Donnersbergkreis Nach doppeltem Unglück läuft alles Hand in Hand

Wasser marsch: Der Brand im Altreifenlager wird bekämpft.
Wasser marsch: Der Brand im Altreifenlager wird bekämpft.

Knapp 250 Fachkräfte und über 70 Fahrzeuge waren bei einer Großübung der Katastrophenschutz-Einheiten des Donnersbergkreises am Samstag auf dem Göllheimer Dyckerhoff-Gelände im Einsatz. Ihre Aufgabe: einen Brand im Reifenlager zu löschen und einen Unfall mit Schadstoffen zu managen. Die Landkreise Kaiserslautern, Kusel und Bad Dürkheim unterstützten die Kräfte, ebenso die Werksfeuerwehr der Firma Evonik aus Worms.

Mindestens fünf Monate habe die Planung der Großübung in Anspruch genommen, erläuterte Tanja Gaß von der Kreisverwaltung. Das Besondere am Katastrophen-Szenario des 26. August sei, dass sich gleich zwei Schadensfälle auf dem Firmengelände ereignen. Eine Ex-tremsituation, in der die interne Werksfeuerwehr und die Göllheimer Floriansjünger auf Hilfe aus dem Donnersbergkreis und umliegenden Kreisen angewiesen sind. 8.40 Uhr: Das Gelände der Dyckerhoff GmbH liegt noch im dichten Nebel. Die Firma stellt Zement und Transportbeton her, im Göllheimer Werk mit 140 Mitarbeitern werden jährlich 850.000 Tonnen Grauzementklinker produziert. Dafür werden Sekundärbrennstoffe wie Altreifen benötigt. Die Großübung der Katastrophenschutz-Einheiten hat vor Ort also die Möglichkeit, unter optimalen Übungsbedingungen den Brand eines Reifenlagers zu simulieren. Die realen Vorlagen lieferten Brände in Ransbach-Baumbach oder Rodenbach im Landkreis Kaiserslautern vor einigen Jahren. Christian Rossel, Leiter des Brand- und Katastrophenschutzes im Donnersbergkreis, erklärt: „Ziel dieser Übung ist es, den Ernstfall zu proben.“ Und auch in diesem Ernstfall kämen Einsatzkräfte aus dem gesamten Landkreis zusammen, die zusätzlich durch Externe unterstützt würden. Die Übung solle deren Zusammenwirken dienen, denn viele Einsatzkräfte kennen einander nicht. 9 Uhr: Auf dem Werksparkplatz stehen private Fahrzeuge, der Betrieb des Unternehmens läuft weiter. Einige Kamerateams entladen Mikrofone und Stative aus den Kofferräumen, dann machen sie sich auf den Weg zur Verwaltung. Auf dem Vorplatz sind zwei weiße Zelte aufgebaut. In einem liefert ein Fernseher Bilder eines vorangegangenen Einsatzes, im anderen liegen neongelbe Warnwesten, weiße Schutzhelme und große Sicherheitsbrillen bereit. Nach und nach finden sich immer mehr Pressefotografen und Interessierte ein. 9.15 Uhr: Zeitungs- und Fernsehleute werden aufs Firmengelände geführt. Gleich am Eingang kann man in roten Lettern lesen: „1025 Tage unfallfrei“. Na, zum Glück ist ja auch das heutige Katastrophen-Szenario nur gespielt. Es geht vorbei an der Zentralwarte und einer großen Halle. Die Maschinen dröhnen und strahlen starke Hitze aus. Wenige Meter weiter ist das Reifenlager zu sehen. Die Nebelmaschinen werden in Betrieb genommen. Zunächst ist der Rauch weiß, dann kommt schwarzer Qualm hinzu. Bei einem Reifenbrand ist nicht nur die Energie des Feuers besonders tückisch, auch die Zusatzstoffe können die Einsatzkräfte bedrohen. Große, dunkle Rauchsäulen steigen gen Himmel. 9.25 Uhr: Der vermeintliche Brand wird bemerkt. Eine Sirene alarmiert die firmeninterne Werksfeuerwehr. Nach kurzer Zeit ist sie am Einsatzort und beginnt mit den Löscharbeiten. Um die Umwelt nicht zu gefährden, wird mit Wasser statt Schaum gelöscht. Schnell steht fest, dass der großräumige Brand nicht von der Werksfeuerwehr unter Kontrolle gebracht werden kann. Einsatzkräfte der Feuerwehr Göllheim rücken mit mehreren Fahrzeugen und Schutzmasken an. 10.20 Uhr: Während weitere Einheiten den Brand bekämpfen, passiert nur wenige Meter weiter entfernt ein Unfall: Ein Gabelstaplerfahrer rammt einen Behälter mit giftigen Gefahrstoffen und verletzt sich dabei. 10.30 Uhr: Die Werksicherheit informiert den Werkleiter. Die Gefahrstoffhilfe aus dem Zellertal trifft an der Unfallstelle ein. Zunächst wird die verunglückte Person aus dem Lager mit den Gefahrgütern geborgen. Sanitäter des Roten Kreuzes beginnen sofort mit der Behandlung des Verletzten. Erst als der Mann stabil ist, wird er auf einer Bahre des Krankenwagens befestigt. 11 Uhr: Die Dekontaminationseinheit aus Eisenberg baut eine entsprechende Schleuse auf. Die Einsatzkräfte der Landkreise arbeiten Hand in Hand, um Herr über die Gefahrenlage zu werden. Ein eigenes Team sitzt parallel an einer Pressemitteilung. Im Warnsystem „Katwarn“, das im Donnersbergkreis Informationen an Mobiltelefone weiterleitet, liegen noch keine Warnungen für den Raum Göllheim vor. „Katwarn benötigt immer eine gewisse Anlaufzeit, bis Informationen versendet werden können. Nur ein limitierter Personenkreis kann diese Warnungen herausgeben“, schildert Kreisfeuerwehrinspekteur Christian Rossel. 13 Uhr: Der mehrstündige Einsatz des Brand- und Katastrophenschutzes wird erfolgreich beendet. Die Löschwasserversorgung wurde in den vier Stunden über längere Wegstrecken sichergestellt, zudem das werkseigene Hydrantennetz mit Löschmittelvorrat getestet. Der vermeintliche Brand ist unter Kontrolle gebracht, die Gefahrstoffe sind beseitigt. Die Helfer haben routiniert zusammengearbeitet, am Abend werden sie auch noch mal in „SWR Aktuell“ gewürdigt. „Jede kleine Aufgabe ist wichtig. Jeder hat seinen Platz“, sagt Tanja Gaß. Für die Kreisverwaltung sei es besonders wichtig, solche Großeinsätze einmal im Jahr zu proben, um auf einen Ernstfall vorbereitet zu sein. Die nächste Katastrophenschutz-Übung ist bereits in Planung.

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