YouTube Vom Kinderzimmer auf die Weltbühne: Die Reise des Felix von der Laden

Seit seinen Anfängen auf YouTube nimmt Felix von der Laden seine Zuschauer mit auf eine ganz persönliche Reise.
Seit seinen Anfängen auf YouTube nimmt Felix von der Laden seine Zuschauer mit auf eine ganz persönliche Reise.

YouTube feiert 20. Geburtstag. Felix von der Laden gilt als Urgestein der Szene. Wie aus einem Jugendlichen mit Kamera einer der bekanntesten deutschen YouTuber wurde.

Ein Nachmittag im Juni 2025. Felix von der Laden sitzt in Freizeithemd und Shorts vor seiner Handykamera. Die Sonne Mallorcas knallt ihm ins Gesicht, links und rechts glitzert das Meer, im Hintergrund sonnen sich Freunde. Zuschauer haben die YouTuber tags zuvor im Supermarkt erkannt und auf ihr Boot eingeladen.

An Deck ist es dem 31-Jährigen jetzt zu windig. Er wechselt für ein videofreundlicheres Set ins Bootsinnere. Während der 40 Minuten Interview switcht Felix von der Laden zwischen Business- und Smalltalk hin und her: fokussiert, fröhlich, freundlich. Erst vor wenigen Tagen ist er aus China zurückgekehrt in seine Wahlheimat Mallorca. Auf der Insel hat er sich ein Haus gekauft.

Für Felix von der Laden ist das Agieren vor einer Videokamera die natürlichste Sache der Welt. Kein Wunder, gehören Kameras doch seit 14 Jahren fest zu seinem Leben. 2011 hat er sein erstes Video ins Internet gestellt – damals für eine Handvoll Fans. Mittlerweile zählt sein Kanal auf YouTube rund 3,2 Millionen Abonnenten.

Was mal mit Gaming-Videos begonnen hat, ist längst zum Unterhaltungspotpourri gewachsen. Hunderttausende sehen zu, wenn von der Laden sein Haus einrichtet, die Welt bereist, mit dem Rennauto den Nürburgring umkreist oder mit Freunden zusammen auf dem Longboard von Sylt aus bis zum Schloss Neuschwanstein fährt.

Vom Kinderzimmer zur Streaming-Karriere

In der YouTube-Szene nennen sie ihn einen „OG“ – „Original Gangster“. Nun muss man konstatieren, dass an dem 31-Jährigen, zumindest nach außen sichtbar, so viel Gangster ist wie an Helene Fischer. Gemeint ist mit der Zuschreibung auch vielmehr die lange Zeit, die er schon dabei ist. Die Plattform hat seine Freunde und ihn jung zu Millionären gemacht.

Die Geschichte von Felix von der Laden steht auch deshalb wie kaum eine andere für die Weiterentwicklung YouTubes von einer Spaß- zu einer Businessplattform.

Mai 2011. Felix von der Laden sitzt bei Lübeck in seinem Kinderzimmer. Eigentlich soll er lernen. Viel spannender findet er aber das Computerspiel „Minecraft“. Aus der halben Stunde Pause vom Lernen werden Stunden Zockerei. Inspiriert von YouTubern aus den USA, meldet der 16-Jährige einen Videokanal an, kommentiert Computerspiele. Aus Felix wird „Dner“. Aus „Dner“ wird einer der beliebtesten YouTuber des Landes. Sein langgezogenes „Hallo meine lieben Joooooonges“ zum Start seiner Videos genießt noch heute Kultstatus unter Zuschauern.

Ein Star zum Anfassen: Bei Veranstaltungen nimmt sich Felix von der Laden Zeit für seine Fans.
Ein Star zum Anfassen: Bei Veranstaltungen nimmt sich Felix von der Laden Zeit für seine Fans.

„Alles war neu, alles hat großen Spaß gemacht“, erzählt er. Irgendwie durchs Abi kommen und dann nur noch zocken mit Freunden: Sein Traum unterscheidet sich damals gar nicht so gravierend von dem anderer. Die Zielstrebigkeit, mit der er seine YouTube-Karriere vorantreibt, sehr wohl. Das Filmen gefällt Felix von der Laden schon immer, ein aus der Schule geliehenes Mikro hebt seine Videos früh auf beachtliches Niveau.

Seine Eltern fangen in dieser Zeit an zu verstehen, dass YouTube mehr als nur ein Hobby des zweitältesten von sechs Geschwistern ist. „Irgendwann habe ich einen Scheck aus den USA bekommen: 80 Euro. Meine Mutter dachte, das sei Betrug. Als ich es ihr erklärt habe, war sie – gelinde gesagt – überrascht.“

Köln, Klicks und Kommilitonen

Oktober 2013. Felix von der Laden ist 19 Jahre alt, frisch zum Studium nach Köln gezogen. Nach Kindheit und Jugend in Schleswig-Holstein lockt ihn die Metropole am Rhein. Die füllt sich gerade mit Menschen, die, wie er, „irgendwas mit Medien“ machen möchten. Der Abiturient schreibt sich an der Hochschule für das Fach Medienwirtschaft ein, jobbt bei den „Videodays“, knüpft in der Szene Kontakte und zockt Tage und Nächte durch.

Schnell schauen ihm immer mehr Menschen dabei zu, schnell nimmt das Zocken mehr Zeit ein als das Studieren. Von der Laden muss sich irgendwann entscheiden: YouTube oder Uni? Er entscheidet sich für YouTube. Mit der Zeit lernt er mehr Gleichgesinnte kennen. Mit Studienfreund „izzi“ gründet „Dner“ das Talkformat „Ramble“, erweitert sein Portfolio, zockt immer öfter mit anderen zusammen. Zuschauer des einen interessieren sich plötzlich auch für Videos des anderen.

2014 ziehen Felix von der Laden und seine Freunde „Unge“, „Taddl“ und „Ardy“ in ein Haus in Köln. Der Kanal „Dner“ knackt die Million-Abonnenten-Marke. Immer mehr Zuschauer verfolgen ihre Idole beim Kochen, erleben Dramen des Alltags, zahlen mit Aufmerksamkeit. Mehr Videoaufrufe bedeuten auch mehr Werbeeinblendungen. Und mehr Werbeeinblendungen bedeuten mehr Einnahmen. Noch heute blickt von der Laden fast ungläubig drein, wenn er über die Zahlen spricht: „Und plötzlich schauen dir einfach Millionen zu.“ Längst können „Dner“, „izzi“ und Co. von ihren Videos leben.

Der Ruhm lässt aber auch dunkle Wolken aufziehen. Mit jedem Einzug verkleinert sich die Privatsphäre. Fans campen vor der Tür, fragen Nachbarn nach „Dner“ und anderen. „Manche sind extra dafür von ihren Eltern nach Köln gefahren worden. Das war schon krass“, blickt von der Laden zurück. So frei sich das Blödeln für Fans im Internet anfühlt, so eng wird plötzlich die echte Welt. Aus Donnerstagen macht Felix von der Laden „Dnerstage“, um mit einem Frage-Antwort-Format das stetig wachsende Informationsbedürfnis seiner Fans zu stillen.

Longboard-Legenden und der Durchbruch in den Mainstream

September 2014. Felix von der Laden, Julien Bam, Cheng Loew und Simon Unge heben YouTube auf ein neues Level: mit Longboards unter den Füßen und Kameras in den Händen. Von Sylt aus machen sie sich auf den Weg zum Schloss Neuschwanstein. An jedem der 39 Tage schneiden sie nach vielen Stunden auf den Brettern bis in die Nacht hinein an Dokus. So wackelig es auf den Boards auch sein mag, so stabil ist der Zuspruch. Zum ersten Mal nehmen Menschen außerhalb der Blase wahr, dass hier Geschichte geschrieben wird.

Mit seinen YouToube-Kollegen ist von der Laden mit dem Longboard durch Deutschland ganz Deutschland gefahren.
Mit seinen YouToube-Kollegen ist von der Laden mit dem Longboard durch Deutschland ganz Deutschland gefahren.

Wo auch immer die Helden auf vier Rollen einfahren, werden sie von Hunderten erwartet. Spiegel, Zeit, Süddeutsche Zeitung: Alle berichten. Mobilfunkanbieter zahlen mobiles Internet, Unternehmen platzieren Produktwerbung vor Videos. Von der Laden realisiert: Da passiert gerade etwas. „Durch die Longboard-Tour ist auch der Mainstream in Deutschland auf uns aufmerksam geworden. Mit jedem Artikel, mit jedem TV-Auftritt öffneten sich Türen“, sagt er.

Felix von der Laden übernimmt eine Videoserie für Coca-Cola, Stefan Raab lädt ihn zur Wok-WM und zur Stockcar-Crash-Challenge ein, das ZDF lässt ihn im Vorfeld der US-Wahl durch die Vereinigten Staaten reisen. Mit jedem Artikel, mit jedem TV-Auftritt steigert sich auch sein Marktwert. Er lebt ein Leben auf der Überholspur und vor der Kamera. „Mir hat das nichts ausgemacht. Wir haben gemacht, was uns Spaß macht, und haben anderen damit eine gute Zeit ermöglicht“, erklärt er. Immer wieder bricht von der Laden mit Freunden zu Roadtrips durch die USA, Europa und Asien auf, immer wieder bricht er Rekorde.

Vom Gamer zum Unternehmer und Rennfahrer

Februar 2018. Aus dem Zocker „Dner“ ist längst der Unternehmer Felix von der Laden geworden. Unter der Marke „SPIELKIND“ verkauft er Pullis und Shirts, seine Agentur „25MATE“ vertritt die Interessen von Künstlern. Beide Firmen managt von der Laden aus einer Villa in Köln heraus. Er nennt sie „Hive“ – was übersetzt so viel heißt wie Bienenstock. Fleißig wie die Bienen arbeiten der YouTuber und seine Mitarbeiter an neuen Formaten. Es zahlt sich aus: Firmen steigern Honorare, „Dner“ profitiert. Aus dem Zockerkind ist ein Werbebotschafter erwachsen.

Neben den Videos und den Firmen dominiert ein weiteres Thema das Leben von Felix von der Laden: die Rennfahrerei. Er startet eine Karriere als Fahrer im Cockpit. In PS-starken Autos rast er über den Hockenheimring, umrundet die Nordschleife, nimmt an 24-Stunden-Rennen teil. „Zu dieser Zeit wurde mir klar: Es läuft. Ich kann mich ohne Druck frei weiterentwickeln“, erzählt er.

„Frei weiterentwickeln“ bedeutet für ihn, neue Wege zu gehen. Manche führen ihn als Botschafter von Fairtrade auf Kaffeeplantagen, zu Bananenbauern, in Textilfabriken. Von der Laden zeigt seinen Zuschauern Dinge, die er als wichtig erachtet.

Zwischen Roadtrips und Verantwortung

September 2021. Auf sogenannten HotRods machen sich Felix von der Laden und Freunde auf den Weg von Köln nach Ibiza. Diesmal mit dabei: Kameramänner, die alles für – na klar – YouTube einfangen. Nicht nur bei Roadtrips, sondern auch bei neuen Talkformaten helfen zu dieser Zeit Angestellte mit, das Potpourri noch auszubauen.

Projekte und Zeitpläne bleiben ambitioniert. Die Suche nach dem nächsten „heißen Ding“ geht weiter. Felix von der Laden jettet von Europa nach Afrika, von Afrika nach Asien, von Asien in die USA. In seinen Dokus zeigt er auch Schattenseiten. Etwa wenn er vom Ende seiner Firma berichtet. Oder von Trennungen.

Während Kollegen mit Burnouts kämpfen, sucht Felix von der Laden Ausgleich, veröffentlicht nicht mehr jeden Tag ein neues Video. „Ich habe immer hart gearbeitet, aber auch die richtigen Momente erwischt, um runterzufahren“, sagt er. Dabei hilft ihm die Familie. Privates gibt er nur dosiert preis. Er kennt die Vor-, aber auch die Nachteile von Öffentlichkeit nur zu genau.

Ein neues Kapitel auf Mallorca

Mai 2023. Felix von der Laden sitzt in T-Shirt und Jeans auf dem Bett. Die mallorquinische Sonne scheint durch die Fenster. Irgendwo draußen funkelt der Pool, neben dem er gleich frühstücken wird. „Guten Morgen aus Mallorca, Leute“: Mit diesen Worten startet er sein Video. Es ist das erste aus der eigenen Villa. Viele weitere folgen.

Der Geschäftsmann ist ausgewandert, zumindest teilweise. Nur rund um Termine in Deutschland wohnt er noch in seiner Eigentumswohnung in Köln. „Auch wenn das mit den Fans bei mir im echten Leben nie so krass wurde wie bei anderen, genieße ich es sehr, auf Mallorca meist unerkannt durch die Straßen laufen zu können. Es ist eine neue Form von Freiheit“, erzählt er.

Arbeit und Freizeit seien leichter in Balance zu bringen. Von der Laden geht jetzt auch öfter mal ohne seine Kamera aufs Rennrad. Oder in die Stadt. Oder zum Padel-Tennis.

Juni 2025: Auf dem Segelboot der Zuschauer aus dem Supermarkt hat von der Laden seine Kamera dabei. Wie bereits so viele Erinnerungen in seinem Leben, wird er auch die von diesem Tag festhalten. Für andere, für YouTube, für sich.

An Ruhestand denkt der 31-Jährige noch lange nicht – auch wenn er auf Instagram mit seiner angeblichen Teilzeitrente kokettiert. Gerade die Reisen sind es, die ihn immer wieder begeistern. Bald ist er wieder unterwegs – im Auftrag eines Werbepartners. Jetzt wechselt er aber erst mal für ein freizeitfreundlicheres Set nach oben. An Deck warten „izzi“, weitere Freunde und die Sonne Mallorcas auf ihn.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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