Donnersbergkreis
4,87 Millionen fließen in Verkehrswege
Eigentlich wäre das ein „Flatterband-Termin“ nach Maß gewesen. Landrat und Landesbetriebschef hätten da symbolisch die Schere schwingen und fotogen lächeln können. Mit gutem Grund: Die Eröffnung der sanierten Kreisstraße 5 beim Messersbacherhof wäre ein Anlass zur Freude gewesen. Solche Anlässe sind im Pandemie-Winter 2020/2021 rar gesät. Doch hat eben Corona auch durch Überlegungen, den Abschluss des Straßenbauprojekts zu feiern, einen dicken Strich gemacht.
Und so sind denn die Sperrvorrichtungen am vorvergangenen Wochenende eher unbemerkt verschwunden. Seit Ende November rollt wieder der Verkehr zwischen der Landkreisgrenze auf der Anhöhe nahe des Kreuzhofs und dem Messersbacherhof. Seither können Verkehrsteilnehmer von Gundersweiler oder Gehrweiler her kommend wieder über den Weiler direkt nach Niederkirchen respektive zum Ortsteil Heimkirchen gelangen – und umgekehrt, versteht sich.
Die Sanierung jenes Teilstücks der K 5 war das – an der Baustellen-Ausdehnung gemessen – umfangreichste Projekt, das der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Worms hat stemmen müssen. Und es ist das letzte, das im alten Jahr noch hat abgeschlossen werden können. Spät zwar, aber keinesfalls zu spät.
Alle Jahre wieder klopft die RHEINPFALZ früh im Jahr beim LBM an und lässt sich die bis Dezember geplanten Projekte, die vorgesehenen Bauzeiten und die geplanten Kosten auflisten. So geschehen auch Anfang 2020. Jetzt war Zeit, Bilanz zu ziehen. Der Wormser Behördenleiter Bernhard Knoop und seine Stellvertreterin Alexandra Bonaventura haben prompt geantwortet. Was war vorgesehen, was hat sich wann realisieren lassen – und zu welchem Preis? Wir liefern einen Überblick.
Messersbacherhof: Spät zwar, dafür schneller und günstiger
Zugegeben, der Startschuss hat sich merklich verzögert. Schon in der ersten Jahreshälfte hätte die Sanierung der K 5 beim Messersbacherhof beginnen sollen. Es wurde dann aber doch Ende September, bis die Straße voll gesperrt wurde. Die Befürchtungen, das könnte sich über den Winter hinweg ziehen, erwiesen sich allerdings als unbegründet.
Vorgesehen war, die Aufgabe in drei Monaten zu bewältigen. Baustart war am 29. September. Es hätte also bis Jahresende reichen sollen. Doch geht offenbar manches auch mal schneller: Nur zwei Monate hat es gedauert, die ein ordentliches Gefälle aufweisende Kreisstraße auf einer Länge von 2,2 Kilometern zu erneuern. Die Holperstrecke gehört damit der Vergangenheit an.
Es ging aber nicht nur schneller, sondern auch günstiger. Veranschlagt waren 600.000 Euro. Die Abrechnung steht zwar noch aus. Doch sind bislang erst 370.000 Euro ausgegeben. Der erteilte Bauauftrag belief sich auf rund 488.000 Euro.
Bisterschied: Brückenbau mit Winterschlaf und Hochwasser
Die Verzögerung ist nur geringfügig ausgefallen – dabei gab es eine unvorhergesehene Hürde zu nehmen. Beim Bau der neuen Layerbachbrücke im Zuge der Kreisstraße 9 bei Bisterschied gab es sogar einen Hochwasserschaden zu beklagen.
Trotzdem ist die Brücke im Juni eingeweiht worden, nur einen Monat später als vorgesehen, und seither befahrbar. Neun Monate hat es gedauert – inklusive Winterpause und besagter Schadensbeseitigung. Die Straße war während des Brückenbaus gesperrt. Was die Kosten betrifft, lief trotz Hochwassers nichts aus dem Ruder. Rund 400.000 Euro waren vorgesehen, 405.000 sind es letztlich geworden.
Obermoschel: Brückenschlag über den Winter hinweg
Arbeiten an Bundesstraßen sind noch mal ein anderes Kaliber als an Kreisstraßen, weil eben doch weit mehr Verkehr über jene Straßen fließt, als deren Baulastträger nicht von ungefähr der Bund auftritt. Auch auf der B 270 ist im Kreisgebiet eine Maßnahme im Gang. Neu gebaut wird die Sauerborngraben-Brücke in Obermoschel. Immerhin kann der Verkehr einspurig an der Baustelle vorbeifließen. Dafür aber müssen sich Verkehrsteilnehmer ein ganzes Jahre lang an den Ampeln gedulden.
Wegen der langen Bauzeit war der „Brückenschlag“ über Winter unabdingbar. Das Projekt wird noch bis weit ins nächste Jahr hinein laufen. Die Kostenkalkulation belief sich auf eine satte Million Euro. Das wird nicht reichen: Der Bauauftrag umfasst eine Summe von insgesamt 1,35 Millionen Euro.
Orbis: Vier Monate währende Vollsperrung ist genug
Das war fast eine Punktlandung. Im Frühling ist, wie vorgesehen, mit der Erneuerung der Kreisstraße 19 zwischen der Einmündung zur L 386 und Orbis begonnen worden. Die Sanierung des immerhin zwei Kilometer langen Streckenabschnitts – unter Vollsperrung – hat vier Monate Zeit beansprucht. Die Bauzeit ist eingehalten worden, wie der LBM mitteilt. Das gilt beinahe auch für die Kosten. Aus veranschlagten 1,2 Millionen sind nun 1,3 Millionen geworden.
Schmalfelderhof: Landkreis muss kein Geld versenken
Gibt’s denn beim Straßenbau auch Schnäppchen? Offenbar. Die Sanierung der K 26 beim Schmalfelderhof dürfte unter diese Kategorie fallen. Zwischen den Einmündungen von L 400 und K 29 wird seit Mitte Oktober die Fahrbahn der Kreisstraße erneuert. Die Straße ist voll gesperrt, die zu sanierende Strecke immerhin zwei Kilometer lang, drei Monate sind dafür veranschlagt.
Aber: Hatte der Kreis mit einem Preis von 1,2 Millionen Euro kalkulieren müssen, so beläuft sich die Summe des Bauvertrags auf gerade mal rund 510.000 Euro. Wie sich laut LBM nämlich gezeigt hat, kann man sich dort die zunächst eingeplante Verbesserung des Untergrunds schlicht ersparen. Die ist nicht erforderlich, der Kreis braucht somit keinerlei Mittel unnötig in den Untergrund zu versenken.
Winnweiler: Geduldsprobe vor allem für Berufspendler
Wenig Freude hatten all jene, die bei Winnweiler auf die Autobahn 63 müssen. Sie mussten im Sommer Umwege in Kauf nehmen. Seit 10. Oktober ist die Erneuerung der B 48 auf einem 800 Meter langen Streckenabschnitt abgeschlossen. Gleich mit erledigt wurde die Sanierung der Brücke. Und: Der Mitfahrerparkplatz ist seither erweitert und mit ordentlichem Untergrund versehen worden.
Fünf Monate waren ungezählte Verkehrsteilnehmer auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Das war zwei Monate länger als vorgesehen. Kosten sollte all dies gut eine halbe Million. Auch das war zu optimistisch kalkuliert: Die Schlussabrechnung steht laut LBM zwar noch aus. Rund 480.000 Euro sind aber schon überwiesen. Der Bauauftrag hatte allerdings ein Volumen von rund 727.000 Euro.
Bayerfeld-Steckweiler: Warten auf das Startsignal
Das wird noch „spaßig“: Die zweite der für 2020 vorgesehene n Maßnahmen im Zuge der B 48 ist ein echter Brocken. Die Fahrbahnerneuerung eines Stücks der Bundesstraße 48 hätte auch schon weitgehend erledigt sein sollen. Doch war es nichts mit dem avisierten Baubeginn in der zweiten Jahreshälfte. Somit steht den Verkehrsteilnehmern das wohl sieben Monate lang andauernde Abenteuer einer Vollsperrung zwischen Bayerfeld-Steckweiler und Mannweiler-Cölln noch komplett bevor.
Auf rund 700 Metern wird die Fahrbahn aufgepeppt, zudem an der Brücke gewerkelt. Das auf eine runde Million Euro taxierte Großprojekt ist aufs kommende Jahr verschoben. Das Startsignal hat noch nicht ertönen können, weil laut LBM bislang noch kein Baurecht vorliegt.