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Serie der Woche: „The Great“ mit Elle Fanning
Als die 14-jährige Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst (Elle Fanning) im Januar 1744 nach Russland reist, um den russischen Thronfolger Peter Fjodorowitsch (Nicholas Hoult) zu heiraten, schwärmt sie mit naiv-romantischen Vorstellungen von einer Ehe mit gegenseitiger Zuneigung und Vertrauen. Das suggeriert die sechsteilige, in den USA für den Dienst Hulu entwickelte Serie „The Great“, die die ersten Monate der künftigen Zarin, Katharina der Großen, in ihrer zweiten Heimat schildert. Auf dem Streaming-Portal Starzplay ist sie ab 18. Juni im englischsprachigen Original und in deutscher Fassung zu sehen. Der Video-on-Demand-Dienst wird mit der Serie auch über Rakuten TV zu empfangen sein, davon abgesehen ist Starzplay als eigenständige App für iOS und Android erhältlich, ein Abo ist nicht notwendig.
Die Vorstellungen der deutschen Prinzessin erweisen sich bald als Illusion, zeigt der Sechsteiler auf. Der etwas ältere Prinz hat keinerlei Interesse an seiner Frau, die er nachts nur aufsucht, um schnell einen Nachfolger zu zeugen. Seine Liebeslust lebt er mit seiner Geliebten aus. In Katharina weckt die Missachtung des einfältigen, ungebildeten Prinzen höhere Ambitionen. Sie plant einen Staatsstreich, um selbst zu regieren.
Historiker dürften die Köpfe schütteln
1762 putschte die wahre Katharina tatsächlich gegen ihren Mann, der nur sechs Monate als Zar Peter III. im Amt war. Historikern, die der Serie zuschauen, dürfte sich dennoch der Magen angesichts des hier dargestellten Treibens am russischen Hof umdrehen. Um solche Vorwürfe zu entkräften, verweisen die Macher um Autor Tony McNamara, der auch die Vorlage für den Blick hinter die Schlüssellöcher am Londoner Hof im oscarprämierten Kinofilm „The Favourite“ lieferte, gleich darauf, dass sie sich nur lose an den Fakten orientieren.
Die lieblose Ehe zwischen Katharina und Peter ist verbürgt, ebenso die Pracht der Paläste und der russisch-schwedische Krieg, der 1741 bis 1743 im heutigen Finnland tobte. Ansonsten ist die Handlung – und teils auch die Genealogie – erfunden. Die verschiedenen Regisseure der Serienfolgen spitzen den Streit des Paares auf den Konflikt zwischen der selbstbewussten, von den Schriften der französischen Philosophen der Aufklärung beeinflussten Katharina, und ihrem ungebildeten Mann zu, der sich in absolutistischer Tradition für ein von allen Untertanen geliebtes Genie hält und als Sohn von Peter dem Großen unter einem Vaterkomplex leidet (in der Realität war er dessen Enkel).
Klischees werden reichlich bedient
Dass sich bei Hof eine Multikulti-Gesellschaft versammelt, die mit ihren arabischen oder afrikanischen Wurzeln eher nach Paris oder London passt, und gar ein dunkelhäutiger Herrscher von Rostow am Don auftaucht, ist einfach nur ärgerlich. Etwas mehr Sorgfalt bei der Darstellung der Vielfalt im russischen Vielvölkerreich wäre trotz des durchweg satirischen Untertons angebracht gewesen. Die Filmbiografie um die Emanzipation und das Erwachsenwerden der Zarin bedient zudem viele Vorurteile gegenüber Russland: Ständig wird Wodka gesoffen. Gläser werden zerdeppert. Und es laufen Bären durch den Palastpark.
Andererseits fühlt sich gut unterhalten, wer sich fallen lässt und sich um die Verfälschungen historischer Wahrheiten nicht schert. Aus der unglücklichen Liaison formt Tony McNamara Szenen eines monarchischen Machtkampfes, der alle Qualitäten eines Intrigenstadels shakespearescher Dimension hat und nicht zuletzt mit seiner opulenten Ausstattung und zündenden Dialogen besticht.