Donnersbergkreis Kunst auf Zeit für eigene Wände

Der Name „Kunstförderverein Donnersbergkreis“ ist Geschichte, seit kurzem stellt der neue Name „Kunstverein Donnersbergkreis“ laut dem Vorsitzenden Uli Lamp mit mehr Selbstbewusstsein heraus, wie man den Verein aufgestellt sehen will. Mit dem neuen Namen ist eine neue Homepage verbunden, die dieses Selbstverständnis mit einem besonderen Angebot unterstreicht: einer Artothek, einer virtuellen Ausstellung, über die Kunstwerke entliehen werden können.

Die Idee habe Root Leeb aufgebracht, wie Uli Lamp anmerkt, die technische Umsetzung wiederum lag bei Reinhard Geller, der nicht nur für die eigene künstlerische Arbeit bestens mit Computern umzugehen versteht und die Pflege der Homepage übernommen hat. Absicht sei, für Menschen, die sich selbst nicht oder noch nicht mit Kunst umgeben, die Schwelle dafür niedrig zu legen, so Lamp. In der Artothek werden Künstler des Kunstvereins in einem Porträt vorgestellt in Verbindung mit Werken von ihrer Hand, die über die Artothek-Seite entliehen werden können. Für eine eher symbolische Summe können sich so Interessierte Gemälde, Grafiken oder Plastiken ins Haus holen. Nutzen können das Privatleute ebenso wie Unternehmen oder Verwaltungen. Von den 29 Künstlern, die dem Verein angehören, haben etwa die Hälfte bereits Werke eingestellt, die man sich auf der Internetseite des Donnersberger Kunstvereins anschauen kann. Acht dieser Künstler bieten bislang die Ausleihe an. Geregelt wird sie in einem Vertrag, der neben dem Entgelt von 30 Euro für eine dreimonatige Ausleihe auch Termine für Übergabe und Rückgabe vorsieht, die dann über den betreffenden Künstler laufen. Der persönliche Kontakt kann sich auf diesem Wege weiterentwickeln, vielleicht zu einem Atelierbesuch führen oder dazu, dass jemand auch mal etwas kauft, hofft Geller. Vom Medium Internet versprechen sich die Macher des Kunstvereins zudem einen Zugang zu jüngeren Leuten. Im kommenden Jahr soll es eine Ausstellung geben, in der Bilder aus der Artothek präsentiert werden. Über die Artothek hinaus informiert die Homepage über das jährliche Kunststipendium und die Stipendiaten seit 1988. Vorgestellt werden zudem die noch erhältlichen Jahresgaben früherer Jahre und die aktuelle Jahresgabe für 2014, die der Verein den Mitgliedern anbietet. Diesmal ist es eine handkolorierte Radierung des Attenkirchener Künstlers Norbert Härtl, der 2013 als Stipendiat des Vereins drei Monate lang in Obermoschel gearbeitet hat. Das in einer 30er Auflage vorliegende Blatt trägt den Titel „Mercurius“, der zum einen den römischen Götterboten Merkur, zum anderen in der Alchimistensprache das Quecksilber meint, das in der Region in früheren Jahrhunderten vielerorts abgebaut wurde, auch in Obermoschel in Gestalt des roten Zinnobers, des Quecksilbersulfids. Härtls Blatt lässt Mercurius ruhen unter dem Hügelgrab einer Zinnober-Abraumhalde, die ein wenig an die Donnersbergsilhouette erinnert. Die Dokumentation der Abschlussausstellung der Stipendiatin dieses Jahres, Anja Hantelmann, ist in Arbeit, die Fotos der auf die Wände des früheren Finanzamtes gezeichneten und gemalten Bilder lägen vor, so Lamp. Rainer Schlundt wolle für die kleine Edition, die daraus werden könne, noch einige Texte schreiben. Die Frage, wer kommendes Jahr als Stipendiat nach Obermoschel kommen wird, ist bereits geklärt. Die Wahl fiel laut Uli Lamp auf die Aachener Künstlerin Brigitte Jacoby, von der im Internet eine Reihe von Arbeiten zu sehen ist, die sich mit dem Thema Zeitung auseinandersetzen. Ganze Zeitungsseiten sind dort groß übermalt mit ausdrucksstarken Porträts von Gesichtern, die auf den Zeitungsbildern klein zu sehen sind. Die Literatur- und Musikstipendien ruhen indes. Die Probleme, geeignete Kandidaten zu finden, sind laut Lamp für den Kunstverein beträchtlich, zumal bei Musikern, deren Alltag mit ihren Engagements oder Unterrichtsverpflichtungen es kaum zulässt, für drei Monate an einen festen Ort gebunden zu sein. Bei Autoren funktioniere das eher, hier hoffen die Künstler längerfristig auf Unterstützung durch den noch jungen Donnersberger Literaturverein. Für 2015 ist ansonsten neben einer weiteren Ausstellung mit Arbeiten der Vereinsmitglieder angedacht, auch wieder an Performance-Arbeiten der 90er Jahre wie etwa die Hildegard-Oper im Klinkersilo des Dyckerhoff-Zementwerkes oder die „Schöpfung“ in der Göllheimer Kirche anzuknüpfen. Dazu wird sich ein Arbeitskreis demnächst treffen, um das Nähere zu klären. Die Bitte des Hospizvereins, auf ihn mit Blick auf dessen zehnjähriges Bestehen Bezug zu nehmen, will der Verein voraussichtlich mit einem Workshop mit Mitmach-Charakter aufgreifen, so Lamp. Weitergehen werde das Kunst-Café, das sich in den sieben Jahren seines Bestehens zum Dauerbrenner entwickelt habe. Atelierbesuche sollen zu Detlof von Borries (Niefernheim) und Wolfgang Seipenbusch (Winnweiler) führen. Auch das jährliche Künstlerfest wird nächstes Jahr nicht fehlen, als Schauplatz ist an ein größeres Weingut gedacht.

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