens alle paar Wochen jeweils drei Stunden im Halbschatten zwischen den Bäumen. Bei Hitze muss jeder Baum mit 150 bis 200 Litern alle sechs Wochen gewässert werden. Das Grundwasser liegt vor Ort zwei- bis dreieinhalb Meter tief. Die Landwirte haben Berieselungsverbot. Den Klimawandel erlebt Ralf Bauer seit Jahren hautnah: „Lange Trockenperioden im Sommer sind Stress für die Eschen, sie schalten auf Notversorgung und werfen Laub ab.“ Besonderes Augenmerk erforderten junge Bäume. „Die muss man drei bis fünf Jahre lang richtig päppeln.“

Traum von einer Allee an der Landstraße

Weithin sichtbar ist zurzeit eine in Gelb, Orange und Weiß leuchtende Schlangenrabatte aus 20.000 Narzissen, wühlmausresistente Sorten aus niederländischer Produktion, die die Bauers eigenhändig gepflanzt haben. Die Liebe zur Natur hat Ralf Bauer von einem Onkel geerbt. „Dem hätte unsere Aktion auch gefallen.“ Ob die Eppsteiner Halballee irgendwann mal auf der anderen Straßenseite weitergeführt wird? Vielleicht sogar mit einem sicheren Radweg Richtung Gewerbegebiet Am Römig? Für ihre Vision einer zweiseitigen Baumstraße wollen sich die Bauer-Brüder weiter ins Zeug legen.

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