Rheinland-Pfalz Langer Kampf gegen Keime
«Ludwigshafen.» Das neue Caritas-Förderzentrum in der Ludwigshafener Stadtmitte ist zwar schon im vergangenen Sommer fertig geworden. Gerüste und Bauarbeiter sind längst verschwunden. Im August sollten die Bewohner und Mitarbeiter in den 14 Millionen Euro teuren Neubau einziehen. Daraus wurde jedoch bisher nichts. Auch Termine für den Umzug im November und im neuen Jahr wurden wieder abgeblasen. Laut Caritas sind die Wasserleitungen des Gebäudes verkeimt.
Im Vorbeifahren wirkt der Neubau gegenüber dem Wilhelm-Hack-Museum modern und interessant. Aber die unübersehbaren Aushänge an der Eingangstür sind beängstigend: „Stop!“ heißt es darauf in großen Lettern. „Trinkwasser Desinfektion. Trinkwasser Entnahme oder Spülung verboten.“ Der Grund: Die Wasserleitungen des neuen Caritas-Förderzentrums sind verkeimt, das Trinkwasser ist damit für die künftigen Bewohner eine Gefahr. Melanie Müller von Klingspor macht keinen Hehl aus ihrer Ratlosigkeit. Die Caritas-Sprecherin für die Diözese Speyer berichtet auf Anfrage, dass derzeit schon die zweite Fachfirma gegen die anhaltenden Probleme kämpfe. Bereits Mitte Dezember informierte von Klingspor: „Das Wasser in allen Leitungen war nicht in Ordnung, die Messwerte waren nicht okay.“ Daher verzögere sich der Umzug für die über 60 künftigen Bewohner sowie für 100 Mitarbeiter. Damals hoffte die Caritas noch auf einen neuen Termin Mitte Januar. Auch dieses Datum ist verstrichen. „Es gibt noch keinen Umzugstermin“, berichtete von Klingspor am Donnerstag über die Lage. Die erste Fachfirma, die ganz sicher war, das Problem in den Griff zu bekommen, hat den Neubau ohne Erfolg wieder verlassen. Eine zweite hat von Klingspor zufolge am Jahresanfang ihre Arbeit aufgenommen. Die Experten haben die Leitungen seit 7. Januar zunächst mit einem Gas-Wasser-Gemisch immer wieder gespült. Dann stand eine Desinfektion auf dem Programm. Seit Montag werden an 33 Stellen im Haus an jedem zweiten Tag Wasserproben gezogen. Das nun vorliegende erste Ergebnis stimmt von Klingspor ganz vorsichtig optimistisch: „Nur noch an zwei Stellen wurden die Grenzwerte überschritten. Jetzt müssen wir aber noch die Ergebnisse der folgenden Beprobungen abwarten.“ Diese sollen Anfang nächster Woche vorliegen. Auf die Frage, um welche Keime es sich in den neuen Rohren handelt, antwortet die Caritas-Sprecherin: „Keine speziellen.“ Trinkwasser sei immer mit einer gewissen Menge an Keimen belastet. Nur seien diese Keime im Neubau in einer Konzentration vorhanden, die nicht akzeptabel sei. Da die künftigen Bewohner zudem empfindlicher seien als gesunde Menschen, hat sich der katholische Wohlfahrtsverband zum Ziel gesetzt, dass auch die vorgeschriebenen Grenzwerte noch deutlich unterschritten werden sollen. Die Ursache für die Keime in den Trinkwasserleitungen des Neubaus ist von Klingspor zufolge unbekannt. Trinkwasseruntersuchungen im Umfeld des Hauses hätten indes ergeben, dass der Grund für die Verkeimung in dem neuen Gebäude liegen müsse. Daher habe die Caritas auch einen Gutachter eingeschaltet. Das Haus hat ein Generalunternehmer errichtet, mit dem die Caritas oft und immer sehr gut zusammengearbeitet habe. „Wir haben so etwas noch nicht erlebt“, bilanzierte die Sprecherin vor dem Jahreswechsel: „Das ist unser Berliner Flughafen.“ Von Klingspor geht davon aus, dass jener Generalunternehmer für die Kosten, die durch die monatelange Verzögerung entstanden sind, haftet. Die Arbeiten an dem Millionenprojekt wurden im Oktober 2016 begonnen und dauerten knapp zwei Jahre. Einziehen sollen das Förderzentrum St. Michael, in dem 20 Menschen leben, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Eine Tagesstätte für Menschen mit neurologischen und psychischen Erkrankungen kommt ins Erdgeschoss. Außerdem soll das Förderzentrum St. Johannes mit 44 psychisch Kranken dort untergebracht werden. Schon Ende Juli hieß es in einer Pressemitteilung der Caritas: „Der Neubau ist so gut wie vollendet. Die Bauarbeiten sind in Kürze abgeschlossen: In der zweiten Augusthälfte können die Bewohner in den neuen Gebäudekomplex einziehen.“ Daraus wurde bisher nichts. Der Caritas-Sprecherin zufolge stehen inzwischen zwar die Umzugskisten in den Zimmern, es sei warm und wohnlich. Aber die Bewohner müssen weiter draußen bleiben.