Bolanden-Weierhof RHEINPFALZ Plus Artikel Temperamentvolle Musik aus der Mongolei

Voll besetztes Haus bei Sedaa, die Musik aus der Mongolei und Iran präsentierte.
Voll besetztes Haus bei Sedaa, die Musik aus der Mongolei und Iran präsentierte.

Ungewöhnliche Musik lockte viele Besucher ins Blaue Haus zum Kleinkunstverein „Neuer Landweg“ auf den Weierhof. Michael Werner-Scheid begrüßte die drei Musiker, die ihm mit ihren Klängen zum zweiten Mal ein volles Haus bescherten.

Seeda, das persische Wort für Stimme, ist Namensgeber der Musikgruppe. Die Musiker kommen mit Pferdekopfgeige, Hackbrett und Rahmentrommel und bieten Folklore und Weltmusik. Melancholisch, temperamentvoll, fast jazzig und voller Spielfreude entführten die drei Musiker aus dem Orient und der mongolischen Steppe in ihre musikalischen Herkunftsländer.

Seit seinem elften Lebensjahr lebt Omid Bahadoori, Jahrgang 1972, in Deutschland, musikalisch zu Hause ist er jedoch in der ganzen Welt. Mit seiner hohen Spielkunst an der Gitarre und der unterschiedlichsten Trommeln ergänzt er die Klänge der mongolischen Musiker Naraa Naranbaatar und Ganzorig Daavakhuu. Seit 15 Jahren bilden sie den Kern der Gruppe Seeda – Stimme.

Untertongesang

Der Name ist hier Programm, denn wie Omid erläutert, hat ihn der ungewöhnliche Kehlgesang und Untertongesang seiner mongolischen Musikerfreunde von Anfang an fasziniert, er selbst erlernte auch den Untertongesang. Bereits beim ersten Stück entführten die drei mit ihren melancholischen und rhythmischen Klängen in eine ganz andere Musikwelt.

In den 15 Jahren, die sie zusammenspielen haben sie mehrere Liedergenerationen gemeinsam entwickelt, so der persische Teil des Trios. Naraa Naranbaatar spielt die Pferdekopfgeige, die als mongolisches Nationalinstrument gilt, und die Bassgeige und ist Meister des Kehlgesangs Hömii. Die zwei Saiten der mongolischen Geige stehen den 120 Saiten des Yochin, des Hackbretts gegenüber, das Ganzorig Daavakhuu meisterhaft beherrscht. Oft hält er die Melodie, die im Wechsel mit der Bassgeige und unterbaut mit den Trommelklängen Omid Bahadoris Ungewohntes und Vertrautes kombiniert.

Klangbilder erzeugen Kopfkino

Sie spielen moderne Kompositionen, die nur aufgrund der alten Lieder, Instrumente und Gesangstechniken entstehen konnten. Jederzeit erzeugen die Klangbilder ein unbeschreibliches Kopfkino und entführen in die Weiten der mongolischen Steppe. Schmunzelnd und leicht ironisch werden da die inhaltlichen Elemente beschrieben, es geht halt fast immer um Pferde, junge, wilde, verliebte Pferde und auch einmal um ein Kamel.

Klar, die Mongolen gelten als Reitervolk, aber das Galoppieren und Bewegen durch endlose Weiten ist immer die gefühlte Basis zu den fantastischen Klängen der Instrumente vor Ort. Hackbrett, Schlagwerk, Bassgeige, Tempi-Wechsel und schnelle Läufe begeistern das Publikum gleich zu Beginn. Mal erinnert das Hackbrett an die russische Balalaika oder eine Bouzouki, mal begleitet die Gitarre als rhythmisches Instrument dien großen Bass, der die Melodie hält. Höchst ungewöhnlich, höchst spannend und begeisternd.

Das Hömii-Singen

Mit der Ballade „Coming Home“ kommt der Kehlgesang erstmals zum vollen Einsatz. Naraa Naranbaatar erläutert die alte Familientradition des Hömii-Singens, das in den Weiten der Mongolei unterschiedlich ausgeübt wird. Was er alles mit seiner Stimme anstellt, ist beeindruckend: Seine rauen, erdigen Töne, sind tiefgründig, sie erinnern mal an das Spiel mit der Maultrommel mal an das australische Didgeridoo, alle Klänge erzeugen aber die Stimmbänder des Sängers. Genau gesagt der Sänger, denn der Kehlgesang der beiden anderen Musiker ergänzt die ungewöhnliche Musik, die Naraa mit seiner Stimme erzeugt.

Das Publikum lässt sich tragen und geht mit, die Aufforderung mitzusingen wird nicht ganz so gut umgesetzt, dazu sind die fremden Silben doch zu ungewohnt. Doch das tut dem musikalischen Gesamterlebnis und der Freude, den Musikern beim Spielen zuzuhören keinen Abbruch. Ob die archaischen Klänge in eine andere Welt entrücken oder das Trommel-Solo einen Wirbelsturm, so der Titel des Stückes, entfacht, der Abend mit Sedaa, den ungewöhnlichen Stimmen, wird zum vollen Erfolg im Blauen Haus. Eine Zugabe rundet das musikalische Erlebnis ab, drei sympathische Vollblutmusiker haben die Weiten der Welt in die Nordpfalz gebracht.

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