Interview „Uns geht es nicht um den Gruselfaktor“: : Sven Voss über die True-Crime-Reihe „XY gelöst“

Rekonstruiert gelöste Kriminalfälle: Moderator Sven Voss aus Wiesbaden.
Rekonstruiert gelöste Kriminalfälle: Moderator Sven Voss aus Wiesbaden.

Er ist ein Mann für Sport und Mord beim ZDF: Sven Voss berichtet regelmäßig von großen Sportereignissen. Daneben ist der 47-Jährige aber auch als Moderator von True-Crime-Formaten zu sehen.

Seit vergangenem Jahr moderiert Voss auch einen Ableger des Dauerbrenners „Aktenzeichen XY ungelöst“, die Sendung „XY gelöst“. In der neuen Staffel sind jeweils vier Episoden der True-Crime-Reihe in Doppelfolgen zu sehen.

Sven Voss kam 1976 im rheinland-pfälzischen Daun zur Welt, studierte Politik und Pädagogik in Bonn und wurde Journalist. Ende der Neunziger kam er zum ZDF, wo er zunächst Kindersendungen wie „logo!“ moderierte, seit 2004 ist er Mitglied der ZDF-Sportredaktion. Er berichtete von Olympischen Spielen, der Vierschanzentournee und Fußball-Weltmeisterschaften und präsentiert seit 2007 den Sportteil in den „heute“-Nachrichten. 2011 wurde er Nachfolger von Wolf-Dieter Poschmann beim „Aktuellen Sportstudio“. Außerdem moderiert Sven Voss die MDR-Wissensendung „Echt – Das Magazin zum Staunen“. Sven Voss ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie in Wiesbaden.

Herr Voss, in den neuen Folgen Ihrer Sendung „XY gelöst“ geht es um Fälle, die in „Aktenzeichen XY ungelöst“ vorgestellt und erst nach langer Zeit geklärt werden konnten …

Stimmt, es gab zwar immer wieder Hinweise, aber bei allen vier Fällen waren die Ermittlungen schwierig, bis dann nach vielen Jahren – einer der Fälle wurde sogar erst nach 25 Jahren gelöst – endlich ein Puzzleteil zum anderen passte und die Verbrechen aufgeklärt werden konnten. Das war für die Ermittler und die Ermittlerinnen eine gewisse Genugtuung, und natürlich auch für „Aktenzeichen XY“, das bei der Aufklärung geholfen hat.

Sie moderieren neben „XY gelöst“ auch andere True-Crime-Sendungen. Ist das Thema wahre Verbrechen Ihr zweites Standbein neben dem Sport?

Kann man so sagen, ich bin auf jeden Fall fasziniert von wahren Verbrechen – ein bisschen steckt diese Faszination ja vielleicht in jedem von uns. Das passt also ganz gut zu mir. Dazu kommt, dass mir meine Erfahrungen vor allem aus der Live-Berichterstattung im Sport auch im Genre True Crime zugute kommen.

Aber so kriminell geht es im Sport doch gar nicht zu, meistens zumindest ...

Das ist richtig (lacht). Ich meine auch eher die Erfahrung, mit Menschen zu sprechen und dabei etwas herauszufinden – da unterscheiden sich Sportler und Ermittler kaum voneinander. True Crime ist aber nicht nur deshalb mein zweites Standbein, sondern auch, weil ich an das Gute glaube und davon überzeugt bin, dass Verbrechen wie Morde und andere schreckliche Dinge nicht ungesühnt bleiben dürfen.

True Crime boomt, es gibt jedoch auch die Kritik, dass in diesem Genre schreckliche Verbrechen zu Unterhaltungszwecken ausgeschlachtet werden.

Das kommt darauf an, würde ich sagen. Es gibt bestimmt Formate, die ganz bewusst mit dem Gruselfaktor echter Fälle arbeiten, um die Leute auf billige Art zu unterhalten. „XY gelöst“ und auch „Aktenzeichen XY ungelöst“ gehören ganz sicher nicht dazu: Wir stellen Verbrechen nicht zur Schau, sondern versuchen, einen kleinen Teil zu ihrer Aufklärung beizutragen – das ist doch eine gute Sache.

Wie wichtig ist die Opferperspektive?

Sehr wichtig. Wir zeigen, wie Fälle aufgeklärt werden, aber eben auch, welche Auswirkungen Kriminalität und Verbrechen auf die Opfer haben. In der neuen Staffel geht es zum Beispiel um einen Fall, bei dem ein Mann seine Frau umgebracht hat und den Kindern erzählte, sie habe die Familie aus freien Stücken verlassen. Die Leiche der Frau mauerte er im Haus ein, so dass die ganze Familie über Jahre hinweg mit der toten Mutter unter einem Dach lebte – eine furchtbare Geschichte. Wir haben mit dem Seelsorger der Familie gesprochen, der uns vom Leid der Kinder berichtet hat, die damals Teenager waren. Zum Glück sind sie damit klargekommen, sie stehen heute voll im Leben. Ein Beispiel wie dieses zeigt, dass es uns eben nicht in erster Linie um den Gruselfaktor geht.

Haben Sie sich als Kind eigentlich auch so vor „Aktenzeichen XY“ gegruselt, wie viele, die mit der Sendung aufgewachsen sind?

Ich durfte es lange Zeit überhaupt nicht gucken, meiner Mutter war das zu nah dran an der Realität. Als ich es dann endlich gucken durfte, habe ich mich natürlich gegruselt, vor allem an einen Fall erinnere ich mich mit Schrecken: Es ging um eine Frau, die in einer Gartenlaube überfallen wurde und einen goldenen Ring trug. Die Täter wollten den unbedingt haben, aber der Ring ging nicht ab. Der Schnitt auf die Gartenschere hat völlig gereicht, um meiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Diese Schere geht mir bis heute nicht mehr aus dem Kopf, muss ich zugeben.

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