Rockenhausen
Klima retten ja – aber wie?
In ihrer Vision waren sich Micha Frey, Maurice Conrad, Marcel Divivier-Schulz und Margit Conrad einig: Mittelfristig muss Deutschland, muss aber auch die Welt deutlich mehr für den Klimaschutz tun, um gravierende Auswirkungen des Klimawandels möglichst einzudämmen oder zu verlangsamen. So einig man sich beim „Was“ aber war, so unterschiedlich waren die Gedanken im Hinblick auf das „Wie“, das „Wo“ und auch das „Wann“. Im Rahmen der Podiumsdiskussion „Beim Klimaschutz radikal umsteuern – oder fahren wir Deutschland an die Wand?“ diskutierte das Quartett fleißig. Das Interesse der rund 100 Gäste in Rockenhausen galt letztlich aber vor allem den anwesenden Aktivisten.
Unterschiede werden sichtbar
Dass im Roten Saal nicht über die grundsätzliche Frage, ob Klimaschutz notwendig ist, diskutiert werden musste, wurde schon während der Vorstellungsrunde deutlich. Divivier-Schulz sprach als Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes, davon, dass eine „Investitionszufuhr in den ÖPNV“ dringend notwendig sei und man beim Thema Klimaschutz „unbedingt die Gesellschaft mitnehmen müsse“, um erfolgreich zu sein. Margit Conrad, ehemalige rheinland-pfälzische Umweltministerin, stellte sich sogleich als Klimaschützerin der ersten Stunde vor, die schon seit mehr als drei Jahrzehnten für dieses Thema brenne. Frey, als Vertreter der „Letzten Generation“, und Maurice Conrad, der seit ein paar Jahren mit „Fridays for Future“ auf die Straße geht, zählen dann eher zu den Klima-Aktivisten jüngeren Datums. Keine Frage: Grundsätzlich einig waren sich also alle. Je länger die Veranstaltung ging, desto deutlicher wurden aber auch die Unterschiede.
„Schimpfen kann nicht die Antwort sein“
Margit Conrad wurde beispielsweise nicht müde zu betonen, dass Klimaschutz grundsätzlich regionaler gedacht werden müsse. „Der Bund kann nur den Rahmen vorgeben. Die wichtigen Entscheidungen werden vor Ort getroffen, in den Kommunen“, sagte sie mehrfach – und versuchte damit ihren jungen Gesprächspartnern zu verdeutlichen, dass ein Schimpfen auf das vermeintliche Versagen der Regierung nicht die einzige Antwort sein könne.
Zweifellos müsse man die Vorgänge aber irgendwie beschleunigen, auch hier war sich das Quartett einig. Blieb die Frage nach dem „Wie“. „Wir leben ja zum Glück in einer Demokratie. Die lebt aber eben auch von Kompromissen“, erklärte Margit Conrad. „Und so etwas benötigt oftmals Zeit.“ Zuviel Zeit, wie sie selbst auch zugeben musste.
Hoffnung auf Ruck durch die Gesellschaft
Für Micha Frey ist es jedoch zu spät, noch Zeit zu verlieren. Er forderte: „Die Politik muss endlich ehrlich sein und zugegeben, dass das 1,5-Grad-Ziel tot ist. Und auch klar formulieren, welche gravierenden Konsequenzen das hat.“ Von dieser „Ehrlichkeit“ erhofft er sich einen Ruck, der durch die Gesellschaft gehen – und so zu mehr Sensibilität in Sachen Klimaschutz führen könnte. Ein Irrglaube, fand hingegen Margit Conrad. Doch was dann? Marcel Divivier-Schulz schlug Beschleunigungsverfahren vor, um Maßnahmen schneller umsetzen zu können.
Je länger die Diskussion dauerte, desto länger wurden die Wortbeiträge – und wiederholten sich leider auch inhaltlich. Ein Punkt, an dem die Moderation der Jusos Donnersbergkreis durchaus hätte öfter eingreifen und regulieren dürfen. So regte sich zum Ende schon ein wenig Unruhe unter den Zuhörern. In der abschließenden Fragerunde wurde dann aber auch deutlich, dass ein Großteil wohl vor allem gekommen war, um mit den Klima-Aktivisten zu diskutieren. So waren es fast ausschließlich Maurice Conrad und Micha Frey, die auf die zahlreichen Fragen aus dem Plenum eingehen durften – oder mussten. Und schon die Einstiegsfrage machte deutlich, wie weit die Schere dabei auseinandergehen würde. Hier griff der Moderator aber ein und erklärte, dass diese Podiumsdiskussion nicht der Ort sei, um über die Tatsache des Klimawandels als solchen zu diskutieren. Ähnliche Beiträge letztlich aber auch immer wieder die Möglichkeit, tiefergehend über Möglichkeiten des Klimaschutzes zu diskutieren.
Ende ohne Konsens
Thema war indes auch die Frage, ob oder inwieweit die Protestformen der „Letzten Generation“, die vor allem durch Straßenblockaden und andere Formen zivilen Ungehorsams auffällt, zielführend sein können. Auch hier erntete Micha Frey als Vertreter der Gruppierung von seinen Podiumskollegen vor allem Zuspruch.
In der Diskussion mit dem Publikum wurde allerdings abermals deutlich, wie gespalten die Meinung dazu ist. Auf Vorschläge wie den, dass die jungen Leute doch lieber anpacken und beispielsweise beim Ausbau erneuerbarer Energien mithelfen sollten, anstatt sich irgendwo festzukleben, reagierte Frey mit deutlichen Worten. „Dann haben Sie unseren Protest und unsere Aussagen wohl noch nicht richtig verstanden“, sagte er. Nachdem ohnehin bereits viele Zuhörer den Saal verlassen hatten, endete die Veranstaltung schließlich ohne großen Konsens, ein wenig zerfahren. Ansätze zum Nachdenken und Weiterdiskutieren bot sie dennoch.