Dielkirchen RHEINPFALZ Plus Artikel Arche-Hof kümmert sich um die Erhaltung alter Tierrassen

Ulrike und Thomas Lück mit Bulle Ferdinand, einem Rätischen Grauvieh, im Stall ihres Arche-Hofs in Hoferhof.
Ulrike und Thomas Lück mit Bulle Ferdinand, einem Rätischen Grauvieh, im Stall ihres Arche-Hofs in Hoferhof.

Der Erhaltung alter, vom Aussterben bedrohter Nutz- und Haustierrassen haben sich Thomas und Ulrike Lück verschrieben. Im Dielkirchen betreibt das Ehepaar seit September einen zertifizierten Arche-Hof. Im Donnersbergkreis ist dies bisher einmalig.

Tonangebend auf den Hoferhöfen ist unüberhörbar ein schwarz-weiß gescheckter Hahn von beeindruckender Größe. Mit seinen sieben Hennen zählt er im Hühnerbestand der Lücks zur seltenen Rasse des Andalusier Huhns. In ihrem Stall-Winterquartier leben zudem acht Schwarze Bergschafe, sechs Bunte Bentheimer Schweine sowie zehn Ungarische Zackelschafe. Die seltene Schafrasse mit ihren korkenzieherartigen Hörnern und stark gekräuseltem Fell hat es Thomas Lück besonders angetan. Seine Frau hatte ihm zum Geburtstag einen Zackelschafbock geschenkt, der die Herde nun komplettiert.

Die Zucht der Schwarzen Bergschafe hingegen sei zunächst nicht geplant gewesen. Die nur aus weiblichen Tieren bestehende Herde war ursprünglich nur untergestellt, ging später in den Besitz der Lücks über. Für die Rasse sei es schwierig, Züchter zu finden, berichtet Ulrike Lück. Mit Schafbock Willi konnte sie schließlich ein stattliches Exemplar erwerben. Neben ihren Arche-Tieren halten die Lücks auch eine Zebu-Rinderherde sowie gewöhnliche Schafe. Namen erhielten aber nur die Zuchttiere, ergänzt sie schmunzelnd.

Arche-Projekte in ganz Deutschland

Sich als Arche-Hof zu qualifizieren, war für Thomas Lück Herzenssache. „Das ist so ein bisschen eine Spinnerei von mir“, erzählt er. Die Standards für einen solchen Hof werden von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und vom Aussterben gefährdeter Haustierrassen (GEH) vorgegeben. So müssen die Herden eine Mindestgröße gaben. Zur Erhaltung muss nachgezüchtet werden. Das Arche-Projekt ging 1995 im hessischen Witzenhausen an den Start und ist mittlerweile bundesweit verbreitet.

In der modernen Nutztierhaltung seien viele alte Rassen – wie bei den Schweinen die Bentheimer Bunten – eingekreuzt worden. „Die sind sehr robust, ihr Fleisch aber zu fett für den Massengeschmack“, erläutert Lück. Erfreulicherweise habe sich in den vergangenen Jahren in der gehobenen Gastronomie aber wieder eine verstärkte Nachfrage nach dieser Qualität entwickelt.

Viele Stunden täglich im Einsatz

Landwirtschaftliche Tierhaltung betreibt das Ehepaar in seiner Freizeit schon von jeher. Hauptberuflich leitet Thomas Lück das Altenheim Haus Emma im heimischen Marienthal, Ehefrau Ulrike ist Verwaltungsangestellte. Ursprünglich wollte Lück eigentlich Schäfer werden, dieser Berufswunsch des Schäfers ging aber nicht in Erfüllung. Zunächst als Zimmermann tätig, wechselte er später zur Heimleitung. „Ich war aber schon immer bei den Bauern“, sagt er. Sein Arbeitstag gehe an 365 Tagen im Jahr von 7 bis 20 Uhr, den letzten kurzen Urlaub hätten er uns seine Frau 2019 genommen.

In der gerade begonnen Lämmerzeit stehen vor allem für Ulrike Lück betreuungsintensive Flaschenaufzuchten an. „Das heißt, alle drei Stunden zum Stall fahren und füttern“, erzählt sie. Täglich sind die Lücks mehrere Stunden für ihren Hof und ihren mobilen Hühnerstall im Einsatz. In den Sommermonaten bewirtschaftet Thomas Lück 29 Hektar eigenes Land. Stroh, Heu und Silofutter zu Fütterungszwecken für den Hof bezieht er jedoch von anderen Landwirten.

Kindern Nähe zu den Tieren ermöglichen

Die Finanzierung des Hofes bestreitet das Paar vorwiegend als Direktvermarkter seines Schweine-, Rinder- und Lammfleischs und aus dem Verkauf der Eier. In Planung sei auch ein Verkaufsautomat mit erweitertem Angebot am Falkensteiner Hof. Lück bedauert, dass Arche-Höfe in Rheinland-Pfalz bisher keine staatliche Förderung erfahren. In anderen Bundesländern sei dies möglich, Bayern habe die höchste Abdeckung. „Landwirtschaft muss man einfach wollen. Reich an Arbeit, wenig Lohn“, stellt er augenzwinkernd fest.

Der Erhaltungsgedanke hinter dem Arche-Konzept und das Leben mit Nutztieren ist dem Marienthaler ein Anliegen, das er auch künftigen Generationen vermitteln möchte. Für den Hof seien Führungen angedacht. Er möchte sich auch mit den Grundschulen im Umkreis vernetzen. „Wir wollen Kindern die Nähe zu den Tieren ermöglichen“, ergänzt Ulrike Lück. Seine lebenslange Liebe zur Tierhaltung bedeutet für Familienvater Thomas Lück vor allem persönliches Glück: „Wenn ich bei den Tieren bin, kann ich einfach abschalten.“

x