Rheinland-Pfalz Keime im Wasser: Caritas-Neubau in Ludwigshafen ist ein Geisterhaus

Die Caritas beziffert den in ihrem neuen Ludwigshafener Förderzentrum entstandenen Schaden auf mehrere Hunderttausend Euro.
Die Caritas beziffert den in ihrem neuen Ludwigshafener Förderzentrum entstandenen Schaden auf mehrere Hunderttausend Euro.

Im August jährt sich die Fertigstellung des neuen Caritas-Förderzentrums in der Ludwigshafener Innenstadt. 14 Millionen Euro hat das Haus gekostet, das bisher unbewohnt ist. Denn in den Wasserleitungen wurden gesundheitsschädliche Keime entdeckt. Ob der aktuelle Einzugstermin 16. Juni gehalten werden kann, ist fraglich. Die Caritas spricht von einem Schaden von mehreren Hunderttausend Euro. Am Donnerstag ist ein Gespräch mit den Technischen Werken Ludwigshafen (TWL) geplant.

Kein Ende in Sicht: Seit Herbst haben mehrere Fachfirmen die Wasserleitungen des Neubaus immer wieder gespült. Im Anschluss wurden Wasserproben entnommen und analysiert. Wie Melanie Müller von Klingspor berichtet, waren die Verunreinigungen zunächst an wechselnden Stellen des Gebäudes aufgetreten. Die Keime schienen durchs Haus zu wandern. Inzwischen habe man die Ursache jedoch eingrenzen können. „Das Problem ist der Übergabepunkt vom öffentlichen Leitungsnetz in der Kaiser-Wilhelm-Straße ins Haus.“ Die Caritas-Sprecherin berichtet weiter, dass mit Unterstützung der TWL sowohl der Hausanschluss als auch ein zwei Meter langes Verbindungsrohr zwischen dem Gebäude und den Leitungen in der Kaiser-Wilhelm-Straße mehrfach ausgewechselt worden seien. Bisher ohne Erfolg. „Die Ergebnisse der Wasseranalysen sind immer noch nicht so gut, wie wir uns das wünschen“, sagt Müller-von-Klingspor. „Die Werte sind nicht in Ordnung. Die Verantwortung liegt bei den TWL.“ Das Wasser im Haus hingegen sei mittlerweile einwandfrei. Denn der Neubau werde über ein Provisorium aus der Berliner Straße mit Wasser versorgt.

Mehrere Hunderttausend Euro Schaden

Die Höhe des bisher entstandenen Schadens beziffert die Sprecherin grob auf mehrere Hunderttausend Euro. Hier gehe es nicht nur um die Kosten für die Fachfirmen und die unzähligen Kubikmeter Trinkwasser fürs Spülen der Leitungen. Auch die Finanzierung der Ausweichquartiere für die Bewohner und Mitarbeiter müsste berücksichtigt werden. Wer für diesen Schaden aufkomme, das sei offen. Am Donnerstag werde es ein Treffen mit Vertretern der TWL geben, bei dem es auch um juristische Fragen gehen soll, kündigt Müller-von-Klingspor an. Sie vermutet, dass am Ende Gerichte entscheiden müssten, wer die Kosten zu tragen habe.

TWL sieht sich nicht in der Verantwortung

Die TWL weisen jede Verantwortung für die Probleme in dem Neubau zurück: „TWL hat den Hausanschluss des Caritas-Förderzentrums mehrfach beprobt und die Proben analysieren lassen. Alle Werte dieser Beprobungen waren in Ordnung“, teilt Iris von Kirschbaum mit. Der TWL-Unternehmenssprecherin zufolge gebe es nach wie vor keine Hinweise darauf, dass das TWL-Wasser am Übergabepunkt verunreinigt sei. „Der Caritas wurde ein technisch einwandfreier Hausanschluss übergeben.“ Dass TWL-Vertreter am Donnerstag an Gesprächen in der Sache beteiligt sind, bestätigt Iris von Kirschbaum. Dem Versorger sei allerdings nicht bekannt, dass hier mit TWL juristische Fragen erörtert werden sollen. „Wir stehen dem Kunden aber gerne in allen Fragen beratend zur Verfügung.“ Das Caritas-Förderzentrum war, wie mehrfach berichtet, schon im Spätsommer 2018 nach knapp zwei Jahren Bauzeit fertig geworden. Ein Generalunternehmer ist für die Arbeiten verantwortlich. Im August sollten die mehr als 60 Bewohner und 100 Mitarbeiter einziehen. Daraus wurde jedoch wegen der Keime im Trinkwasser nichts. Auch Termine für den Umzug im November und im neuen Jahr wurden abgeblasen. Einziehen soll zum einen das Förderzentrum St. Michael, in dem 20 Menschen leben, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Eine Tagesstätte für Menschen mit neurologischen und psychischen Erkrankungen kommt ins Erdgeschoss. Außerdem soll das Förderzentrum St. Johannes mit 44 psychisch Kranken im Haus untergebracht werden.

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