Bisterschied RHEINPFALZ Plus Artikel Fragen und Antworten zur Kita: Lösung für akutes Platz-Problem

In der Gaststätte des Bürgerhauses werden künftig die Kinder unter drei Jahren betreut. Langfristig ist jedoch der Neubau einer
In der Gaststätte des Bürgerhauses werden künftig die Kinder unter drei Jahren betreut. Langfristig ist jedoch der Neubau einer Kita unumgänglich.

Am Kita-Glückskinder-Standort Bisterschied gibt es in doppelter Hinsicht Handlungsbedarf: Kurzfristig wird mehr Platz benötigt, auf lange Sicht erfüllt die Alte Schule nicht moderne Betreuungsanforderungen. Zumindest das akute Problem ist gelöst – dafür hat sich ein örtlicher Verein im doppelten Wortsinn bewegen müssen.

Wo ist die Bisterschieder Kita, wie viele Kinder aus welchen Orten werden hier betreut?
Die Kita ist derzeit in der Alten Schule untergebracht. Das denkmalgeschützte Gebäude liegt in der Kirchstraße, hier werden derzeit auf drei Etagen verteilt 46 Kinder aus Bisterschied, Waldgrehweiler, Dörrmoschel, Teschenmoschel, Finkenbach-Gersweiler, Schönborn, Felsberger-, Spreiter- und Kreuzhof betreut. Der Standort gehört zum 2017 gegründeten Bündnis Nordpfälzer Glückskinder, dem zunächst fünf, heute sieben Kitas in Trägerschaft der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land angehören.

Warum besteht Handlungsbedarf?
Die Kita platzt aus allen Nähten. Hohe Zuwachsraten an jungen Familien im Einzugsgebiet haben dazu geführt, dass die ursprünglich für 40 Kinder erteilte Betriebserlaubnis vom Landesjugendamt (LJA) als Aufsichtsbehörde befristet bis 31. Juli auf 46 Plätze angehoben wurde; mangels freier Plätze sind einige Kinder vorübergehend sogar am Nachbarstandort Seelen betreut worden. Gerade mit Blick auf das neue Kita-Gesetz muss die Verbandsgemeinde schleunigst einen dritten Gruppenraum schaffen – nur so kann der Rechtsanspruch aller Eltern auf einen Kita-Platz erfüllt werden.

Der aktuelle Platzmangel ist das Eine – mittel- bis langfristig bestehen aber weitere Probleme. Welche?
Claudia Manz-Knoll, Pädagogische Gesamtleitung der Kita Glückskinder, bringt die Schwierigkeiten auf den Punkt: „Die Alte Schule ist ein schönes Gebäude mit viel Flair und Ambiente, aber unter den heutigen Herausforderungen für Arbeitsprozesse in einer Kita nicht zuletzt wegen der drei Stockwerke ungeeignet.“ Dazu zählen jeden Mittag der Umbau eines Gruppenraum-Abschnitts zur Schlafzone, weil kein separater Raum vorhanden ist, sowie das Treppensteigen mit den Kleinen an der Hand oder auf dem Arm – zum Turnen oben unterm Dach oder zum Mittagessen, das mangels Platz in mindestens zwei Schichten im Kellergewölbe eingenommen wird.

Doch auch für die Größeren bilden die vielen Stufen ein schwer zu überwindendes Hindernis – die Situation stelle hohe Anforderungen an die Aufsichtspflicht, so Manz-Knoll. Weitere Mängel sind der nicht barrierefreie Zugang zum Gebäude, der für die Kleinen wegen der hohen Fensterbrüstungen versperrte Blick nach außen sowie der von Kindern und Personal gemeinsam genutzte Sanitärbereich. Hinzu kommt, dass eine Sanierung wegen des Denkmalschutzes schwierig wäre. Nicht zuletzt sorgt eine unzureichende Wärmedämmung für relativ hohe Energiekosten, obwohl erst vor zwei Jahren eine neue Heizung installiert wurde. Aufgrund der Defizite hat das LJA die Betriebserlaubnis nur befristet und unter der Auflage erteilt, dass die VG in eine Erweiterung investiert.

Ist auf die Schnelle Abhilfe möglich?
Jein. Auf lange Sicht ist eine bauliche Neuausrichtung unumgänglich. Für den akuten Platzbedarf konnte jedoch eine provisorische Lösung gefunden werden: Ebenfalls in der Kirchstraße, nur etwa 50 Meter von der Kita entfernt, liegt das Bisterschieder Bürgerhaus. Es besteht aus einer nur noch vom örtlichen Turnverein (TVB) zwecks geselligem Beisammensein genutzten Gaststätte sowie einer Mehrzweckhalle, die durch ein Foyer miteinander verbunden sind. In dieses Gebäude werden die – derzeit rund 15 – Kinder unter drei Jahren umgesiedelt und bis auf Weiteres betreut.

Zuvor waren jedoch etliche Gespräche erforderlich, wie VG-Bürgermeister Michael Cullmann im Gespräch mit der RHEINPFALZ erläutert. Grund: Der TVB hatte den Komplex einst gebaut und dann der Ortsgemeinde kostenlos überlassen. Allerdings besitze der Verein ein Nutzungsrecht und habe sich zunächst mit dem Gedanken etwas schwer getan, auf einen Teil der Räume zu verzichten. Zumal die ursprüngliche Idee, in einer Ecke der Halle einen Kita-Bereich einzurichten, wegen nicht erfüllter Standards am Veto des LJA scheiterte. Inzwischen haben die Verantwortlichen aber dem Vorschlag zugestimmt, dass aus der bisherigen Gaststätte im Untergeschoss Kita-Räume werden. Der Turnverein – der für seine sportlichen Angebote weiterhin die Halle nutzt – zieht mit seinen Sozialräumen in die obere Etage um. „Wir sind sehr dankbar, dass der Verein dies zum Wohle der Kinder ermöglicht“, so Cullmann.

Ist das Bürgerhaus eine Notlösung?
Nein. Manz-Knoll betont, die Räume seien sogar „prädestiniert für Kleinkind-Pädagogik“. Dazu zählen der barrierefreie Zugang, Toiletten samt Wickelstation direkt neben der Gaststätte, ein separater Raum, der für den Mittagsschlaf der Kinder genutzt werden kann, eine top ausgestattete Industrieküche sowie ein geräumiges Foyer, das Platz für eine Garderobe bietet. Ferner kann die benachbarte Wiese dank guter Kontakte zur Kirchengemeinde ebenso wie die angegliederte Halle für Bewegungsangebote genutzt werden. Kurzum: „Das Gebäude hätte für unsere Belange kaum besser geplant werden können“, sagt Manz-Knoll. Hinzu komme die geringe Distanz zur Kita, denn „wir wollen ja weiter die Begegnungen zu den anderen Kindern ermöglichen“. Kurzum: Die Lösung ist aus ihrer Sicht „ein Glücksfall für die Glückskinder“.

Bis wann sollen die Räume bezugsfertig sein, was ist noch zu tun?
„Zum 1. August benötigen wir eine neue Betriebserlaubnis. Ziel ist es, bis dahin mit den U3-Kindern in die neuen Räume umzuziehen“, sagt Manz-Knoll. Kleinere Arbeiten sind noch zu erledigen: Der Thekenbereich wird ausgebaut, der Boden darunter ebenso erneuert wie die Wände. Kindertoiletten müssen installiert, Brandschutz-Testate eingeholt werden. Von Raumteilern über Fensterbänke bis hin zur Außentreppe: Die komplette Ausstattung wird auf die Vorschriften der Unfallkasse hin geprüft und gegebenenfalls ergänzt. Nicht zuletzt „werden wir die pädagogische und personelle Konzeption in Absprache mit dem Kita-Team anpassen und zudem überlegen, wie wir die Kinder bei den bevorstehenden Veränderungen mitnehmen und beteiligen“, sagt Manz-Knoll. Entlastung erwartet sie sich durch die Umstellung auch für das Erziehungspersonal, das „die bestehenden Mängel in der Alten Schule mit hohem Arbeitseinsatz auszugleichen versucht“.

Wie geht es auf lange Sicht weiter?
Eine Sanierung und Erweiterung der Alten Schule ist aus den genannten Gründen praktisch ausgeschlossen. „Es wird auf einen Neubau an anderer Stelle hinauslaufen“, sagt Cullmann. Klar ist: Die VG möchte gerne in Bisterschied bleiben, am liebsten in der Nähe der beiden jetzigen Standorte. Neben dem Bürgerhaus stünde ein freies Gelände zur Verfügung. „Die Entscheidung ist offen, beispielsweise müsste auch der Gemeinderat zustimmen“, so der VG-Chef. Seriöse Prognosen seien folglich weder für den zeitlichen noch den finanziellen Rahmen möglich.

Nur eines der Probleme im Betrieb der Kita Bisterschied: Täglich muss ein Gruppenraum-Abschnitt zur Schlafzone umgebaut werden,
Nur eines der Probleme im Betrieb der Kita Bisterschied: Täglich muss ein Gruppenraum-Abschnitt zur Schlafzone umgebaut werden, weil ein separater Bereich dafür fehlt.
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