Rockgeschichte RHEINPFALZ Plus Artikel Vor 40 Jahren erschien Iron Maidens Album „The Number of the Beast“

Iron-Maiden-Frontmann Bruce Dickinson.
Iron-Maiden-Frontmann Bruce Dickinson.

„The Number of the Beast“ bescherte Iron Maiden nicht nur ihren ersten Spitzenplatz der Album-Charts in Großbritannien. Das Werk markiert einen Wendepunkt in der Karriere des britischen Heavy-Metal-Flaggschiffs: Es nahm Fahrt auf und setzte sich an die Spitze der Bewegung. Einen Platz, den die Band bis heute, 40 Jahre nach Erscheinen des Albums, nicht wieder abgegeben hat.

Das verflixte dritte Album. Bei vielen Bands gibt es die Richtung vor: Geht es weiter nach oben – oder war es das? Im Falle von Iron Maidens „The Number of the Beast“ war es der Startschuss für den Weg an die Spitze der Bewegung. Dabei war das Quintett um den Bassisten und Hauptsongschreiber Steve Harris längst nicht mehr unbekannt.

Nach ausgiebigen Touren durch die Londoner Club- und Pubszene hatte die Band 1980 und 1981 zwei bemerkenswerte Alben aufgenommen, die zunächst vor allem im Untergrund eingeschlagen waren, aber die Band auch in Europa und in Japan bekannt gemacht hatten.

Der Mann am Mikro wird ausgetauscht

Allerdings war Perfektionist und Bandchef Harris unzufrieden mit dem Mann am Mikro, Paul Di’Anno. Der hatte sich, wohl auch befeuert durch das anstrengende und scheinbar nie enden wollende Touren der Band, zu nah an Drogen und Alkohol gewagt, was sich negativ auf seine Bühnenleistung und seinen Gesang auswirkte. Ende 1981 trennten sich Band und Sänger. „Maiden war zu ambitioniert. Da konnte ich nicht mithalten“, sagt Di’Anno in der Bandbiografie „Run to the Hills“ von Mick Wall.

Das dritte Album vor der Brust, eine immer größer werdende, erwartungsfrohe Fan-Gemeinde im Nacken und keine Stücke aus den Anfangstagen mehr auf Halde, die noch nicht veröffentlich waren. Als wäre das noch nicht Bürde genug, musste auch ein neuer Frontmann integriert werden. Die Wahl der verbleibenden vier Iron-Maiden-Mitglieder, neben Harris noch die beiden Gitarristen Adrian Smith und Dave Murray sowie Schlagzeuger Clive Burr, fiel auf Bruce Dickinson.

Bruce Dickinson wird neuer Frontmann

In der Szene war er kein Unbekannter, hatte bei der Band Samson gesungen und war stimmlich seinem Vorgänger weit überlegen. Maidens Manager Rod Smallwood, ein gewitzter Mann aus Yorkshire, verpasste ihm gleich mal einen Spitznamen: Airraid Siren – zu Deutsch: Luftschutzsirene, angelehnt an Dickinsons stimmliche Fähigkeiten.

Nach einigen Aufwärm-Konzerten in Italien gingen Maiden Anfang 1982 ins Studio. Am Mischpult saß – wie beim Vorgänger „Killers“ – Martin Birch, der schon Deep Purple und Black Sabbath klanglich ins rechte Licht gesetzt hatte. Der stellte erst einmal den neuen Sänger auf die Probe und ließ ihn die ersten Zeilen des späteren Klassikers und Titelstücks des Albums, „The Number of the Beast“ einen Tag und eine halbe Nacht immer und immer wieder einsingen. Dickinson ist, wie er in seiner Autobiografie „What does this button do“ berichtet, kurz vorm Ausflippen, wirft gar einige Stühle durchs Studio. Dann geht er in sich und singt die Version, wie sie später auf Platte verewigt wurde – den markerschütternden Schrei am Ende des Intros inklusive, in dem sein ganzer Frust zu liegen scheint.

Das Stück gehört heute noch zum Live-Repertoire der Band, wie mit „Run to the Hills“ und „Hallowed Be Thy Name“ zwei weitere Lieder des Albums. Was nicht heißt, dass die restlichen fünf Songs abfallen. Für „The Prisoner“, inspiriert durch die in Großbritannien enorm populäre Mystery-Serie „Nummer sechs“, gewann Manager Smallwood gar den Hauptdarsteller und Entwickler der Serie, Patrick McGoohan, das Intro zu sprechen. Für den Anfang von „The Number oft he Beast“ stand eigentlich Horror-Star Vincent Price auf der Wunschliste, sein Einsatz scheiterte aber an dessen Honorarforderungen von 25.000 Pfund. Ein Preis, den Michael Jackson für seinen Song „Thriller“ offenbar gern bezahlte. Stattdessen spricht bei Maiden der englische Schauspieler Barry Clayton die Bibelverse aus der Offenbarung.

Für religiöse Eiferer waren sie Satanisten

Die Zahl 666, aus der Bibel bekannt als „die Zahl des Tieres“, dazu ein Teufel, der vom Bandmaskottchen Eddie an Marionettenfäden geführt wird – all das ließ die Band für religiöse Eiferer als Satanisten dastehen. Eine Tatsache, die Manager Smallwood geschickt für Promotion ausnutzte und Geschichten und schier übernatürliche Zufälle und Geschichten rund um den Aufnahmeprozess zu lancieren, beschreibt Dickinson in seiner Autobiografie: Exakt 666,66 Pfund soll etwa die Autoreparatur von Produzent Birch gekostet haben, nachdem er einen Unfall mit einem von Nonnen besetzten Kleinbus hatte. Und Bassist Harris soll bei den Aufnahmen gar vom Leibhaftigen besessen gewesen sein, anders seien die seltsamen Geräusche, die nach dem Einspielen plötzlich auf den Bass-Spuren aufgetaucht waren, nicht zu erklären. Waren sie aber: durch eine profane Fehlfunktion eines Mikrofons.

Das Album schoss Anfang April 1982 auf Platz eins der britischen Albumcharts, da war die Band schon wieder auf Tour. Ende Februar waren die Aufnahmen beendet gewesen, nahtlos schloss sich die „Beast on the Road“-Welttournee an, die mit 188 Shows über alle Kontinente führte – und den Ruf Maidens als phänomenale Live-Band zementierte und obendrein das verflixte dritte Album zu einem der erfolgreichsten der Band machte. Bis heute sind geschätzt 20 Millionen Stück davon verkauft worden.

x