Bad Dürkheim „Wir respektieren uns“

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Interview: Vor der Stichwahl zum Freinsheimer Verbandsbürgermeister am Sonntag besuchten Jürgen Menge (SPD) und Jürgen Oberholz (FWG) gestern die Redaktion. Es sollte ein Streitgespräch werden, aber richtig in die Haare bekommen haben sie sich dann doch nicht. Das haben die Koalitionäre im Verbandsgemeinderat vermeiden wollen.

Der Wahlkampf ist mitten im Endspurt. Wie fühlen Sie sich da? Menge:

Wir sind kurz vor der Zielgeraden und das ist schon ein sehr gutes Gefühl. Es war ja eine durchaus lange Zeit, in der wir Wahlkampf gemacht haben. Wobei ich sagen muss, das Wort Wahlkampf gefällt mir eigentlich gar nicht. Es ist eben eine Konkurrenz untereinander, die ausgetragen wird. Ich konnte das umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte. Und ich gehe mit gutem Gefühl am Sonntag in die Entscheidung. Ich orientiere mich immer gerne am Fußball: Das erste war die Vorrunde, die muss man überstehen, da war aber auch jedes Spiel das Wichtigste. Jetzt steht das Endspiel an, und das muss man auch gewinnen. Oberholz: Bei mir ist alles gut, es ist prima, der Betrieb läuft. Alles andere geht auch. Es wird bis zum Schluss ausgetragen und dann sehen wir weiter. Es wird ja viel geschrieben und viel gemacht und irgendwann ist es ganz gut, wenn es beendet ist. Die CDU will ja keine Wahlempfehlung aussprechen, das wurde jetzt verkündet. Bedauern Sie das, Herr Oberholz? Oberholz: Nein, wir haben uns ja mit der CDU zusammengesetzt und uns dafür bedankt, wie der Wahlkampf abgelaufen war. Mit den Grünen haben wir auch gesprochen, das war auch sehr fair. Dann sind wir so auseinandergegangen, dass wir uns nach der Wahl noch einmal unterhalten, wie es weitergeht. Hatten Sie das so erwartet, Herr Menge? Menge: Wir hatten auch ein Gespräch mit der CDU. Wir, also die SPD und FWG, sind nunmal in einer Koalition, da gibt es entsprechende Absprachen. Es war aber auch zu vermuten, dass es nach den Wahlen möglicherweise ein Stühlerücken geben wird. Aber wir waren uns einig, dass wir zu unserer Absprache mit der FWG stehen. Das haben wir auch der CDU gegenüber so ausgedrückt. Also würde die Koalition mit der FWG einen Beigeordneten-Posten mit der CDU aus Ihrer Sicht ausschließen? Menge: Natürlich kann es immer einmal wieder durch politische Strömungen eine Veränderung geben, aber das haben wir versucht zu vermeiden und das ist uns auch gelungen. Es muss ja aber definitiv ein Beigeordneten-Posten ersetzt werden, egal wer jetzt von Ihnen beiden gewinnt. Und dann steht nicht die Koalition in Frage? Oberholz: Nein, es ist alles so richtig, was gesagt worden ist. Nach der Wahl sehen wir, wie es weiter geht. Es ist ja sowieso etwas schwierig im Wahlkampf zu sein, wenn man eigentlich Mitglied in der Koalition ist. Wie ist denn Ihr persönliches Verhältnis untereinander? Menge: Wir duzen uns, wir kennen uns, respektieren uns und sind eben jetzt Konkurrenten, da ist man nicht mehr ganz so nah beieinander als vor der Wahl. Wir haben da aber einen guten Weg gefunden. Was haben Sie denn außer Ihrem Vornamen noch gemeinsam? Wie gut kennen Sie sich? Oberholz: Also wir haben nur auf Weinfesten mal was zusammen getrunken... Und nun hat Herr Menge den ersten Wahlgang gewonnen und für ihn gilt es, den Vorsprung ins Ziel zu retten. Mit welcher Strategie? Menge: Ich will weiter ganz nah bei den Menschen sein. Da haben wir, meine Unterstützergruppe und ich, in den letzten Monaten schon viel getan. Den Schwung wollten wir jetzt noch in die letzten beiden Wochen mitnehmen. Mit Infoständen wollen wir mein Programm den Menschen erläutern. Am vergangenen Wochenende hat es bereits viele und auch lange Gesprächen gegeben. Nach der ersten Wahl ist nochmal ein ganz anderes Interesse da, die Leute sind sehr gut informiert. Sie beide trennen nur 167 Stimmen. Also geht noch was, Herr Oberholz? Oberholz: Schon, es geht um das persönliche Gespräch. Ich habe bei der Rotweinwanderung viel mit den Leuten gesprochen, außerdem in Weisenheim am Sand am Infostand. Es liegt aber ja an den Leuten, ob sie wählen oder nicht. Viele haben mich angesprochen, dass sie keinen Wahlschein für die Stichwahl mehr haben. Sie wissen gar nicht, dass sie auch nur mit dem Personalausweis ins Wahllokal gehen können. Haben Sie sich angesichts des schlechteren Ergebnisses in der Stadt Freinsheim geärgert, dass Sie im Vorfeld angekündigt haben, Ihr Amt als Freinsheimer Stadtbürgermeister aufgeben zu wollen? Oberholz: Nein, wenn ich was mache, dann mache ich das mit Volldampf. Ich kann dann nicht noch halbtags die Stadt Freinsheim machen. Das funktioniert nicht. Das muss jemand machen, der sich reinkniet. Ich bin sicher, dass sich da jemand findet. Und dann ist es ein Gewinn für die Stadt und kein Verlust. Herr Menge, Sie haben da schlechtere Ergebnisse eingefahren, wo die B271 gebaut werden soll, also in Dackenheim, Herxheim und Kallstadt. Stehen Sie nach wie vor dazu, dass Sie sich dafür einsetzen wollen, dass die Bundesstraße gebaut wird? Menge: Natürlich, das Thema begleitet mich ja schon seit vielen Jahren. Ich erinnere mich an eine Veranstaltung 1999 im Von-Busch-Hof, da hat der halbe Saal die Zigarettenschachtel West hochgehalten. Ich will damit sagen, Sie werden immer bei einer Straßenplanung Gegner und Befürworter haben. Als sich aber der Gemeinderat in Herxheim dafür ausgesprochen hat, da war für mich klar: Okay, jetzt wollen wirklich alle die Straße. Wie sie im Nachhinein tatsächlich aussieht, das muss man abwarten. Ich habe positive Erfahrungen mit Mediationen gemacht, da muss man wirklich vielleicht mal die Profis ans Werk lassen. Ich sehe das an der B10. Aber da hat auch die Mediation nichts geholfen. Menge: Das war total verfahren. Wichtig ist, dass die drei Gemeinderäte eine Position haben. Und jetzt muss man den Schwung mitnehmen. Wenn wir alle an diesem Strang ziehen, dürfte dann auch das Geld vom Bund fließen. Wie die Straße nachher wirklich genau aussieht, mit dem Berntal und der Brücke, das muss man sehen. Ich bedauere immer, wenn die Emotionen bei Straßenplanungen so hochkochen. Ich habe ja das Verfahren für die Bundesstraße zwischen Bad Dürkheim und Neustadt durchgeführt. Da waren die Marlachwiesen so ein heißes Thema. Da hat es auch eine Lösung gegeben. Oder die Brücke von Kirchheim war beispielsweise dort kein Thema, obwohl sie ähnliche Ausmaße wie die Herxheimer Brücke hat. Das Bauwerk stellt schon einen Eingriff dar, oder besser ausgedrückt: einen Brennpunkt. Aber nur zu sagen: Die Brücke ist schlecht und dann hängt man ein entsprechendes Plakat draußen hin, das ist zu kurz gedacht. Da muss man schauen, wo die Zwänge liegen und wie man es weiter optimieren kann. Bis zu einer endgültigen Lösung ist ein weiter Weg, bei dem die Bürger einzubinden sind und der womöglich bis zu einem Gerichtsentscheid geht und erst damit entschieden wird, ob diese Straße gebaut wird. Werden Sie auf die B271 angesprochen, Herr Oberholz? Oberholz: Ja, da geht es dann mehr um die Verschandelung unserer Landschaft, um das Brückenbauwerk. Da sag ich dann immer, wir sind im Raumordnungsverfahren und dann muss man schauen, wie es weitergeht. Die Wahlbeteiligung war mit 50,5 Prozent nicht besonders hoch. Sie schwankt auch stark zwischen 41,5 Prozent in Weisenheim am Sand bis 58,2 Prozent in Weisenheim am Berg. Haben Sie eine Erklärung dafür? Liegt es am Wahlkampf? Oder haben die Leute keinen Bezug zur Verbandsgemeinde? Oberholz: Liegt es vielleicht an den Bürgern?, muss man sich eher fragen. Der Ortsbürgermeister liegt ihnen wohl näher als die Verwaltung. Aber ich finde das schade, die Bürger können doch jetzt direkten Einfluss auf das Amt nehmen. Anders bei Entscheidungen in der hohen Politik, da habe ich doch keinen Einfluss mehr auf die handelnden Personen. Das betrübt mich eigentlich. Es gibt Leute, die habe ich beim Prospekt-Austragen erlebt, die wollen das einfach nicht. Die wollen ihr Leben leben, die Tür zu machen. Menge: Ich sage immer: Die Demokratie ist so ein zartes Pflänzchen, das muss beschützt werden. Jeder kann einen Beitrag dazu leisten und das tun wir gerade, in dem wir uns zur Wahl stellen. Sogar mit vier Kandidaten, das ist schon extrem selten. Ich weiß nicht, ob die Wahlbeteiligung ganz so schlecht ist. Vielleicht liegt es daran, dass keine andere Wahl damit verbunden war. Aber mich schreckt das auch, wenn jeder Zweite nicht zur Wahl geht. Ich habe in meinem Leben noch keine Wahl verpasst. Es ist schon fast eine Bürgerpflicht. Vielleicht sind die Leute mit vielen Dingen in der Politik überfordert, auch enttäuscht. Der erste Wahlgang war ja eventuell auch beeinflusst vom offenen Brief des früheren Verbandsbürgermeisters Quante. Haben Sie einen zweiten Versuch unterbunden oder gab es den gar nicht, Herr Menge? Menge: Also mir ist kein zweiter Versuch bekannt. Ich habe ja immer betont, dass es seine private Entscheidung war. Selbst unser Gemeindeverband hat es weder bezahlt noch davon Kenntnis gehabt. Haben Sie darüber mit Herrn Oberholz gesprochen? Menge: Natürlich spricht man darüber. Aber ich muss noch einmal sagen: Es ist seine Privatsache. Wer schreibt denn für Sie einen offenen Brief, Herr Oberholz? Oberholz: Also im Amtsblatt niemand (lacht). Wir machen unsere normale Werbung. Ich kann mich nur anbieten bei den Leuten, mich mit Ihnen unterhalten. Man muss sich nicht immer so verbiegen. Was wollen denn die Leute wissen, wenn Sie sie am Infostand treffen? Oberholz: Am Wochenende in Weisenheim am Sand ging es hauptsächlich um den Container-Bau. Da fühlen sich die Leute ein bisschen übergangen. Es gibt jetzt aber eine Einwohnerversammlung am 16. Februar. Es ist wichtig, dass man die Leute nochmal mitnimmt, denn es soll in den nächsten drei Wochen der erste Spatenstich sein. Entweder in Freinsheim oder in Weisenheim am Sand. In Freinsheim am Rotweinwanderweg ging es vor allem um Verkehr. Menge: Es drückt fast überall der gleiche Schuh. Es ist der Verkehr, den die Menschen mit am meisten stört. Es geht vielfach um die neue Tempo-30-Initiative aus Lärmschutzgründen, die auch über meinen Schreibtisch lief. Es geht auch um Parkplatzprobleme. In Weisenheim am Berg braucht man eine Balance zwischen den einzelnen Interessen. Ich wundere mich immer, dass man nicht einfach mal probiert, eine Sonntagssperrung einzuführen. Das ist auch Tourismusförderung. Was sind Sie denn für Wahlkampf-Typen? Oberholz: Ich bin gerne an den Info-Ständen und unterhalte mich mit den Leuten. Ich bin ja auch immer verfügbar im Ort. Aber ich bin keiner, der sich aufdrängt. Ich bin keiner, der sich bei den Leuten ins Wohnzimmer stellt. Menge: Ich mache gerne Veranstaltungen und Info-Stände. Wenn mein Chef mich unterstützt oder die Ministerpräsidentin kommt, ist das schon eine tolle Sache. Ein FWG-Politiker kann nicht mit der Ministerpräsidentin oder dem Innenminister aufwarten. Schlimm? Oberholz: Ach, mit denen habe ich ja schon vorher gesprochen (lacht). Aber die unterstützen mich eben nicht im Wahlkampf. Aber in den Neujahrsempfängen bin ich auch viel mit den Leuten ins Gespräch kommen. Wir haben uns nicht versteckt. Was planen Sie am Sonntagabend? Menge: Wir feiern wieder im Von-Busch-Hof. Mit der gleichen Band, da spielen zwei alte Freunde mit. Oberholz: Wir sind wieder im Erpolzheimer Bürgerhaus. Wenn ich gewinne, wird der Kreis größer. Wenn nicht, bleibt er wohl so wie nach dem ersten Wahlgang. Davor feiern wir den Geburtstag meiner Mutter bei Mittagessen und Kaffee bei den Fußballern in Freinsheim. Wie geht die Wahl aus? Menge: Einer wird gewinnen. Da hält mich die Demut vor dem Wähler davor zurück, mehr zu spekulieren. Oberholz: Nein, das bringt nichts, da vorher etwas zu sagen. Aber eine Prognose für die Wahlbeteiligung können Sie doch verraten? Menge: Ich hoffe, sie wird steigen. Oberholz: Ich bin schon froh, wenn sie gleichbleibt.

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