Freinsheim
Starbesetztes Gastspiel im Von-Busch-Hof
Der Saal im Von-Busch-Hof ähnelte diesmal schon fast einem gewohnten Konzertsaal. Die Stühle waren nach den neuesten Vorgaben etwas enger gestellt, das Publikum daher etwas zahlreicher. Im Vergleich zum letzten Konzert der Reihe Von-Busch-Hof Konzertant war das ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Konzertgefühl aus der Zeit vor der Corona-Pandemie.
Genießen durften die Zuhörer die musikalischen Künste des Hornisten Stephan Dohr, Solist bei den Berliner Philharmonikern, der lettischen Pianistin Lauma Skride, einer gefragten Solistin, und ihrer Schwester, der Violinistin Baiba Skride, inzwischen eine Berühmtheit, besonders im Zusammenspiel mit ihrer Schwester.
Eine überraschende Kombination
Das Programm umfasste zwei Sonaten von Ludwig van Beethoven und ein Trio für Klavier, Violine und Horn von Johannes Brahms. Im Beethovenjahr sind Programme mit seiner Musik sehr zahlreich, viele Aufführungen fielen jedoch pandemiebedingt aus. Mit umso größerer Inbrunst werden sie gespielt, wenn sie möglich sind. An diesem Abend waren es zwei Jugendwerke, die Sonate für Horn und Klavier F-Dur op.17 und die Sonate für Klavier und Violine Nr. 2 A-Dur 0p 12/2.
Überraschend war die Kombination der Instrumente Klavier und Horn. Welches Volumen das Horn hat, wird erst bei einer solchen Zusammenstellung klar. Gegenüber dem Piano, das ja auch ein Pianoforte ist, setzt sich das Horn mühelos durch. Es ist eine Herausforderung, es so zu spielen, dass es das Klavier nicht übertönt. So konnte das Publikum hier erleben, wie ein Horn – nach einigen kräftigen, fanfarenartigen Tönen– auch ganz leise singen kann.
Vollkommene Harmonie
Besonders im zweiten Satz, dem Adagio, spielte Stephan Dohr langsamste und leiseste Töne, fein abgestimmt mit dem ausgesprochen virtuos und differenziert gespielten Piano. Nie plakativ, sondern mit Zurückhaltung, aber umso überzeugender erklangen Gefühle der Einsamkeit, der Trauer und Sehnsucht, erholten sich aber und wandelten sich in Lebensfreude.
War es der Kontrast der Instrumente, der beim ersten Stück aufhorchen ließ, war es beim zweiten, der Sonate für Klavier und Violine, die Übereinstimmung, die verblüffte. Ein derartiger Gleichklang, eine völlig mühelose Harmonie zweier Musiker, die spielten, als seinen sie eine Person, war einfach erstaunlich. Beide hochvirtuos, ausdrucksstark und die Violine von fast außerirdischer Reinheit. Eine Stradivari spielt Baiba Skride, besonders bei den hohen Tönen ein außerordentlicher Klang.
Gemeinsam waren die Musiker dann im Trio von Brahms zu hören. Auch hier völlige Übereinstimmung von Klavier und Violine, das Horn, wie von Ferne aus dem Walde rufend, mitsingend, aber anders im Charakter. Im Laufe des Stücks aber wurde es immer mehr und immer enger Teil eines gemeinsamen Gesangs, die Klangfülle wirkte phasenweise orchestral, dann wieder einzeln sehr eigenwillig und differenziert. Das Publikum war begeistert.