Nürburg
So lief Tag eins bei Rock am Ring: Das Warten auf Linkin Park hat endlich ein Ende
Die Sehnsucht der Fans war schon sehr groß. 2014 waren Linkin Park zum bisher letzten Mal bei Rock am Ring. Die Gründe sind bekannt. 2017 hatte sich Sänger Chester Bennington, dessen Stimme diese Band weit mehr als nur geprägt hat, das Leben genommen, weil er den Kampf gegen seine Depressionen verloren hatte. Man fürchtete sogar das Ende der Band, bis diese 2024 mit Emily Armstrong eine neue Stimme präsentierte, neue Musik auf den Markt brachte und 2025 auch endlich wieder auf Tour ging, die allerdings nicht auf den Nürburgring führte. Das holten sie in diesem Jahr nach.
45 Minuten lief auch alles ganz wunderbar. Dann aber fiel zumindest auf der Tribüne die Anlage aus, also genau dort, wo die Fans einen heftigen Zuschlag zahlen müssen. Dafür kann die Band natürlich nichts, und schon gar nicht Emily Armstrong.
Sicher kann sie Chester Bennington nicht ersetzen. Niemand könnte dies. Aber sie gibt der Band auch bei alten Songs wie „Burn It down“ oder „Numb“ eine ganz eigene Farbe. Bei neuen Nummern, also zum Beispiel bei „The Emptiness Machine“, hat man dann so etwas wie Linkin Park 2.0. Die Fans unten auf dem Gelände feierten jedenfalls ausgelassen mit Linkin Park, vielleicht sogar auch, weil es die absolute Ausnahme ist, einmal eine Frau an der Spitze eines Headliners zu haben. Wobei der kreative Kopf hinter Linkin Park selbstredend Mike Shinoda ist. Und der ging in die Charmeoffensive, las eine Botschaft auf Deutsch vor. „Wir sind so dankbar, wieder hier zu sein. Wir lieben Deutschland.“ Da brachen natürlich alle Dämme, erst recht beim fulminanten vorletzten Song „In The End“.
Begonnen hatte der Tag auf der Hauptbühne mit einer ordentlichen Portion (Selbst)Ironie und ziemlich viel flachen, dafür aber äußerst deftigen Texten und Songs. Auf der Utopia-Stage standen nämlich Mehnermoos, ein Rap-Duo aus Frankfurt, bestehend aus Frederik Moos und Tobias Mehner, beides studierte Musiker, die auch als Musiklehrer gearbeitet haben. Und wenn die beiden einen Song folgendermaßen ankündigen: „Es geht wie immer bei uns um Penislänge“, dann halten sie sich auch an dieses Versprechen. Das Ergebnis sind dann Zeilen wie „Hätt ich gewusst dass Du vorbeikommst, hätt ich nicht gewi...“, „ Danke, dass du nicht gelacht hast, als ich auf dir lag.“ oder „Ich mag Bir, B, I, R“. Das hat natürlich etwas von Ballermann, und genau so war auch die Stimmung vor der Bühne. Es wurde bereits am frühen Nachmittag getanzt und gejohlt. Und selbstverständlich auch schon die Tribüne beschimpft. Gehört einfach dazu.
Da hatten es Bush um Frontman Gavin Rossdale, der eine Art Vorgänger von Alexander Zverev ist, da er auch mal mit Sophia Thomalla zusammen war, schon richtig schwer, das Stimmungspegel auf demselben Niveau zu halten. Dafür ist ihr Grunge-Sound vielleicht auch einfach zu komplex, ihre Texte laden zudem auch nicht unbedingt zum Mitgrölen ein. So blieb es denn auch beim vielleicht größten Bush-Song „Glycerine“ aus dem Jahr 1994 eher still vor der Bühne, die nun jedoch auch endlich in der Eiffelsonne lag.
Im Unterschied dazu ist der Garage Rock der 1994 gegründeten schwedischen Band The Hives viel tanzbarer, rhythmisch prägnanter, allerdings auch viel simpler. Vor allem findet er mehr Knöpfe, um die Feierlaune im Publikum anzuschalten. Wie immer in schicke Anzüge gekleidet, feierte die Band um Frontman Pelle Almqvist, der sich mächtig anstrengte und auch auf Deutsch mit den Fans kommunizierte, vor allem auch sich selbst. The Hives sorgten mit Songs wie „Come on“ oder „Hate to say I told you so“ aber auch für richtig gute Stimmung.
Danach wurde es mit den Briten von Architects rund um ihren charismatischen Sänger Sam Carter deutlich härter. Und blieb es auch. Denn dann folgte mit Papa Roach der erste ganz prominente Act des Tages. Der Name der Band geht auf den Großvater ihres Sängers Jacoby Shaddix zurück. Nun wurde der Ring regelrecht angezündet. Immer wieder schossen Feuerfontänen in den Himmel über der Rennstrecke und bildeten dann auch noch große Rauchkringel, die sich vor allem vor den Wolken besonders deutlich abzeichneten.
Die Songs der 1993 gegründeten Band wechseln zwischen den Genres, zwischen Nu Metal und Hard Rock. Doch Shaddix kann auch sehr nachdenklich werden, wenn er offen von seinen mentalen Problemen und seinen Alkoholexzessen spricht. „Gebt niemals auf, wie dunkel es auch sein mag. Helft euch untereinander“, ruft er dem Publikum zu. Und dann folgt mit „Scars“ ein Song, der sprichwörtlich unter die Haut geht. „Ich reiße mein Herz auf/Ich nähe mich selbst zu“, lauten die ersten beiden Verse. Und natürlich durfte am Ende eines absolut fantastischen Auftritts auch der größte Hit von Papa Roach nicht fehlen: „Last Resort“ aus dem Jahr 2000. Nun war alles vorbereitet für den Auftritt von Linkin Park. Wobei zuvor noch Blink 182 als erster Headliner für nächstes Jahr verkündet wurde. Und nach Linkin Park mit Limp Bizkit noch eine sehr prominente Band auf der zweiten Bühne spielte.