Donnersbergkreis
Trainer Stephan Ruby blickt auf seine Erfolge mit der SG Kibo/Orbis und die aktuelle Krise
Kein Pausenlärm ist auf dem Campus der IGS Enkenbach-Alsenborn zu hören. Wo sich sonst an die 1000 Schüler zwischen zwei Unterrichtsstunden tummeln, herrscht Stille. Allein Stephan Ruby hält als Vertreter der Schulleitung in diesen Coronatagen die Stellung. Der 47-Jährige unterrichtet Sport und Religion. Zudem ist er Trainer der Fußballmannschaft der SG Enkenbach/Mehlingen und zählt seit Jahren zu den Besten seiner Zunft in unserer Region.
Als Trainer und Lehrer hat er natürlich auch die Folgen der weltweiten Corona-Pandemie zu spüren bekommen. „Für die Schule ist es eine Riesenherausforderung“, sagt der Pädagoge, der Vater zweier Töchter und eines Sohnes ist, und betont, dass dieses sich schnell und unsichtbar ausbreitende Virus ein gänzlich neues Phänomen sei und die Gesellschaft vor zuvor noch nicht gekannte Probleme stelle. Wie viel Spaß würde es den Schülern machen, an diesem sonnigen Frühlingstag mit Ruby auf der herrlichen Sportanlage der IGS zu trainieren. Aber die Schule ist geschlossen, und der Sportlehrer steht allein auf dem Kunstrasenteppich, hinter ihm das verwaiste Fußballtor.
Erinnerungen an die Zeit in Kirchheimbolanden
Keine Frage, Stephan Ruby vermisst seine Schüler, und es fehle ihm auch „der direkte Kontakt mit meinen Spielern“. Der brach ab, als an jenem „schwarzen Freitag“ im März, der auch noch ein 13. war, der komplette Spielbetrieb in den Ligen des Südwestdeutschen Fußballverbands zum Erliegen kam. Wegen der Corona-Gefahr wurden alle Partien abgesagt. Seitdem trainiert Ruby auch nicht mehr mit seiner Mannschaft, der SG Enkenbach/Mehlingen, die in der A-Klasse des Fußballkreises Kaiserslautern-Donnersberg nach 20 Spielen mit 34 Punkten auf dem fünften Tabellenplatz in die zwangsverordnete Saisonpause ging.
Er hoffe, sagt Ruby, „dass sich meine Spieler fit halten“. Vor seinem Engagement bei der Spielgemeinschaft, die sich nach dieser Saison auflösen wird – beide Vereine werden dann wieder getrennte Wege gehen – war Ruby bei zahlreichen anderen Klubs erfolgreich tätig. Gleich bei seinem Debüt als junger Spielertrainer gelang ihm ein Coup: Er führte den SV Morlautern von der Kreisliga in die A-Klasse. Insgesamt fünf Meisterschaften gewann er als Trainer.
Doch diese stolze Titelsammlung scheint ihm gar nicht so wichtig zu sein, in unserem Gespräch kommt er auf seine Zeit bei der SG Kirchheimbolanden zu sprechen, als er die in der Bezirksliga spielende Mannschaft in der Winterpause in aussichtsloser Lage übernahm und mit ihr dennoch am vorletzten Spieltag den Klassenverbleib schaffte. Meisterschaften kann er also gewinnen, aber auch Abstiegskämpfe erfolgreich bestreiten.
„Nach so einer Saison kann man nicht aufhören“
Stephan Ruby ist ein erfahrener Trainer und ein nachdenklicher obendrein. Selbstverständlich hat er sich auch Gedanken gemacht, wie es mit der unterbrochenen Saison 2019/20 weitergehen soll. Er sei „Fußballer durch und durch“, betont Ruby, bevor er seine Kritik in Richtung des Verbandes äußert. So hätten andere Sportverbände schon früh ihre Entscheidung in Sachen Saisonabbruch getroffen, nicht aber der Fußball, so Ruby, für den in dieser verfahrenen Situation der Abbruch und das Annullieren der Saison „die richtige Lösung“ wäre.
Zu welcher Entscheidung sich der Deutsche Fußball-Bund durchringen wird, weiß Stephan Ruby zwar nicht, aber eines weiß er ganz gewiss, nämlich dass er als Trainer weitermachen wird, „denn nach so einer Saison kann man nicht aufhören“.