Börrstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wer hat Recht? Streit um die Geschichte des Ortes bei Wikipedia

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Der Frankfurter Historiker Michael Hoenemann geht davon aus, dass Börrstadt im Jahr 2024 sein 1250. Jubiläum feiern sollte. Nicht erst 2141. Den Wikipedia-Eintrag des Ortes hat er eigenmächtig geändert, in Börrstadt aber steht noch längst kein Jubiläumssekt kalt.

Runde Geburtstage sind für die meisten Menschen ein freudiger Anlass, ein Grund zum Feiern. Da fährt der eine oder andere gerne mal richtig groß auf, schmeißt eine echte Sause. Die Planungen für die große Party können zumeist schon frühzeitig beginnen – von seinem 25., 50. oder 75. Geburtstag wird ja niemand überrascht. Nicht viel anders läuft es, wenn solche Jubiläen für Gemeinden anstehen, zumindest im Regelfall. Die vergangenen Wochen jedoch haben gezeigt: Ganz so einfach ist es im Falle von Orten und Städten anscheinend doch nicht immer, dann da kann die Geschichte womöglich mal eine Überraschung bereithalten.

Rüssingen und Kibo können vorbehaltlos feiern

Wer als Privatmann oder -frau seinen runden Geburtstag groß feiern möchte, kann sich im Zweifelsfall durch einen Blick in seinen Personalausweis davon überzeugen, für wann er denn Freunde und Verwandte einladen sollte. Das Geburtsjahr sollte in der Regel ohne Wenn und Aber feststehen. In welchem Jahr hingegen eine Gemeinde erstmals urkundlich erwähnt wurde, das rekonstruieren Historiker auf Grundlage jahrhundertealter Daten. Dennoch ist das Ergebnis in der Vielzahl der Fälle unstrittig. Und dann wird zu gegebenem Anlass gefeiert. So wie im laufenden Jahr in Rüssingen: Das 1250. Dorfjubiläum wurde mit jeder Menge Veranstaltungen und Aktionen begangen. Im kommenden Jahr ist dann die Stadt Kirchheimbolanden dran, die Planungen laufen auf Hochtouren. Noch ist nicht alles ganz spruchreif, doch ein offizieller Festakt im Frühjahr, ein Thementag im Schlossgarten und natürlich die dreitägige Arena von 23. bis 25. August – mit den Pop-Superstars Michael Schulte und Nico Santos, Klassik mit Stefan Wasser sowie einem Ehrenamtstag/Tag der Vereine – werden in jedem Fall zu den Höhepunkten zählen.

Noch nicht ganz so weit mit den Planungen für den 1250. ist man in Börrstadt. Denn obgleich der Frankfurter Historiker Michael Hoenemann davon überzeugt ist, Beweise dafür gefunden zu haben, dass dieses Jubiläum für den Ort bereits 2024 ansteht, halten die Börrstadter daran fest, dass sie noch ein wenig Zeit zum Planen haben: nämlich bis zum Jahr 2141. Das wäre folgerichtig – denn bislang ging man von einer Erstnennung im Jahr 891 aus, zuletzt wurde 1991 das 1100. Jubiläum gefeiert. Hoenemann hingegen, der sich seit mehr als 40 Jahren mit der Geschichte pfälzischer Orte beschäftigt, wie er unterstreicht, sieht den Ort 117 Jahre älter als bisher angenommen.

Auf Wiki findet sich nun das Jahr 774

Diese Theorie aber findet wenig Begeisterung bei jenen, die sich im und rund um Börrstadt bereits mit der nicht ganz einfachen Materie befasst haben, etwa beim Vorsitzenden des Dorffördervereins, Karl-Heinz Schmitz, oder bei Werner Rasche vom Jüdischen Museum in Winnweiler. Ein historischer Streit – keiner aus der Geschichte, sondern einer um eben jene – bahnt sich an. Hoenemann bleibt ehern bei seiner Ansicht.

Was bei den lokalen Chronisten vor allem für Verärgerung sorgt: Der Frankfurter Historiker hat – ohne Rücksprache mit den Börrstadtern, wie Schmitz kritisiert – bei der freien Internet-Enzyklopädie Wikipedia den Eintrag für Börrstadt bereits geändert. Dort finden sich bei den Ausführungen zur Geschichte des Ortes aktuell der Hinweis auf die von Hoenemann angeführte Ersterwähnung von 774 sowie der Vermerk, dass die bisherige Annahme – Ersterwähnung im Jahr 891 – „nicht als Grundlage für ein Ortsjubiläum dienen“ könne.

Wer sich am Ende durchsetzt, das lässt sich wohl schwerlich vorhersagen. Klar aber dürfte sein: Obgleich der Wikipedia-Eintrag noch nicht wieder zurückgeändert wurde, wird wohl in Börrstadt noch niemand den Sekt kaltgestellt haben. Und auch noch keinen Geburtstagskuchen mit einer großen „1250“ darauf in den Ofen geschoben haben. Denn falls alles so bleibt, wie es ist, dann wäre beides wohl ziemlich ungenießbar – im Jahr 2141.

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