Nachruf RHEINPFALZ Plus Artikel Zum Tod des Fischbacher Literatur-Pfalzpreisträgers Barudio

„Wachrufer der Träume“: Günter Barudio.
»Wachrufer der Träume«: Günter Barudio.

Günter Barudio, der Literatur-Pfalzpreisträger, der Historiker, Privatgelehrte, Autor, träumende Denker, ist tot. Der Frankfurter aus Fischbach bei Dahn wurde 79 Jahre alt.

„Der Kornkönig“ heißt Günter Barudios autobiografisches Buch, „Roman aus einer anderen Art“. Das Eigenwillige war immer das Feld dieses Bauernsohns und herzvollen, überschwänglichen Pfälzer Intellektuellen, der sein Gelehrtenleben als Ölbohrer begann.

Die historischen Werke des promovierten Geschichtswissenschaftlers, „Gustav Adolf – der Große“ (1982), „Der teutsche Krieg“ (1985), erschienen bei S. Fischer, oder „Paris im Rausch“ (1989), in dem er die Französische Revolution erzählte, sind so in geschliffener Prosa geschrieben. Der „Kornkönig“-Roman aber ist auch Geschichtsschreibung über die alte Bundesrepublik par excellence.

Ewiger Durst nach dem Schönen, Wahren, Guten

Der Held Georg Grabato, der Spross des „Kornkönigs von Maimonte“ und der „Hotzenwälderin“ Else, ist dabei unverkennbar das Porträt von Barudio selbst. Der Maimont, ein Buntsandsteinberg, liegt auf dem Gebiet des elsässischen Niedersteinbach nah der Burg Wasigenstein westlich der Wengelsburg im Wasgau. Von Grabato/Barudio heißt es, der Wildbauernbub, später Lateinschüler, dann im Hannoverschen Ölbohrer sei „mit Jade-Augen“ auf die Welt gekommen, das „wilde Feuer“ in sich, den ewigen Durst nach dem Wahren, Schönen, Guten.

Im „Zeichen einer Bronze-Diabetes“ habe er sich von der Technik abgewendet und sei an der Königlichen Bibliothek zu Stockholm zum Geschichtsschreiber herangereift, zu einem „Wachrufer der Träume“. Alles wahr, die Krankheit, der Lebens- und Wissensdurst. Nach dem Abi an der Abendschule, dem Studium von Jura, Philosophie, Skandinavistik, Slavistik und der Osteuropäischen Geschichte, forsche er in Uppsala. Er sprach fließend Schwedisch. Das Thema seiner Dissertation lautete: „Das wohlproportionierte Regiment. Begriffs- und Fallstudien zur ,Schwedischen Verfassung’ zwischen 1633 und 1693 unter besonderer Beachtung der Kategorie des Gerechten“.

Aristoteles und die Heuernte

Auch eine Weltgeschichte des Erdöls hat Barudio verfasst. Ein endlos geistreicher Kopf und gutaussehender homme à femmes, ein enthusiastischer, schwärmerischer Briefeschreiber. Ohne Umschweife konnte er von der „Nikomachischen Ethik“ des Aristoteles zur Heuernte in Fischbach gelangen, von Gustav Adolf zur „Hotzenwälderin“, die seine liebevolle Mutter war.

Er rief wirklich Träume wach beim Reden. 1989 wurde er mit dem Pfalzpreis ausgezeichnet und in seiner Schule, dem Dahner Otfried-von-Weißenburg-Gymnasium, groß gefeiert. Für die RHEINPFALZ hat Barudio zahlreiche Essays geschrieben, ein Titel: „Der Seufzer des Mauren“. Barudio glaubte, als Folge der Diabetes werde er irgendwann seine Hautfarbe wechseln. Und damit noch einmal seinen Blick auf die Welt. Tragisch-traurig, dass ihn drei Schlaganfälle niederstreckten. Von 2007 bis zu seinem Tod am 11. Januar lebte er in seinem Lebensort Frankfurt in einem Pflegeheim. Adjö. Mann mit den Jade-Augen.

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