Kultur Zum Tod von Wolfgang Völz: „Käpt’n Blaubär“ schweigt
Mit dem Schauspieler Wolfgang Völz, der − wie erst gestern bekannt wurde − bereits am Mittwoch 87-jährig in Berlin den Folgen eines Schlaganfalls erlag, verliert das deutsche Fernsehen einen seiner beständigsten und mit Abstand populärsten Protagonisten.
Wer bereits in den 1960er Jahren über ein Bildschirmgerät verfügte, kannte den gebürtigen Danziger aus diversen „Stahlnetz“-Folgen, als hallodrihaften Bordleutnant Mario de Monti in „Raumpatrouille Orion“ sowie als schlitzohrig-loyalen Ex-Knacki, Chauffeur und Diener Johann in „Graf Yoster gibt sich die Ehre“.
Gruselkrimis und "Pippi Langstrumpf"
Nach seinem Bühnendebüt 1950 am Landestheater Hannover verlegte sich Völz, der mit wahrem Namen Treppengeländer hieß, zunächst aufs Kabarett, arbeitete in der Synchronisation, gab einen Seeräuber in „Pippi Langstrumpf“ (1969) und erschien in diversen Gruselkrimis im Gefolge der Edgar-Wallace-Welle. Eine nostalgische Reminiszenz an die frühen Erfolge boten ihm die Parodien „Der Wixxer“ (2004) und „Neues vom Wixxer“ (2007), in denen er sich als ältlicher Scotland-Yard-Chef eine neue Generation des Kinopublikums erschloss. Selbst die allerjüngsten TV-Zuschauer kannten ihn: als Stimme der klabauterseligen, ihr pittoresk blütenreiches Seemannsgarn im schönsten Waterkant-Zungenschlag zum Besten gebenden Handpuppe „Käpt’n Blaubär“.
Synchronstimme von Walter Matthau, Peter Ustinov und Mel Brooks
„Ich habe an die 600 Fernsehrollen gespielt“, sagte er einmal. „Es war immer die gleiche Grütze.“ Er sah sich als „allerersten Mann der zweiten Klasse“. Dagegen verglich ihn sein „Orion“-Kollege Dietmar Schönherr mit dem Hollywood-Star Walter Matthau, dem er im Synchronstudio ebenso seine Stimme lieh wie Peter Ustinov, Mel Brooks und dem Gallier-Häuptling Majestix. So mag man es drehen und wenden, wie man will: Der Mann mit der etwas zu groß geratenen Nase, dem warzengeziert-knautschigen Gesicht und der markanten Stimme war ein vielseitiger, vielgestaltiger, vielfach begabter Tausendsassa, vor allem aber ein liebenswerter Sympathieträger über Jahrzehnte, wie es nur wenigen Darstellern vergönnt ist.