Donnersbergkreis
Kleiderordnung an Schule sorgt für Diskussionen
Auf der Internetseite der Integrierten Gesamtschule (IGS) prangt eine nette Comiczeichnung mit Erklärungen, was nun in der Schule getragen werden darf und was nicht. Erlaubt sind laut dieser keine Kopfbedeckungen, keine Jogginghosen, der Ausschnitt der Oberteile soll auch den Ansatz verbergen, der Bauch sollte bedeckt sein genauso wie die Oberschenkel und das Gesäß. Wenig diskussionswürdig: Auf den Oberteilen sind Texte, Bilder und Symbole verboten, die Sexismus, Rassismus oder Gewalt verherrlichen. Gegen Ende des abgelaufenen Schuljahrs, wenige Wochen vor Beginn der Sommerferien, hat die Schule diese Vorgaben veröffentlicht.
Schüler nicht begeistert
In der Elternschaft gehen die Meinungen zu dieser doch sehr konkreten Kleiderordnung heftig auseinander. Manche könnten auch mit einer Schuluniform nach englischem Vorbild gut leben, andere empfinden die Vorgaben als enormen Eingriff in ihre Erziehung. Zeitlos ist Mode ohnehin nicht: Löste bei den Lehrern der 1970er Jahre noch die Jeans großen Ärger aus, so schafft das ein halbes Jahrhundert später die Jogginghose. Jeans hingegen sind heute absolut gesellschafts- und damit auch schultauglich.
Was bringt es also, wenn eine Schulgemeinschaft beschließt, eine solche verpflichtende Kleiderordnung vorzugeben? Dirk Melzer, Schulleiter der Integrierten Gesamtschule Rockenhausen, ließ sich auf mehrfache telefonische, schriftliche wie persönliche Anfrage nicht auf ein Gespräch mit der RHEINPFALZ ein. Er wolle dazu keine Stellungnahme abgeben, sagt Melzer. Die Schüler der Oberstufe aber schon. „Die meisten in der Oberstufe halten diese Kleiderordnung für totalen Quatsch“, berichtet eine Schülerin. „Wir sitzen in den oberen Klassenräumen bei dieser Hitze und dürfen nicht einmal kurze Hosen tragen.“
„Preußischer Beigeschmack“
Am Nordpfalz-Gymnasium in Kirchheimbolanden hat Schulleiter Thilo Franke noch nicht zu solchen Maßnahmen greifen müssen. „Wenn die Schulgemeinschaft der IGS dies entschieden hat, dann wird sie auch berechtigte Gründe haben“, mutmaßt er.
Harald Scheve, Leiter der Realschule Plus in Rockenhausen, weiß um die Schwierigkeiten, sich als Schule in dieser Form zu positionieren. „Eine Schuluniform, wie sie sich manche Eltern wünschen, hat ihre Tradition in England. In Deutschland hat das doch eher einen preußischen Beigeschmack“, sagt Scheve.
Er glaubt außerdem, dass eine Kleiderordnung das eigentliche Problem verlagert. „Dann werden die Handys ein Problem oder die Schulranzen – und die Eltern, die zuvor ihre Kinder bei der Kleiderwahl nicht besser beraten konnten, können es dann bei anderen Gegenständen ebenfalls nicht.“ Außerdem sind es nicht immer nur Schüler oder Schülerinnen, die auffallen, wie Scheve zu berichten weiß: „Eine Kollegin habe ich auch schon auf unpassende Kleidung hinweisen müssen.“
Knigge-Unterricht als Lösung?
Auch Schulleiter Jörg Oeynhausen empfände eine fixe, verpflichtende Kleiderordnung für seine Georg-von-Neumayer-Schule in Kirchheimbolanden als problematisch. „Solche Regelungen müsste ich auch überprüfen und das Metermaß herausholen“, sagt Oeynhausen. Die Neumayer-Schule sei einen anderen Weg gegangen und biete den Schülern und Schülerinnen der achten Klasse einen Knigge-Kurs an.
Seit 2008 arbeitet die Schule mit der Berufs- und Persönlichkeitsberatung Kiwi (Keiner ist wie ich) zusammen und erhält nicht nur von den Eltern positive Rückmeldungen, sondern auch von den Firmen, die Schüler als Praktikanten oder ehemalige Schüler als Auszubildende aufnehmen. „Bereits in der fünften Klasse beginnen wir mit Benimmregeln beim Essen und im sozialen Miteinander“, erläutert Sophia Herrmann, die pädagogische Koordinatorin. Im vierseitigen Handout, das die Schüler im Unterricht bekommen, steht unter dem Punkt „Mein Äußeres“, dass man neben der Körpersprache auch auf angemessene Kleidung achten solle. „Die Schüler und Schülerinnen sind von dem Unterricht begeistert und nehmen alles sehr gut an“, versichert Herrmann.