Niefernheim
Donnersberger Begegnung: Ehrenamtlerin Heidi Zies hat im Ruhestand noch ganz viel vor
Ihren Ruhestand wird Heidi Zies also genießen, indem sie noch häufiger in ihrem leidenschaftlichen, vielseitigem Engagement zu erleben ist. „Ich liebte meine Arbeit. Da konnte ich mich auf Menschen einstellen. Jeder ist anders, ich versuche jeden gleich zu behandeln und mich auf seine Sprache einzulassen. Viele Jahre war ich die einzige Frau. Fleiß und ehrliche Arbeit waren mir immer ein Herzensanliegen“, beschreibt sie ihre Einstellung zum Beruf.
Aufgewachsen ist Zies in Bad Hersfeld, sie lernte und arbeitete als Arzthelferin. „Als ich der Liebe wegen nach Rheinhessen kam, gab es hier keine freie Stelle für mich. Da habe ich eine Quereinsteiger-Ausbildung als Versicherungsvertreterin gemacht und mit vier Kindern auch in reduzierten Außendienstzeiten mein Ganztags-Soll erfüllt“, erzählt sie. Lange lebte sie im benachbarten Wachenheim, ehe sie vor 17 Jahren nach Niefernheim zog. Deshalb ist sie in Rheinhessen wie in der Pfalz heimisch und aktiv geworden, verknüpft damit beide Regionen.
Vorsitzende von „Zellertal aktiv“
In Wachenheim betreibt sie Gartenarbeit auf 3000 Quadratmetern, kümmert sich um drei Streuobstwiesen und einen Pflanzgarten. „Die Leidenschaft habe ich von meinen Eltern geerbt. Ich verarbeite das Obst zu Gelees und Marmeladen, die ich zugunsten wohltätiger Zwecke auf unserem Hofladentag verkaufe. Vor zwei Jahren waren es 600 Gläser“, so Zies. Damit ist man bei ihrem Engagement für „Zellertal aktiv“: Der Verein veranstaltet jährlich den Tag, sie ist erste Vorsitzende: „Als die Auflösung drohte, sagte mein Kopf, ich mach’s nicht, weil ich noch meine Mutter pflege. Mein Bauch sagte mir dreimal, du machst das. Und als ich zusagte, atmeten alle auf, und ich startete durch. Es ist zeitweise ein Halbtagsjob. Die Region ist göttlich und zauberhaft, klein, fein und nicht überlaufen. Dafür bin ich dankbar und will etwas zurückgeben.“
Die Aktivitäten des Vereins sind vielfältig: Wanderkarten und Veranstaltungskalender erstellen und verteilen, einmal im Jahr die kulinarische Weinwanderung Zell–Mölsheim mit zehn Stationen organisieren, die Weinrast Mölsheim wurde ins Leben gerufen, sechs Wanderwege werden betreut. Damit nicht genug: Heidi Zies absolvierte eine einjährige Ausbildung zur Kultur- und Weinbotschafterin. „Meine praktische Prüfung habe ich über den Heiligen Philipp in Zell gemacht. Jetzt bin ich als Wanderführerin tätig und habe den Kinderwingert ins Leben gerufen. Das mache ich sehr gerne. Da lernen Kinder alles über den Weinbau kennen, Schneiden und Binden, Wildkräuter, Maschinen und Ernten. Auch lesen wir und pressen Traubensaft.“
Große Auswirkungen könnte ihr Einsatz als Weinschwester in der „Weinbruderschaft Rheinhessen zu St. Katharinen in Oppenheim“ haben. „Wir haben 2019 einen Antrag auf Anerkennung der Weinkultur als Weltkulturerbe gestellt und warten, ob wir Erfolg haben.“ Es reizt sie, wieder die Tradition der Weinverkostung aufnehmen und für 120 Gäste organisieren zu können.
Seit 13 Jahren Hospizhelferin tätig
Nicht zuletzt – das liegt ihr besonders am Herzen – ist sie seit 13 Jahren als Hospizhelferin tätig. „Am ersten Tag des Schnupperkurses habe ich viel geheult, weil der Tod meines Vaters hochkam. Aber dann ging es besser, und ich habe die Ausbildung mit großem Interesse gemacht. Ich begleite gerne Menschen, mit denen ich noch reden kann über das Thema Tod. Weil ich glaube, dass die Seele wiederkommt.“ Sie sei mit dem Herzen dabei und zugleich doch eine Fremde, was gut sei. Gerne nehme sie auch an den Gruppenabenden und Festen der Hospizhelfer teil.
Schließlich ist sie bei den Landfrauen, Slow-Food-Treffen, Amnesty International, Greenpeace und Nabu sowie im Vogelschutzverein fördernd, mitunter auch aktiv, dabei. Ein Projekt hat sie noch im Sinn: „Ich würde gerne öfter für wohltätige Zwecke Selbstgemachtes – Marmeladen, Tees, Säfte – aus meinen Gärten in Kirchheimbolanden auf dem Wochenmarkt anbieten.“
Von vier Enkeln wohnen zwei in der Nähe, auch um sie kümmere sie sich gerne, nehme sie in ihre Gärten mit oder wandere mit ihnen. So könne sie ihre Naturverbundenheit weitergeben. Sie lebt ohne Fernseher. „Gartenarbeit ist für mich Meditation und gibt mir Energie, da kann ich auch mal Wut in die Erde schaffen. Und wenn ich auf der Terrasse sitze und auf das Naturschutzgebiet vor meinem Haus gucke, dann brauche ich keine Musik und Bilder, weil ich Bäume, Vögel und Grillen höre und sehe. Ich guck den Bienen zu, beobachte die beiden Rehe und ihre Kitze oder den Eisvogel.“ Diese Ruhe gibt ihr Kraft für den lebhaften Ruhestand.