Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Team gibt ukrainischen Flüchtlingen Hilfe zur Selbsthilfe

Helfen den Flüchtlingen in vielen Angelegenheiten weiter (von links): Natalija Klag, Svetlana Spiricheva und Viktoria Lorenz.
Helfen den Flüchtlingen in vielen Angelegenheiten weiter (von links): Natalija Klag, Svetlana Spiricheva und Viktoria Lorenz.

Hilfe zur Selbsthilfe – so lautet das Prinzip im Willkommenszentrum der „Donnersberger Integrationsinitiative“. Um Flüchtlingen zu helfen, engagieren sich die Ukrainerin Svetlana Spiricheva sowie die Dolmetscherinnen Natalija Klag und Viktoria Lorenz.

Svetlana Spiricheva ist selbst wegen des Kriegs aus der Ukraine geflüchtet. Ende Mai kam sie von Kiew nach Sembach zu Freunden. „Dort habe ich vier Monate in der Küche geschlafen“, berichtet die 21-Jährige. Inzwischen habe sie eine eigene Wohnung in Winnweiler. Ihr Vater und ihre Mutter sind noch in der Ukraine und dort beim Militär beschäftigt.

Im Willkommenszentrum in Rockenhausen hilft die Ukrainerin nun, wo sie nur kann. Spiricheva studierte Jura an der Universität in Kiew. Deswegen konnte sie sich gut in die deutschen Verwaltungsvorgänge einarbeiten. Vor allem bei Behördengängen, bei dem Eröffnen eines Bankkontos und bei einem Handy-Vertragsabschluss unterstützt sie ihre geflüchteten Landsleute. Im Willkommenszentrum in Rockenhausen habe sie für sich selbst eine Krankenversicherung abgeschlossen und danach anderen Flüchtlingen geholfen, dies ebenfalls zu tun. Außerdem hilft Spiricheva, Kontakte zu knüpfen und hat zum Beispiel gemeinsam mit Rudolf Schweikart eine Whatsapp-Gruppe eingerichtet, in der sich mittlerweile 80 Mitglieder – überwiegend Frauen – austauschen.

Auch Hilfe von Einheimischen

Ins Willkommenszentrum kommen rund 20 Personen pro Tag. In den Ferien sei es ein wenig ruhiger, da die Busverbindungen schlechter seien. Hilfesuchende kommen aus dem ganzen Umkreis. Viele arbeiten schon in Deutschland, zum Beispiel als Autoschlosser oder als Bedienung in einem Café. „Wir wollen arbeiten. Die Arbeit bekommen wir dort, wo die Sprache nicht so wichtig ist“, meint Spiricheva.

Die in Weißrussland geborene Natalija Klag meldete sich im März als Übersetzerin, um den ukrainischen Flüchtlingen, die im Aufnahmelager in Steinbach eintrafen, zu helfen. Klag wohnt mit ihrem Mann seit 26 Jahren in Rockenhausen. „Ich bin froh, das ich helfen kann“, meint sie. „Ich bin gegen die russische Diktatur“, sagt sie deutlich. „Viele Menschen aus Russland sagen nichts, aus Angst ins Gefängnis zu kommen.“ Seit Mai hilft sie im Willkommenszentrum in Rockenhausen. Klag übersetzt zum Beispiel bei Arztterminen und bei Behördengängen. „Neben der Selbsthilfe bekommen wir auch viel Hilfe von Einheimischen“, erklärt Klag. „Dafür sind wir sehr dankbar.“

Fahrräder und Wohnungen weiter gesucht

Die Ukrainerin Victoria Lorenz ist 2010 mit ihrem Mann nach Rockenhausen gezogen. Auch sie übersetzt seit März im Willkommenszentrum. „Meine Eltern sind noch in der Ukraine“, erzählt die 38-Jährige. Dort sei bisher noch alles ruhig. Lorenz hilft bei Bankgängen oder bei der Anmeldung auf der Verbandsgemeindeverwaltung, im Allgemeinen mit Papierangelegenheiten und bei allem, was anfällt.

Um die Flüchtlinge weiter zu integrieren, seien für die Zukunft Freizeiten geplant, wie zum Beispiel die Besichtigung der Falkensteiner Burg. „Wir interessieren uns für die Kultur“, sagt Lorenz. Auch deutsche Sprachkurse sind weiterhin geplant. Auf Spenden sind die Flüchtlinge nach wie vor angewiesen. Momentan würden Fahrräder, hauptsächlich für Frauen und Kinder, sowie Wohnungen händeringend gesucht. „Vor allem Mütter mit ihren Kindern warten auf eine Wohnung“, sagt Lorenz.

Offen für Sorgen und Nöte

„Das Prinzip der Donnersberger Integrationsinitiative, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, ist mit der Übergabe an das neue Team voll aufgegangen“, erklärt Vorsitzende Erika Steinert. „Wir wollen den Vertriebenen eine Anlaufstelle bieten, die nicht nur offen für ihre Sorgen und Nöte ist, sie sollen auch Ansprechpartnerinnen in ihrer Muttersprache treffen.“

Das Willkommenszentrum wurde von Rudolf Schweikart für aus der Ukraine geflüchtete Menschen gegründet und am 21. März eröffnet. Im Willkommenszentrum, das von der „Aktion Mensch“ gefördert wird, wird gespielt, gelesen und über Probleme geredet.

Info

  • Das Team zur Selbsthilfe ist Montag, Dienstag und Mittwoch von 9 Uhr bis 12 Uhr im Willkommenszentrum im Haus der Familie, Bezirksamtsstraße 1, in Rockenhausen.
  • Wer sich als Helfer engagieren, ein Fahrrad spenden möchte oder eine Wohnung vermieten kann, kann sich melden: per E-Mail an nachbarschaftshilfe.rock@gmail.com oder telefonisch unter 01522 6717933 (auch per WhatsApp).

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