Worms / Kaiserslautern
Sprühen für den 1. FC Kaiserslautern: der Wormser Graffiti-Künstler Daniel Ferino
Mit dem rüden Begriff der Straßenkunst, aus der ursprünglich die Graffiti-Bewegung hervorging, in den schmutzigen Häuserschluchten von New York City, kann sich Daniel Ferino nicht identifizieren, weshalb er dieses Wort für sich ablehnt. Stattdessen verfolgt der 38-Jährige eine andere Definition von Graffiti, als seriöser Wandgestalter, der ausschließlich nach Auftrag legal zur Sprühdose greift.
Zum Beispiel besprüht Daniel Ferino häufig die Wände privater Kinderzimmer mit farbenfrohen Motiven. „Ich passe mich den Kunden an. Ich versuche, mich in das Thema hineinzufühlen“, erklärt Aerosolkünstler Ferino, der in Worms geboren wurde und mit seiner Frau und seinen beiden Kindern im rheinhessischen Eich wohnt. Als leidenschaftlicher Anhänger des Fußballvereins 1. FC Kaiserslautern besitzt Daniel Ferino, der loyales Mitglied der pfälzischen FCK-Ultras ist, beste Kontakte zu seinem Herzensverein auf dem Betzenberg.
Zuletzt trug Daniel Ferino als engagierter Helfer eines mehrköpfigen Organisationsteams zur Umsetzung der eindrucksvollen Teufel-mit-Kessel-Choreografie der FCK-Anhänger im Rahmen des DFB-Pokalfinales im Berliner Olympiastadion bei. Auch sonst kann sich das bisher zusammengestellte Portfolio umgesetzter Kunstwerke von Daniel Ferino sehen lassen.
In Bezug auf die FCK-Choreographie in Berlin, die an die muskulöse Hollywood-Actionfigur Hellboy erinnerte, ärgert sich Daniel Ferino über die falschen Angaben, die in den letzten Wochen in den Medien kursierten, zum Beispiel im Hinblick auf das Budget. „Die Berichterstattung wurde meinen Kumpels von den Ultras nicht gerecht“, kritisiert Ferino, der sich als rotierendes Rädchen in einem fein justierten Uhrwerk aktiver Fußball-Anhänger versteht. Wie viel die Choreographie jedoch genau kostete, darüber schweigt auch Ferino eisern.
Kollegen, die Ferino beeinflussen
Unter einer Choreographie versteht man ein von Fußballfans aufwendig hergestelltes Tribünenbild, das als Transparent in der Stehplatzkurve über die Köpfe hinweg vor dem Anpfiff hochgezogen wird. Woraus zieht Daniel Ferino, der vor seiner Karriere als etablierter Graffiti-Künstler beruflich als ausgebildeter Fahrzeuglackierer gearbeitet hat, anregende Inspiration? „Es gibt schon Kollegen, die mich stilistisch beeinflussen. Etwa der Sprayer Pablo Hombre Fontagnier, der aus Mannheim stammt“, erläutert Wandgestalter Ferino, der mit figurativen Bildern die Szene in Staunen versetzt.
Sich eine theoretische Definition für domestizierte Street-Art-Kunst ausdenken? Da winkt der Rheinhesse ab. Klingt zu akademisch, viel zu verkopft. Denn Daniel Ferino ist ein praktisch veranlagter Macher. Dabei ergründet Ferino die komplette wilde Farbpalette. In der Vergangenheit sprühte Ferino in der Fanhalle im Fritz-Walter-Stadion, in der Veranstaltungen stattfinden, ein anatomisches Menschenherz und ein Porträt des ehemaligen FCK-Trainers Otto Rehhagel an die Wände, in Erinnerung an die Meisterschafts-Saison 1997/1998.
Die Meisterschaft 1998
Als die roten Teufel das letzte Mal deutscher Meister wurden, nach der fulminanten Rückkehr in die erste Bundesliga, schloss sich Daniel Ferino als 12-Jähriger, der gerade die Fußballkultur für sich entdeckte, dem Pfälzer Traditionsclub an. Das Otto-Rehhagel-Bild in der heiligen Stadionhalle setzte der Eicher Graffiti-Mann mit seinem Kreativpartner Philip Walch aus Ulm um, der ein Experte für das Malen realistischer Gesichter ist. „Die Symmetrie von Augen, Nase und Mund zu treffen, ist nicht einfach“, weiß Ferino, der gelegentlich Graffiti-Workshops in Schulen und sozialen Einrichtungen gibt, aus Erfahrung.
Im vergangenen Jahr zierte das Ferino-Motiv einer gezeichneten Vereinskutte die offiziellen Dauerkarten des Fußballvereins 1. FC Kaiserslautern. Als treuer Fan besitzt Daniel Ferino seit 20 Jahren eine solche Dauerkarte. Im Frankenthaler Lager des Online-Versand-Riesen Amazon hängt ein von Ferino gesprühter Löwe aus dem Stadtwappen an der Wand.
Teilnehmer bei der Art Basel
Wenn das Auftragsvolumen stimmt, nimmt Daniel Ferino weite Anreisen in Kauf. Mit seinem Kumpel Philip Walch, der auf den Künstlernamen „Stone Graffiti“ hört, flog er über den atlantischen Ozean, um an der weltberühmten Messe für Gegenwartskunst „Art Basel“ in Miami, Florida, teilzunehmen. Im dortigen Stadtteil Wynwood – ein bekanntes Künstlerviertel in Miami – besprühte Ferino die Außenfassade einer Schule mit einem Bild von Leonardo da Vinci. Ein italienischer Urtyp der Forschung, als metaphorischer Ausdruck für Bildung und Wissenschaft.
„Die Schule gab nur vor, dass das Motiv zur Schule passen sollte“, erinnert sich Daniel Ferino, dessen Zwillingsbruder Florian Ferino als Make-up-Artist für prominente Persönlichkeiten arbeitet. Für den Eicher Wandbemaler ist jeder Arbeitstag anders. Wenn Daniel Ferino morgens den Rechner hochfährt und in sein E-Mail-Postfach schaut, weiß der 38-Jährige selten, was für ein kreativer Auftrag ihn als nächstes erwartet.
Info
Die Homepage von Graffiti-Künstler Daniel Ferino aus Eich nördlich von Worms lautet www.maltag.net
