Bad Dürkheim Bilder mit meditativer Sogwirkung

Hinter „Blatt-Werk“ verbirgt sich mehr als eine Ausstellung. Die Galerie Meck-Art in Weisenheim am Sand stellt mit Kai Savelsberg einen erfolgreichen Ausnahmekünstler vor. Er hat diesen Titel gewählt, weil er Bilder und Zeichnungen zeigt, die ihm ebenso wichtig sind wie seine Gedichte.
In seinen Ausstellungen zeigt Savelsberg oft Serien oder Suiten seiner Bilder – anders in der Galerie Meck-Art: Der Künstler hat hier selber eine Werkschau zusammengestellt. Der 38-jährige Aachener war bisher in weit über 60 Ausstellungen in Europa und Washington vertreten und ist sowohl als Maler und auch als Lyriker erfolgreich. Rund die Hälfte der gezeigten 22 Werke ist erst in diesem Jahr entstanden. Sie zeugen von dem unbedingten Wunsch, Gefühle und Gedanken umzusetzen, Einblick in eine Innenwelt zu geben, Menschen und Natur zu interpretieren. In der Ausstellung ist der Besucher sofort von der meditativen Sogwirkung der Bilder gefangen. Ihn erwartet keine überbordende Farbigkeit, gedämpfte Töne beherrschen die einzelnen Szenen, wie bei „Höhenflug“: Ein schmales Bild in Mischtechnik auf Holz zeigt einen einzeln stehenden Baum. Sein dünner Stamm endet in einer jungen Blattkrone, er scheint unbeirrt dem Wind zu trotzen und verleitet den Betrachter durch den Titel des Bildes unwillkürlich zu gedanklichen Assoziationen. Beeindruckend und verrätselt wirkt das großformatige „Lebensabschnittpuzzle“. Savelsberg hat hier eines seiner Lieblingsmotive förmlich in die Leinwand eingewebt. Der Schattenriss eines fein verzweigten blattlosen Baumes endet in weißen Verästelungen, die sich – geheimnisvollen Lebensadern gleich – vor eine sinnende Mädchengestalt schieben. Wer das Bild mal aus der Nähe betrachtet, ist unwillkürlich versucht, diese reliefartig herausgearbeiteten Strukturen mit den Fingern nachzuziehen. Das Motiv des Puzzles taucht auch in einem Text von Kai Savelsberg auf: „Die Wahrheit ist ein Puzzle, dessen Teile ständig die Zuordnung wechseln.“ Seine Poesie fließt immer wieder in sein Werk ein, so wie bei zwei plastischen Arbeiten, die den Blick erneut fesseln: Auf einem weißen Sockel stehen vier auf Abstand hintereinander angeordnete Plexiglasscheiben, einzeln mit verschiedenen Motiven in schwarzer Ölfarbe lasierend gestaltet. So lassen sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln immer neue Eindrücke ihrer „Schichten“ zu, ähnlich einem Vexierbild. Eine interessante Technik stellt auch „Ein kleines Beben“ dar, ein großformatiges Bild, in dem der Künstler mit Öl, Acryl, Tusche und Bleistift auf Nessel eine Traumszene mit einer schlafenden jungen Frau darstellt. Zu sehen ist lediglich ihr liegender Kopf mit weichen verschwimmenden Konturen und der beginnenden Schulterlinie mit nicht zu deutenden Übermalungen. Ein schmaler Weg führt am Kopf vorbei, auf dem eine kleine weiße Gestalt wandelt. Alles zusammen mündet in eine zarte poetische Gesamtkomposition. Sie wirkt nicht von ungefähr wie ein Bühnenbild, denn Savelsberg hat nach dem bestandenen Fachabitur eine Ausbildung zum Theatermaler absolviert. Und dann gibt es noch den Zeichner Savelsberg. Es sind Menschenbilder, reduzierte Figuren, auf braunem Untergrund wie Packpapier. Alle wirken irgendwie herausgelöst und verloren in ihrer Welt, umgeben von unendlicher Melancholie. Selbst die „Sehr weiße Hochzeit“ zeigt kein glückliches Paar, erinnert an ein vergilbtes Foto aus längst vergangener Zeit. Bei der Vernissage am Sonntagvormittag wird der Kunstkritiker und Publizist Stefan Skowron den Künstler vorstellen und in sein Werk einführen, Kai Savelsberg wird aus seinen Gedichten lesen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.