Comics
Zur Buchmesse neu: Der etwas andere Asterix
Neue Asterix-Alben kommen immer im Herbst raus – allerdings nur alle zwei Jahre. Eine neuer Band ist erst 2023 fällig. In diese Lücke stößt zum Glück „Beim Teutates!“ (Reprodukt, 48 Seiten, 13 Euro) von Lewis Trondheim. Die Warnung auf dem Cover, das sei kein neuer Asterix, ist unnötig. Sieht man doch gleich, dass hier was nicht stimmt. Der pfiffige Gallier hat lange Ohren und Riesenfüße. Denn Trondheims anthropomorphe Figur Herr Hase findet sich plötzlich in dem wohlbekannten Dorf wieder. Er durchkreuzt unversehens die Pläne eines Bösewichts, der es auf den magischen Trank abgesehen hat und mit dessen Hilfe die Weltherrschaft in unserer Realität erobern will.
Der 57-jährige französische Star-Zeichner, bekannt auch für seine Fantasy-Parodie „Donjon“, erzählt eine irrwitzige Geschichte mit vielen Versatzstücken aus den Kult-Comics. Ein Fest für Fans und ein großer Spaß. Sogar die Inhaber der Asterix-Rechte drückten da ausnahmsweise mal ein Auge zu.
Radikal neue Klänge als wildes Gekritzel
Comics über Musiker gibt es einige. Die meisten beleuchten die Biografien berühmter Pop-Größen. Karlheinz Stockhausen ist so gesehen eine ungewöhnliche Wahl. Er gilt als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts und Pionier der elektronischen Musik. Doch auf Anhieb wird der Name nicht jedem etwas sagen.
Thomas von Steinaecker nähert sich in „Der Mann, der vom Sirius kam“ (Carlsen, 392 Seiten, 44 Euro) dem Ausnahme-Musiker auf sehr persönliche Art. Schon als Heranwachsender war der heute 45-Jährige ein Bewunderer Stockhausens, später verband sie eine Freundschaft. Der Schriftsteller verwebt das bewegte Leben des 2007 gestorbenen Künstlers mit seinen Jugenderinnerungen. David von Bassewitz zeichnet das skizzenhaft mit Aquarellfarben. Die radikal neuen Klänge des Komponisten, ein wildes Gekritzel auf den Seiten, sieht man im wahrsten Sinne mit anderen Augen.
Vom Erwachsenwerden in der westfälischen Provinz
Skaten, kiffen, erste Liebe, familiäre Probleme – das ist die Welt des Abiturienten Hamed. Als Sohn iranischer Immigranten wächst er in der westfälischen Provinz auf, erlebt die kleinen und großen Dramen des Erwachsenwerdens sowie die Schwierigkeiten der Integration. In „Coming of H“ (Avant, 176 Seiten, 26 Euro) erzählt Autor und Zeichner Hamed Eshrat die Geschichte seiner Adoleszenz in den 90ern – unverblümt, humorvoll, nah am Leben und mit ausdrucksstarkem Strich.
Das Ergebnis kann sich mit den Werken der unverkennbaren französischen Vorbilder messen. Der 43-Jährige erregte schon mit „Venustransit“, einem Porträt des zeitgenössischen Berlins, und dem historischen Comic „Nieder mit Hitler“ Aufsehen. Spannend, den Künstler Hamed Eshrat als jungen Mann kennenzulernen.
Drei starke Frauen jenseits der Norm
Petra ist eine extrem muskulöse Bodybuilderin, Ulla eine dicke Riesin, Denise hat einen Arm und ein Bein mit Schlangengliedern modifiziert. Die drei Frauen Ende 30, die zusammen wohnen und von der gängigen Norm weiblicher Schönheit abweichen, geben ein seltsames Personal für eine Geschichte ab. Und dann kümmern sie sich noch um drei Kinder mit Katzenfell aus der Nachbarschaft, die von ihren Eltern verlassen wurden.
„Hort“ von Marijpol (Edition Moderne, 368 Seiten, 28 Euro) ist aber weder Freak-Show noch Superhelden-Epos. Es geht um Selbstbestimmung, Freundschaft, Fürsorge, Mütterlichkeit – um verschiedene Lebensentwürfe. Sechs Jahre arbeitete die 1982 geborene Hamburger Künstlerin (bürgerlich Marie Pohl) an dem Projekt. In teils surrealen, violett eingefärbten Bleistiftzeichnungen bringt sie uns starke Charaktere nahe. In jeder Hinsicht ein fantastischer Comic!